Rund 30 Millionen Menschen gehen in Deutschland mehr oder weniger regelmäßig in die Sauna. Finnische Langzeitstudien deuten darauf hin, dass häufiges Saunieren mit einem deutlich geringeren Risiko für Herztod und Herz-Kreislauf-Erkrankungen einhergeht, wenn man einige Grenzen beachtet.
Wenn die Tage kürzer und kälter werden, füllen sich in Deutschland die Saunen und Thermen. Für viele Menschen ist der Gang in die heiße Kabine ein liebgewonnenes Ritual, das vor allem Entspannung verspricht. Doch die Forschung deutet darauf hin, dass regelmäßiges Schwitzen weit mehr sein könnte als nur eine angenehme Auszeit.
Ein Volkssport mit Aufguss
Dass die Sauna hierzulande beliebt ist, zeigen die Zahlen des Deutschen Sauna-Bundes deutlich. Rund 30 Millionen Menschen in Deutschland, etwa 17 Millionen Männer und 13 Millionen Frauen, besuchen mehr oder weniger regelmäßig eine Sauna. Das Schwitzen bei großer Hitze ist damit längst ein fester Teil der deutschen Wellnesskultur.
Die Möglichkeiten dazu sind reichlich vorhanden. Nach Angaben des Verbandes gibt es allein rund 2.300 öffentliche Saunaanlagen, und zählt man Hotels, Fitnessstudios und Sportstätten mit hinzu, stehen der Bevölkerung sogar etwa 10.000 Anlagen zur Verfügung. Ein Teil der Menschen hat zudem eine eigene Sauna zu Hause.
Was die Forschung über das Herz zeigt
Besonders viel Aufmerksamkeit hat in den vergangenen Jahren die Forschung aus Finnland erregt, wo die Sauna eine noch längere Tradition hat als in Deutschland. Ein Forscherteam um den Kardiologen Jari Laukkanen begleitete über viele Jahre hinweg eine Gruppe von 2.315 Männern mittleren Alters aus dem Osten des Landes.
Die Ergebnisse waren bemerkenswert deutlich. Männer, die vier bis sieben Mal pro Woche in die Sauna gingen, hatten im Vergleich zu jenen, die nur einmal wöchentlich saunierten, ein um 63 Prozent geringeres Risiko für einen plötzlichen Herztod und ein um 50 Prozent geringeres Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben.
Mehr als nur das Herz

Die möglichen Vorteile blieben in den Auswertungen nicht auf das Herz beschränkt. In derselben finnischen Gruppe zeigte sich, dass häufige Saunagänger auch ein deutlich niedrigeres Risiko für Demenz und die Alzheimer-Krankheit aufwiesen, mit einer Verringerung um 66 beziehungsweise 65 Prozent gegenüber den seltenen Nutzern.
Auch beim Blutdruck deuten die Daten in eine günstige Richtung. Regelmäßiges Saunieren wurde in den Untersuchungen mit einem geringeren Risiko in Verbindung gebracht, überhaupt einen zu hohen Blutdruck zu entwickeln, der wiederum als einer der wichtigsten Risikofaktoren für Herzinfarkte und Schlaganfälle gilt.
Als mögliche Erklärungen nennen die Forscher mehrere Mechanismen. Dazu gehören eine bessere Steuerung des vegetativen Nervensystems, erkennbar an einem stärkeren Einfluss des beruhigenden Vagusnervs, sowie günstige Veränderungen bei Entzündungswerten im Blut wie dem sogenannten C-reaktiven Protein.
Warum Wärme so wirkt
Was in der heißen Kabine mit dem Körper geschieht, ähnelt in mancher Hinsicht einem moderaten Ausdauertraining. Durch die Hitze steigt die Herzfrequenz spürbar an, die Blutgefäße weiten sich, und das Herz muss mehr Blut durch den Körper pumpen, ganz ohne dass man sich dabei körperlich anstrengen müsste.
Hinzu kommt die tiefe Entspannung nach dem Saunagang. Der Wechsel zwischen großer Hitze und anschließender Abkühlung sowie die anschließende Ruhephase können helfen, Stress abzubauen und das Nervensystem in einen ruhigeren Zustand zu versetzen, was sich langfristig ebenfalls positiv auswirken dürfte.
Kein Wundermittel
Bei aller Begeisterung mahnen Fachleute jedoch zur Vorsicht bei der Deutung solcher Zahlen. Die finnischen Untersuchungen sind Beobachtungsstudien, sie können also einen Zusammenhang aufzeigen, aber keinen zweifelsfreien Beweis liefern, dass allein die Sauna für die niedrigeren Risiken verantwortlich ist.
Zudem ist die Sauna nicht für jeden ohne Weiteres geeignet. Menschen mit instabilen Herzerkrankungen oder anderen ernsten Beschwerden sollten vor regelmäßigen Saunagängen ärztlichen Rat einholen, ausreichend trinken und keinesfalls unter Alkoholeinfluss in die heiße Kabine gehen, um Kreislaufprobleme zu vermeiden.
Ein warmer Ausklang
Für gesunde Menschen aber spricht vieles dafür, dass der regelmäßige Gang in die Sauna mehr ist als reiner Genuss. Gerade in der dunklen und kalten Jahreszeit verbindet er auf angenehme Weise Entspannung, ein Stück Geselligkeit und einen möglichen Gewinn für Herz, Kreislauf und Wohlbefinden.
Wichtig bleibt dabei das rechte Maß. Wer die eigenen Grenzen kennt, genügend trinkt und auf den Körper hört, kann die Wärme mit gutem Gewissen genießen, denn die Sauna ersetzt keine medizinische Behandlung, kann aber ein sinnvoller Baustein für einen gesunden Alltag sein.

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