Er kam in Wien zur Welt und wurde zu einem der einflussreichsten Regisseure der Filmgeschichte. Ein Blick auf Fritz Lang, seine Stadt der Zukunft in Metropolis, die Flucht vor den Nationalsozialisten und ein Erbe, das bis heute nachwirkt.
Wenn heute von den Wurzeln des modernen Kinos die Rede ist, führt kaum ein Weg an einem Mann vorbei, der in Wien geboren wurde und dessen Bilder bis in unsere Gegenwart nachwirken. Fritz Lang gehört zu den einflussreichsten Regisseuren der gesamten Filmgeschichte.
Ein Wiener Kind der Jahrhundertwende
Fritz Lang kam am fünften Dezember 1890 in Wien zur Welt, damals die glanzvolle Hauptstadt der Habsburgermonarchie. Sein Vater arbeitete als Architekt und Bauleiter, und die Formen der wachsenden Großstadt begleiteten den Jungen von klein auf.
Die Stadt seiner Kindheit war ein Ort der Gegensätze, voller Prunkbauten, Theater und Kaffeehäuser, aber auch voller sozialer Spannungen. Diese Mischung aus Schönheit und Schatten sollte später in vielen seiner Filme auf eindrucksvolle Weise wiederkehren.
Vom Zeichenstift zur Kamera
Zunächst schien Lang einem ganz anderen Beruf entgegenzugehen. Er beschäftigte sich mit Ingenieurwesen und Architektur, bevor ihn die Leidenschaft für die Malerei auf lange Reisen durch Europa, Nordafrika und Asien führte.
Der Erste Weltkrieg unterbrach diesen Weg auf brutale Weise. Lang diente in der österreichischen Armee, wurde verwundet und begann während seiner Genesung, Drehbücher zu schreiben. So fand er über Umwege zum noch jungen Medium des Films.
Metropolis, die Stadt der Zukunft

Sein berühmtestes Werk entstand in Deutschland, wohin es Lang in den zwanziger Jahren gezogen hatte. Metropolis aus dem Jahr 1927 entwarf das Bild einer riesigen Stadt der Zukunft, in der eine kleine Elite hoch über einer Masse arbeitender Menschen thront.
Der Film war zu seiner Zeit die teuerste Stummfilmproduktion der Welt. Seine monumentalen Bauten, die gewaltigen Massenszenen und die künstliche Frauengestalt prägen bis heute, wie Kino und Popkultur sich mögliche Zukünfte vorstellen.
M und der Sprung in den Tonfilm
Nur wenige Jahre später wagte Lang den Schritt in eine neue Ära. M aus dem Jahr 1931 war sein erster Tonfilm und erzählt von der fieberhaften Jagd nach einem Mörder, der eine ganze Stadt in Angst und gegenseitiges Misstrauen stürzt.
Lang nutzte den neuen Ton nicht als bloßen Effekt, sondern als dramatisches Mittel. Pfiffe, plötzliche Stille und Stimmen wurden zu Werkzeugen der Spannung und zeigten, wie kunstvoll sich Klang und Bild miteinander verbinden ließen.
Die Flucht vor den Nationalsozialisten
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 veränderte sich Langs Leben grundlegend. Der Regisseur verließ Deutschland und ging zunächst nach Paris, bevor ihn sein Weg schließlich in die Vereinigten Staaten führte.
Eine berühmte, von Lang selbst erzählte Anekdote berichtet von einem Angebot, die deutsche Filmproduktion zu leiten. Ob sich alles genau so zutrug, ist unter Historikern umstritten, doch seine klare Entscheidung für die Emigration steht außer Frage.
Ein zweites Leben in Hollywood
In den Vereinigten Staaten begann Lang praktisch noch einmal von vorn. Sein erster amerikanischer Film Fury aus dem Jahr 1936 behandelte das Thema der Selbstjustiz und zeigte, dass sein Blick für gesellschaftliche Abgründe nichts verloren hatte.
In den folgenden Jahren wurde er zu einem wichtigen Namen des amerikanischen Kinos, besonders im Bereich der dunklen, moralisch vieldeutigen Kriminalfilme. So prägte er, wie kaum ein anderer Regisseur, gleich zwei nationale Filmkulturen.
Ein Erbe, das weiterlebt
Fritz Lang starb am zweiten August 1976 in Los Angeles, weit entfernt von der Stadt seiner Kindheit. Sein Werk aber blieb lebendig und wird von Regisseuren und Filmfans in aller Welt bis heute genau studiert und bewundert.
Besonders Metropolis erlebte eine erstaunliche Wiedergeburt, als lange verschollen geglaubte Szenen wiederentdeckt und in einer umfassenden Restaurierung zusammengefügt wurden. Nun nähert sich der Klassiker seinem hundertsten Geburtstag.
Von Wien über Berlin bis nach Hollywood zeichnet Langs Leben die Landkarte eines ganzen Jahrhunderts nach. Seine Geschichte erinnert daran, dass die große Leinwand immer auch ein Spiegel ihrer eigenen Zeit gewesen ist.

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