Die Rentenkommission hat ihre Empfehlungen zur Reform der gesetzlichen Altersvorsorge vorgelegt. Im Zentrum steht der Vorschlag, das Renteneintrittsalter künftig an die Lebenserwartung zu koppeln. Damit soll das Rentensystem langfristig stabilisiert werden. Die vollständigen Vorschläge der Kommission sollen erst am Dienstag offiziell veröffentlicht werden.
Um das Rentenniveau in Zukunft wieder anzuheben, schlägt die Kommission die Einführung einer verpflichtenden kapitalgedeckten Zusatzrente vor. Diese zusätzliche Säule soll die umlagefinanzierte Rente ergänzen und dafür sorgen, dass die Absicherung im Alter nicht weiter sinkt, sondern wieder ein höheres Niveau erreicht.
Damit mehr Menschen in die Rentenkasse einzahlen, sollen zum Beispiel neue Selbstständige und Abgeordnete künftig zu Beitragszahlern werden. Auf diese Weise soll die Beitragsbasis verbreitert werden. Das Ziel der Kommission ist es, am Ende sowohl mehr Rente zu ermöglichen als auch die Beitragssteigerungen zu dämpfen.
Für den Kompromiss mussten sich SPD und Union bewegen. Die Sozialdemokraten verabschieden sich beispielsweise von der sogenannten Rente mit 63. Die Arbeitsministerin betonte, es solle Vertrauensschutz und Übergangsfristen geben. Es werde nicht spurlos an allen vorbeigehen, doch am Ende solle die Rente gerade für die junge Generation sicher bleiben.
Der Vorsitzende der Jungen Union, Johannes Winkel, hatte die bisherige Rentenpolitik scharf kritisiert und die Koalition im vergangenen Jahr in die Krise gestürzt. Im Bericht aus Berlin zeigte er sich nun zufrieden, vor allem mit der kapitalgedeckten Zusatzrente und dem höheren Renteneintrittsalter. Beides seien klassische Forderungen der Jungen Union seit vielen Jahren.
Aus der Opposition kam dagegen deutliche Kritik. In der Rentenkommission säßen nur Menschen, die überhaupt nicht wüssten, was Altersarmut bedeute und was es heiße, dass manche Menschen schon heute nicht bis 70 arbeiten könnten. Zudem sei die Lebenserwartung in manchen Bundesländern in den vergangenen Jahren sogar gesunken.
Auch Fachleute sehen eine verpasste Gelegenheit. Das heutige Rentensystem sei eine Umverteilung nicht nur von Jung zu Alt, sondern auch von Arm zu Reich, weil Menschen mit geringem Lebenseinkommen deutlich kürzer lebten und entsprechend kürzer Rente bezögen. Eine echte Reform hätte aus ihrer Sicht diese Umverteilung von Arm zu Reich beenden müssen. Eine abschließende Bewertung wird erst nach der offiziellen Veröffentlichung am Dienstag möglich sein.
