In Deutschland warten derzeit etwa 8.000 Menschen auf ein Spenderorgan. Viele Menschen wären zugleich bereit, nach ihrem Tod Organe zu spenden, doch nur in den wenigsten Fällen kommt es tatsächlich zu einer Transplantation. Der heutige Tag der Organspende soll genau auf dieses Missverhältnis und die vergleichsweise hohen Hürden hierzulande aufmerksam machen.
Wie existenziell das Thema ist, zeigt der Fall von Aileen Hahn. Vor zwei Jahren war ihre Lage nach eigener Schilderung aussichtslos, denn wegen einer schweren Lungenkrankheit brauchte sie dringend eine Spenderlunge. Vier Monate lang wartete sie mit der höchsten Dringlichkeitsstufe auf das rettende Organ.
Diese Monate seien extrem anstrengend gewesen, berichtet sie. Schon dreimal am Tag zur Toilette zu gehen, sei für sie zu dieser Zeit wie Leistungssport gewesen, und mehr habe sie körperlich nicht geschafft. Ihre Erzählung macht deutlich, wie sehr ein langes Warten auf der Liste die Betroffenen zermürbt.
Seit Jahren sind die Transplantationszahlen in Deutschland im europäischen Vergleich niedrig. Rund 8.200 Menschen stehen aktuell auf der Warteliste. Mediziner berichten, dass es allein an einem Uniklinikum jede Woche Patienten gebe, die aufgrund des Organmangels versterben, bevor ein passendes Spenderorgan gefunden werden kann.
Ein wesentlicher Grund liegt nach Einschätzung von Experten in den deutschen Regeln. Hierzulande dürfen Organe nur nach einem festgestellten Hirntod gespendet werden. Neue Studien zeigen jedoch, dass eine Organspende nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand die Zahl der Transplantationen deutlich steigern würde, so wie es in anderen europäischen Ländern längst üblich ist.
Für viele Betroffene ist diese Einschränkung schwer nachvollziehbar. Selbst wer in Deutschland einen klaren Wunsch habe, Organspender zu werden, dürfe die Organe nicht spenden, wenn zuerst das Herz stehen bleibe. Mit welchem Recht, so die Kritik, nehme man diesen Menschen am Ende ihres Lebens die Möglichkeit, eine solche altruistische Tat noch zu vollziehen.
Aileen Hahn hatte Glück und überlebte dank einer Spenderlunge. Sie wünscht sich, dass politisch alles getan wird, damit in Deutschland mehr Organtransplantationen möglich werden. Der Verein Junge Helden klärt seit Langem über das Thema auf. Barbara Summ vom Verein betont, man müsse auf unterschiedlichen Ebenen tätig werden, eine ganz wichtige Änderung sei dabei politischer Natur, nämlich die Widerspruchsregelung.
