Wien beschliesst ein neues Life Science Center fuer 170 Millionen Euro, waehrend junge Firmen frisches Kapital einsammeln. Ein Blick auf Standort, Geld und Grenzen.
Wien festigt seinen Ruf als eine der wichtigsten Adressen fuer Biotechnologie und Medizintechnik in Europa. Mit einem frisch beschlossenen Grossprojekt und mehreren jungen Firmen, die frisches Kapital einsammeln, zeigt die Stadt, dass ihre Ambitionen im Bereich Life Sciences weit ueber die reine Grundlagenforschung hinausreichen.
170 Millionen Euro fuer einen neuen Standort
Die Wiener Stadtregierung hat gruenes Licht fuer ein neues Life Science Center im Stadtteil Neu Marx gegeben. Rund 170 Millionen Euro sind fuer den Bau vorgesehen, der auf einer Flaeche von etwa 14.000 Quadratmetern Labore und Bueros vereinen soll. Der Standort liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum bestehenden Forschungscluster und zu mehr als vierzig Firmen.
Der Zeitplan ist klar abgesteckt. Das Jahr 2026 dient der Detailplanung, der Flaechenvorbereitung, der Vermarktung und dem Genehmigungsverfahren. Der eigentliche Baustart ist fuer 2027 angesetzt, die Fertigstellung fuer 2029 und der regulaere Vollbetrieb fuer das Jahr 2030 geplant.
Ein Institut fuer kuenstliche Intelligenz in der Biomedizin
Herzstueck des neuen Gebaeudes wird das Institut AITHYRA, das sich der kuenstlichen Intelligenz in der Biomedizin widmet. Die Boehringer Ingelheim Stiftung finanziert dieses Institut mit 150 Millionen Euro ueber zwoelf Jahre und sichert damit eine langfristige Perspektive fuer eine Forschung, die sonst oft am kurzen Foerderhorizont scheitert.
Das Institut soll rund die Haelfte der verfuegbaren Flaeche belegen und im Jahr 2029 einziehen. Im Untergeschoss ist eine umfangreiche technische Infrastruktur fuer Rechen- und Serverkapazitaeten geplant, denn die Auswertung biologischer Daten verlangt enorme Leistung. Damit verbindet Wien Datenwissenschaft und Molekularbiologie unter einem Dach.
Der Vienna BioCenter als gewachsenes Herzstueck
Das Fundament dieses Aufschwungs ist der Vienna BioCenter, der seit den achtziger Jahren gewachsen ist. Heute vereint er sechs fuehrende Forschungseinrichtungen, rund 2.800 Beschaeftigte und mehr als vierzig Biotech Firmen auf engem Raum. Viele junge oesterreichische Unternehmen sind genau an diesem Ort entstanden und geblieben.
Wien traegt zwei Drittel der oesterreichischen Biotechnologie und Pharmalandschaft. In der Stadt sind 349 Unternehmen angesiedelt, das entspricht 66 Prozent aller einschlaegigen Firmen des Landes. Die Branche erwirtschaftete im Jahr 2023 einen Umsatz von 22,7 Milliarden Euro und beschaeftigte mehr als 49.000 Menschen.
Junge Firmen sammeln frisches Kapital

Neben den grossen Bauvorhaben zeigt sich die Dynamik vor allem bei den Neugruendungen. Das Wiener Unternehmen Aitiologic hat eine deutlich ueberzeichnete Seed Runde ueber 6,4 Millionen Euro abgeschlossen. Das Geld fliesst in die Weiterentwicklung einer Plattform fuer praezise Medizin, die Diagnosen genauer und schneller machen soll.
Ein weiteres Beispiel ist Ygion Biomedical, das im Jahr 2022 gegruendet wurde und individualisierte Immuntherapien gegen Krebs entwickelt. Das Unternehmen hat eine Serie A ueber 15 Millionen Euro eingesammelt und treibt damit seine Technologieplattform sowie sein fuehrendes Wirkstoffprogramm in Richtung klinischer Erprobung voran.
Ein schwieriges Umfeld fuer spaete Phasen
So kraeftig die Fruehphase auch pulsiert, das Bild hat eine zweite Seite. Bei den Transaktionen handelt es sich ueberwiegend um Runden in einer fruehen Entwicklungsstufe. Fuer die kostspieligen mittleren und spaeten Phasen bleibt die Kapitalbeschaffung dagegen anspruchsvoll, was viele Firmen vor eine echte Bewaehrungsprobe stellt.
Genau an dieser Stelle setzen oeffentliche Foerderungen an. Die Foerderagentur FFG unterstuetzt im Programm Austrian Life Sciences Projekte zu digitaler Gesundheit, Diagnostik, Telemedizin, Medizinprodukten und Arzneimitteln. Eine Forschungspraemie von 14 Prozent macht den Standort fuer Investoren zusaetzlich reizvoll.
Was der Ausbau fuer die Stadt bedeutet
Fuer Wien geht es um mehr als Prestige. Waehrend der Bauphase des neuen Zentrums sollen rund 1.000 Arbeitsplaetze entstehen, im fertigen Betrieb etwa 500 hoch qualifizierte Stellen in Forschung, Life Sciences und Datenwissenschaft. Solche Jobs binden Talente an die Stadt und ziehen internationale Fachkraefte an.
Ob Wien den Sprung von einem starken Forschungsstandort zu einem globalen Zentrum der kommerziellen Biotechnologie schafft, wird sich in den kommenden Jahren entscheiden. Die Bausteine liegen bereit, naemlich Kapital, Talent, Institute und ein klarer Plan. Nun muss die Stadt beweisen, dass sie aus guten Laborideen dauerhafte Unternehmen formen kann.

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