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Alkohol in Deutschland: Warum es laut neuen Empfehlungen keine unbedenkliche Menge gibt

Lena Schmidt Lena Schmidt lenaschmidt.avalw.com · 5.9k reads Respect0 Save Share Read only
READS539live count PUBLISHED8 Sept2026 READING TIME3 min658 words LANGUAGEGerman
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Rund 10 Liter reiner Alkohol pro Kopf und Jahr: Deutschland trinkt weiter viel. Neue Empfehlungen der DGE und das Jahrbuch Sucht 2026 sind sich einig, dass es keine gesundheitlich unbedenkliche Menge Alkohol gibt.

Bier zum Feierabend, ein Glas Wein zum Essen: In Deutschland gehört Alkohol für viele fest zum Alltag. Doch der Blick der Fachwelt auf das Thema verändert sich deutlich. Neue Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und das aktuelle Jahrbuch Sucht sind sich einig, dass es keine gesundheitlich unbedenkliche Menge Alkohol gibt.

Deutschland trinkt weiter viel

Zunächst zu den Zahlen: Laut den Angaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen lag der Pro-Kopf-Konsum im Jahr 2024 bei rund 10 Litern reinem Alkohol, gerechnet auf die erwachsene Bevölkerung. Werden auch nicht registrierte Mengen einbezogen, sind es sogar etwa 10,5 Liter. Damit liegt Deutschland weiterhin über dem europäischen Durchschnitt.

Diese Zahlen zeigen, wie tief der Alkohol kulturell verankert ist. Bier und Wein sind bei Festen, beim Essen und im geselligen Beisammensein allgegenwärtig. Gerade weil der Konsum als so normal gilt, fällt es vielen schwer, ihn kritisch zu hinterfragen, obwohl die gesundheitlichen Risiken inzwischen gut belegt sind.

Kein sicherer Konsum

Bier gehört in Deutschland zum Alltag. Fachleute betonen jedoch, dass es keine gesundheitlich unbedenkliche Menge Alkohol gibt.
Bier gehört in Deutschland zum Alltag. Fachleute betonen jedoch, dass es keine gesundheitlich unbedenkliche Menge Alkohol gibt.

Die zentrale Botschaft der Fachleute ist eindeutig: Eine risikofreie Menge für einen unbedenklichen Alkoholkonsum gibt es nicht. Wie die Suchtmedizinerin und Mitautorin des Jahrbuchs, Dr. Francesca Borlak, erklärt, gibt es keinen gesundheitlich unbedenklichen oder gar gesundheitsförderlichen Konsum. Das ist eine deutliche Abkehr von früheren Annahmen.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung kommt zu diesem Ergebnis und hat ein aktualisiertes Positionspapier veröffentlicht. Lange galt ein Glas Rotwein am Abend als geradezu gesund. Diese Vorstellung gilt nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft als überholt, denn schon kleine Mengen sind mit einem gewissen Risiko verbunden.

Die gesundheitlichen Folgen

Wie ernst das Thema ist, zeigt eine weitere Zahl. Nach den vorliegenden Angaben sind in Deutschland jedes Jahr etwa 44.000 Todesfälle auf Alkoholkonsum zurückzuführen. Damit zählt Alkohol zu den führenden vermeidbaren Ursachen für Krankheit und Tod, noch vor vielen anderen Risikofaktoren, die weit mehr Aufmerksamkeit bekommen.

Der Grund dafür ist, dass Alkohol nahezu den ganzen Körper betrifft. Fachleute bringen ihn unter anderem mit Erkrankungen der Leber, mit Herz-Kreislauf-Problemen und mit verschiedenen Krebsarten in Verbindung. Anders als früher angenommen tragen dabei auch moderate Mengen bereits zu einem messbaren Risiko bei, nicht erst der Rausch.

Problematischer Konsum und Abhängigkeit

Hinter den Durchschnittswerten verbergen sich zudem viele Menschen mit ernsten Problemen. Den Angaben zufolge weisen rund 1,7 Millionen Menschen im Alter zwischen 18 und 64 Jahren einen problematischen Alkoholkonsum auf. Etwa 2,16 Millionen Menschen in dieser Altersgruppe gelten als alkoholabhängig, das sind rund vier Prozent.

Wichtig ist dabei: Wer den Eindruck hat, den eigenen Konsum nicht mehr im Griff zu haben, ist damit nicht allein. In Deutschland gibt es zahlreiche Beratungs- und Hilfsangebote, etwa über Suchtberatungsstellen oder den Hausarzt. Ein offenes Gespräch ist oft der erste Schritt, und Unterstützung zu suchen ist ein Zeichen von Stärke.

Warum sich der Blick ändert

Der Wandel in der Bewertung hat wissenschaftliche Gründe. Ältere Studien, die einem moderaten Konsum sogar Vorteile zuschrieben, gelten heute als methodisch angreifbar. Neuere und umfangreichere Auswertungen finden dagegen keinen sicheren Schwellenwert, unterhalb dessen Alkohol gänzlich harmlos wäre. Der Grundsatz lautet deshalb: weniger ist besser.

Diese Botschaft soll ausdrücklich keine Panik auslösen, sondern für Klarheit sorgen. Es geht nicht darum, jeden gelegentlichen Genuss zu verteufeln, sondern darum, ehrlich über die Risiken aufzuklären. Wer seinen Konsum reduziert, tut seiner Gesundheit nachweislich etwas Gutes, unabhängig davon, wie viel er zuvor getrunken hat.

Die Rolle der Politik

Das Jahrbuch Sucht 2026 weist zugleich auf große Defizite in der deutschen Alkoholpolitik hin. Diskutiert werden Maßnahmen wie Beschränkungen bei Werbung und Verfügbarkeit oder Fragen der Besteuerung. Andere Länder gehen hier bereits weiter, während in Deutschland der leichte Zugang zu Alkohol im Alltag bislang kaum eingeschränkt wird.

Interessant ist, dass sich in Teilen der Gesellschaft dennoch etwas bewegt. Vor allem bei jüngeren Menschen ist ein Trend zu weniger oder gar keinem Alkohol zu beobachten. Dieser langsame kulturelle Wandel könnte langfristig dazu beitragen, den insgesamt sehr hohen Konsum in Deutschland spürbar zu senken.

Weniger ist besser

Die Botschaft der Fachleute ist am Ende klar und unaufgeregt: Eine gesundheitlich unbedenkliche Menge Alkohol gibt es nicht, und weniger ist grundsätzlich besser. Angesichts des hohen Konsums und der rund 44.000 Todesfälle pro Jahr lohnt es sich, das eigene Trinkverhalten ehrlich anzuschauen und bei Bedarf frühzeitig Unterstützung zu suchen.

3 responses
Jan Weber1 week ago

Ausgewogene Sicht auf Gesundheit Deutschland.

2
Julia Weber1 week ago

Gesundheit Deutschland: besser erklärt als anderswo.

2
Tim Meyer1 week ago

Guter Kontext rund um Gesundheit Deutschland.

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