Nach der Zuckerdebatte rueckt das Salz in den Fokus. Erwachsene in der Schweiz essen im Schnitt 8.7 Gramm pro Tag, weit ueber der Empfehlung der WHO. Das meiste davon steckt versteckt in verarbeiteten Lebensmitteln, und der Zusammenhang mit dem Blutdruck ist laengst belegt.
Beim Thema Ernaehrung sprechen wir in der Schweiz derzeit vor allem ueber Zucker. Doch im Schatten dieser Debatte steht ein zweiter, ebenso wichtiger Stoff, ueber den viel seltener geredet wird: das Salz. Wir essen davon deutlich zu viel, und das meiste bemerken wir nicht einmal.
In diesem Beitrag schauen wir uns an, wie viel Salz die Menschen in der Schweiz wirklich konsumieren, wo es sich ueberall versteckt und warum das fuer den Blutdruck von so grosser Bedeutung ist. Alle Zahlen stammen aus den veroeffentlichten Daten des Bundes, ohne dass wir etwas dazuerfinden.
Fast doppelt so viel wie empfohlen
Der zentrale Befund ist ernuechternd. Gemaess der Schweizer Salzstudie 2022 bis 2023 des Bundesamtes fuer Lebensmittelsicherheit und Veterinaerwesen konsumieren Erwachsene im Schnitt 8.7 Gramm Salz pro Tag. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt hoechstens 5 Gramm, wir liegen also rund 75 Prozent darueber.
Dabei zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen den Geschlechtern. Laut derselben Studie nehmen Frauen taeglich 7.4 Gramm Salz zu sich, waehrend es bei den Maennern mit 9.9 Gramm fast doppelt so viel wie die Empfehlung ist. Kaum jemand in der Schweiz bleibt also tatsaechlich unter der empfohlenen Grenze.
Nicht der Salzstreuer ist das Problem

Viele denken beim Salz zuerst an den Streuer auf dem Esstisch. Doch genau hier liegt ein Irrtum. Gemaess der Salzstudie, an der 863 Personen teilnahmen, salzen ueber 90 Prozent der Befragten ihre Speisen nie oder nur gelegentlich nach. Der Griff zum Streuer ist also gar nicht der entscheidende Faktor.
Das bedeutet, dass der weitaus groesste Teil unseres Salzes bereits in den Lebensmitteln steckt, bevor sie ueberhaupt auf den Teller kommen. Wir essen es, ohne es zu merken, und koennen es mit blossem Weglassen des Streuers kaum beeinflussen. Genau das macht das Salz zu einem so unsichtbaren Begleiter unserer Mahlzeiten.
Wo sich das Salz versteckt
Wenn also nicht der Streuer schuld ist, wo kommt das viele Salz dann her? Laut dem Bundesamt sind es vor allem alltaegliche und beliebte Produkte: Brot und Backwaren, Fertigmahlzeiten, Beilagen sowie Fleisch und Wurstwaren gehoeren zu den groessten Salzquellen in unserer Ernaehrung.
Gerade verarbeitete Speisen wie Fertigpizza oder vorbereitete Menues enthalten oft erstaunlich viel Salz, das geschmacklich kaum auffaellt. Wer haeufig auswaerts isst oder zu Fertigprodukten greift, sammelt so ueber den Tag verteilt eine Menge an, die weit ueber dem liegt, was der Koerper wirklich braucht.
Der belegte Zusammenhang mit dem Blutdruck
Warum ist das ueberhaupt ein Problem? Weil zwischen Salz und Blutdruck ein klarer Zusammenhang besteht. Gemaess dem Bundesamt haben 24 Prozent der Erwachsenen einen zu hohen Blutdruck, definiert als 140 zu 90 oder die Einnahme entsprechender Medikamente. Bei den Maennern sind es 32 Prozent, bei den Frauen 15 Prozent.
Besonders empfindlich reagieren laut den Daten aeltere Menschen, uebergewichtige Personen sowie Betroffene mit einer Nierenerkrankung oder bereits erhoehtem Blutdruck. Fuer sie kann eine Reduktion des Salzkonsums auf 3 bis 5 Gramm pro Tag den Blutdruck spuerbar senken und damit das Risiko fuer Herz und Gefaesse verringern.
Das Vorbild aus der Zuckerstrategie
Der Bund moechte beim Salz denselben Weg gehen wie beim Zucker. Als Vorbild dient die Erklaerung von Mailand vom Februar 2023, mit der sich 24 Schweizer Hersteller verpflichteten, den Zucker in Joghurts, Mueesli und Getraenken bis Ende 2023 um zehn Prozent zu senken. Dieses Modell der freiwilligen Zusammenarbeit gilt als Erfolg.
Fuer das Salz sind laut Urs Stalder, dem Leiter der Ernaehrungsabteilung des Bundesamtes, aehnliche Vereinbarungen und sogar Hoechstgehalte in bestimmten Lebensmitteln denkbar. Der Rueckgang beim Salz fiel in den vergangenen Jahren allerdings nur bescheiden aus und wird vom Bundesamt selbst als nicht ausreichend bezeichnet.
Bis eine solche Strategie greift, bleibt ein Teil der Verantwortung bei uns selbst. Wer oefter frisch kocht, die Salzangaben auf den Verpackungen liest und bewusster einkauft, kann seinen Konsum spuerbar senken. Doch klar ist auch: Das stille Salzproblem der Schweiz verdient dieselbe Aufmerksamkeit, die wir laengst dem Zucker schenken.
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