Eine neue EY-Studie zeigt ein widersprüchliches Bild: Österreichs Unternehmen fühlen sich sicherer, obwohl die Angriffe zunehmen. Künstliche Intelligenz wird dabei zugleich zur Waffe der Angreifer und zum wichtigsten Werkzeug der Verteidigung.
Die Cybersicherheit in Österreichs Wirtschaft steht wieder im Rampenlicht. Eine aktuelle Studie der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY zeichnet ein widersprüchliches Bild: Obwohl die Zahl der Angriffe steigt, fühlen sich viele Unternehmen im Land inzwischen sicherer als noch im Vorjahr. Fachleute sehen darin eine gefährliche Fehleinschätzung.
Die wichtigsten Zahlen
Für die Erhebung befragte EY Österreich im April 2026 rund 200 Geschäftsführerinnen, Geschäftsführer und Führungskräfte aus den Bereichen IT-Sicherheit und Datenschutz. Im Fokus standen österreichische Unternehmen mit mindestens 20 Mitarbeitenden, also ein breiter Querschnitt durch die heimische Wirtschaft von mittelgroßen Betrieben aufwärts.
Das zentrale Ergebnis: 36 Prozent der befragten Unternehmen verzeichneten in den vergangenen fünf Jahren konkrete Hinweise auf Angriffe auf ihre Systeme. Das sind vier Prozentpunkte mehr als im Jahr davor. Die tatsächliche Bedrohungslage verschärft sich also messbar, statt sich zu entspannen, wie man vielleicht hoffen würde.
Ein gefährlicher Trugschluss
Umso bemerkenswerter ist die zweite Zahl. Nur noch 38 Prozent der Unternehmen stufen das Risiko eines Cyberangriffs im Jahr 2026 als hoch ein. Ein Jahr zuvor waren es mit 47 Prozent noch deutlich mehr. Die gefühlte Gefahr sinkt also, obwohl die realen Vorfälle in die andere Richtung zeigen und häufiger werden.
Gottfried Tonweber, Partner und Leiter des Bereichs Cybersecurity bei EY Österreich, bringt diesen Widerspruch auf den Punkt. Dass die wahrgenommene Gefahr sinke, während die tatsächlichen Vorfälle stiegen, sei ein gefährlicher Trugschluss, warnt er. Denn wer sich zu sicher fühlt, investiert oft zu wenig in den eigenen Schutz.
Künstliche Intelligenz auf beiden Seiten

Eine der treibenden Kräfte hinter dieser Entwicklung ist die künstliche Intelligenz. Sie hat das Kräfteverhältnis zwischen Angreifern und Verteidigern verschoben, weil sich mit ihrer Hilfe unauffällige und gezielt orchestrierte Attacken automatisieren lassen, die für herkömmliche Schutzmechanismen deutlich schwerer zu erkennen sind.
Zugleich ist dieselbe Technologie aber auch die stärkste Waffe der Verteidigung. Laut der Studie erkennen 65 Prozent jener Unternehmen, die auf KI-gestützte Cybersicherheit setzen, Angriffe auf ihre Systeme. Bei Firmen ohne solche Werkzeuge liegt dieser Wert nur bei 29 Prozent, also weniger als der Hälfte.
Wer schon auf die Technik setzt
Trotz dieses klaren Vorteils ist der Einsatz solcher Systeme noch keineswegs selbstverständlich. Erst rund jedes fünfte Unternehmen in Österreich nutzt derzeit KI-Technologien aktiv für die eigene Cyberabwehr. Zwischen dem, was technisch möglich ist, und dem, was tatsächlich eingesetzt wird, klafft also weiterhin eine spürbare Lücke.
Warum die Wahrnehmung hinterherhinkt
Warum die gefühlte Sicherheit steigt, während die Angriffe zunehmen, lässt sich nur vermuten. Ein möglicher Grund ist Gewöhnung: Wenn Meldungen über Attacken zum Alltag gehören, stumpft die Aufmerksamkeit ab. Hinzu kommt, dass moderne Angriffe oft leise ablaufen und lange unbemerkt bleiben, bevor der Schaden überhaupt sichtbar wird.
Dass das Thema an Bedeutung gewinnt, ist den Unternehmen im Grunde bewusst. Immerhin 82 Prozent gehen davon aus, dass Cyberangriffe in Zukunft eine noch größere Rolle spielen werden. Diese Erwartung und das gesunkene Risikoempfinden im Hier und Jetzt passen allerdings nur schwer zusammen.
Was das für Unternehmen bedeutet
Für die heimische Wirtschaft ist die Botschaft der Studie damit eindeutig. Gerade weil sich die Lage scheinbar beruhigt hat, ist es riskant, bei der Abwehr nachzulassen. Die Angreifer rüsten technologisch auf, und wer nicht mithält, wird über kurz oder lang zur leichteren Zielscheibe für automatisierte Attacken.
Besonders betroffen sind mittelgroße Betriebe, die oft weder die Budgets noch die spezialisierten Teams großer Konzerne haben. Für sie können moderne, teils automatisierte Schutzsysteme ein Weg sein, um trotz begrenzter Ressourcen ein Sicherheitsniveau zu erreichen, das dem der Bedrohung angemessen ist.
Ein Thema, das bleibt
Die Ergebnisse fügen sich in eine breitere Entwicklung ein, in der Cybersicherheit längst von einer reinen IT-Frage zu einem strategischen Thema für die gesamte Führungsebene geworden ist. Regulierung, Versicherung und technische Vorsorge greifen dabei zunehmend ineinander und lassen sich kaum noch getrennt betrachten.
Am Ende bleibt der Kern der Studie eine Mahnung, sich von einem trügerischen Gefühl der Sicherheit nicht täuschen zu lassen. Die Zahlen aus Österreich zeigen, dass echte Sicherheit weniger von der eigenen Gelassenheit abhängt als von der Bereitschaft, kontinuierlich in Menschen, Prozesse und Technik zu investieren.
Ausgewogene Sicht auf Unternehmen.
Genau das.

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