Mit der Erklärung von Mailand senken Schweizer Hersteller und Detailhändler freiwillig den Zuckergehalt in Joghurt, Cerealien und Getränken. Doch die Bevölkerung isst weiterhin fast doppelt so viel Zucker wie von der WHO empfohlen.
Zucker ist in der Schweiz zu einem der grössten Themen im Bereich der gesunden Ernährung geworden. Wie viel Zucker im täglichen Essen steckt und wie er sich sinnvoll reduzieren lässt, beschäftigt Behörden, Hersteller sowie Konsumentinnen und Konsumenten gleichermassen.
Eine offizielle Initiative des Bundes zeigt, auf welche Weise die Schweiz dieses Ziel konkret angeht. Gemäss dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen setzt das Land dabei auf eine schrittweise und ausdrücklich freiwillige Senkung des Zuckergehalts in verschiedenen Produkten.
Fast doppelt so viel wie empfohlen
Der Ausgangspunkt für diese Bemühungen ist der insgesamt hohe Zuckerkonsum in der Bevölkerung. Gemäss den Angaben des Bundesamtes empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation höchstens 50 Gramm zugesetzten Zucker pro Tag, was rund zehn Prozent der täglichen Energiezufuhr entspricht.
Die tatsächlichen Werte liegen jedoch deutlich über dieser Empfehlung. Gemäss den Angaben, die sich auf Zahlen aus dem Jahr 2023 stützen, konsumiert die Schweizer Bevölkerung im Schnitt rund 90 Gramm Zucker pro Tag und damit fast doppelt so viel wie von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen.
Besonders eine bestimmte Produktgruppe fällt dabei stark ins Gewicht. Gemäss den Angaben des Bundesamtes stammen fast 40 Prozent des zugesetzten Zuckers allein aus Getränken, was diese Kategorie zu einem zentralen Ansatzpunkt für jede wirksame Reduktion macht.
Die Erklärung von Mailand
Um den hohen Zuckerkonsum zu senken, hat der Bund eine besondere Vereinbarung ins Leben gerufen. Gemäss den Angaben entstand die sogenannte Erklärung von Mailand am 4. August 2015, als zunächst zehn Unternehmen die freiwillige Selbstverpflichtung zur Zuckerreduktion unterzeichneten.
Seither ist der Kreis der beteiligten Firmen deutlich gewachsen. Gemäss dem Stand vom 21. August 2025 haben inzwischen 21 Unternehmen die Erklärung unterzeichnet, darunter bekannte Namen wie Nestlé, Coca-Cola und Danone sowie die Detailhändler Coop, Migros, Aldi und Lidl.
Was bereits erreicht wurde

Die bisherigen Ergebnisse der Initiative zeigen durchaus spürbare Fortschritte. Gemäss den Angaben des Bundesamtes wurde der Zuckergehalt in Frühstückscerealien bis Ende 2024 um knapp 40 Prozent gesenkt, was den grössten Rückgang unter allen erfassten Produktgruppen darstellt.
Auch bei Milchprodukten und Getränken sind deutliche Veränderungen sichtbar geworden. Gemäss den Angaben sank der Zuckergehalt bei Joghurt um rund 13 Prozent und bei Quark um 10 Prozent, während er bei Milchmischgetränken um gut 14 Prozent und bei Erfrischungsgetränken um gut 13 Prozent zurückging.
Die Ziele bis 2028
Für die kommenden Jahre hat die Initiative konkrete Vorgaben festgelegt. Gemäss den Angaben des Bundesamtes gilt für den Zeitraum von 2025 bis 2028 bei Joghurt ein Reduktionsziel von fünf Prozent, während bei Quark eine Senkung von zehn Prozent angestrebt wird.
Auch für weitere Produktgruppen wurden klare Ziele definiert. Gemäss den Angaben soll der Zuckergehalt bei Frühstückscerealien, bei Erfrischungsgetränken sowie bei Milchmischgetränken im gleichen Zeitraum jeweils um zehn Prozent gesenkt werden.
Ein bewusst freiwilliger Ansatz
Kennzeichnend für die Erklärung von Mailand ist ihr durchgehend freiwilliger Charakter. Gemäss den Angaben setzt der Bund dabei auf die enge Zusammenarbeit mit Lebensmittelproduzenten und Detailhändlern, anstatt auf gesetzliche Vorschriften oder verbindliche Grenzwerte zurückzugreifen.
Der schrittweise Charakter ist dabei ein bewusst gewählter Bestandteil der gesamten Strategie. Gemäss den Angaben erfolgt die Senkung des Zuckers nicht auf einen Schlag, sondern über einen längeren Zeitraum hinweg, sodass die Anpassungen für die beteiligten Unternehmen umsetzbar bleiben.
Insgesamt zeigt die Erklärung von Mailand, wie die Schweiz das Thema Zucker angeht. Ob die freiwillige Zusammenarbeit ausreicht, um den nach wie vor hohen Zuckerkonsum der Bevölkerung nachhaltig zu senken, dürfte die Ernährungsdebatte im Land auch in den kommenden Jahren weiter begleiten.
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