Der ehemalige stellvertretende NATO-Generalsekretaer Mircea Geoana hat eindringlich davor gewarnt, dass das Buendnis seine Faehigkeiten zur Abwehr von Drohnen im niedrigen Luftraum deutlich ausbauen muesse. Aus seiner Sicht klafft genau in diesem Bereich eine gefaehrliche Luecke, die im Licht der juengsten Vorfaelle an der Ostflanke nicht laenger ignoriert werden duerfe.
Geaeussert hat sich Geoana in der Euronews-Sendung Europe Today. Anlass seiner Warnung war ein Drohnenvorfall in der rumaenischen Grenzstadt Galati nahe der Ukraine, der sich in der vergangenen Woche ereignet hatte. Der Zwischenfall hat die Debatte darueber neu entfacht, wie gut die NATO tatsaechlich gegen die Bedrohung durch unbemannte Flugobjekte geschuetzt ist.
Nach Einschaetzung des frueheren NATO-Vertreters ist das Buendnis nicht ueberall gleich schlecht aufgestellt. Fuer mittlere und hohe Hoehen gebe es bereits einige Mittel, die zum Einsatz kommen koennten, etwa Patriot-Raketen sowie Kampfflugzeuge vom Typ F-16 und F-35, eingebettet in die Operationen der NATO. In diesen Bereichen sei eine gewisse Verteidigungsfaehigkeit vorhanden.
Anders sieht es jedoch im niedrigen Luftraum aus. Genau fuer diese tief fliegenden Objekte fehle es der NATO weiterhin an geeigneten Mitteln, betonte Geoana. Es sei gerade dieser Bereich, in dem das Buendnis derzeit verwundbar bleibe, obwohl moderne Drohnen oft genau in solchen niedrigen Hoehen operieren und damit schwerer zu erfassen und abzuwehren sind.
Zugleich machte Geoana deutlich, dass es sich nicht um ein technisches, sondern um ein politisches Problem handle. Entsprechende Systeme existierten bereits auf dem Markt und koennten beschafft werden. Entscheidend sei allein, dass die richtigen Prioritaeten gesetzt wuerden und die vorhandenen Moeglichkeiten konsequent genutzt wuerden, anstatt die Luecke offen zu lassen.
Der russische Praesident Wladimir Putin weist jede Verantwortung fuer den Drohnenvorfall zurueck. Unabhaengig von der Frage der Schuld hat der Zwischenfall nach Einschaetzung von Beobachtern erneut gezeigt, dass sich die NATO besser auf die Anforderungen der modernen Kriegsfuehrung einstellen muss, in der Drohnen eine immer groessere Rolle spielen.
Geoana mahnte schliesslich, das Buendnis muesse mit dem hohen Innovationstempo Schritt halten. Die NATO solle ihre Beschaffungs- und Anpassungsprozesse deutlich beschleunigen und sie staerker an der sicherheitspolitischen Realitaet ausrichten. Nur so koenne das Buendnis auf die rasch wechselnden Bedrohungen reagieren, die der Krieg in der Nachbarschaft mit sich bringt.
