Nach zwei Jahren der Rezession deuten die Prognosen für das kommende Jahr auf eine bescheidene, aber breit getragene Erholung hin. Sinkende Inflation, anziehende Exporte und ein sich stabilisierender Arbeitsmarkt nähren die Hoffnung, dass die Talsohle nun endgültig durchschritten ist.
Die österreichische Wirtschaft hat eine außergewöhnlich lange und zähe Durststrecke hinter sich. Nach der längsten Schwächephase der gesamten Nachkriegszeit mehren sich nun jedoch die Anzeichen, dass die Talsohle durchschritten ist und ein vorsichtiger Aufschwung bevorsteht, was bei Unternehmen wie auch bei den Menschen im Land für spürbare Erleichterung sorgt.
Das Ende einer langen Durststrecke

Über zwei Jahre hinweg musste die heimische Wirtschaft einen Rückgang der Wirtschaftsleistung verkraften, was viele Branchen und Haushalte gleichermaßen stark belastet hat. Fachleute sprechen inzwischen offen von der längsten Phase der Schwäche seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, was verdeutlicht, wie tief und hartnäckig die konjunkturelle Flaute in diesem Zeitraum tatsächlich gewesen ist.
Umso bedeutsamer ist die nun einsetzende Wende, die von den führenden Wirtschaftsforschern des Landes vorhergesagt wird. Zwar dürfte das laufende Jahr insgesamt noch von einer Stagnation geprägt sein, doch die Richtung stimmt wieder, und die zaghaften Signale einer Besserung werden von Monat zu Monat deutlicher und breiter abgestützt über die verschiedenen Wirtschaftsbereiche hinweg.
Bescheidenes Wachstum kehrt zurück
Für das kommende Jahr rechnen die Prognostiker mit einem Wachstum der Wirtschaftsleistung von etwa 1,2 Prozent. Das mag auf den ersten Blick nicht besonders spektakulär klingen, doch nach den mageren Jahren der Rezession bedeutet diese Rückkehr in die Wachstumszone einen wichtigen psychologischen wie auch wirtschaftlichen Wendepunkt für das gesamte Land und seine Bevölkerung.
Besonders erfreulich ist dabei, dass die Erholung nicht nur auf einer einzigen Säule ruht, sondern breit getragen wird. Sowohl die Nachfrage aus dem Inland als auch die Exporte sollen im kommenden Jahr positive Beiträge leisten, sodass praktisch alle Wirtschaftsbereiche gemeinsam zur allmählichen Belebung der Konjunktur beitragen und das Fundament der Erholung damit deutlich stabiler ausfällt.
Die Inflation lässt nach
Ein weiterer Grund zur vorsichtigen Zuversicht liegt in der spürbar nachlassenden Teuerung im Land. Nachdem die Verbraucherpreise im laufenden Jahr noch um knapp drei Prozent gestiegen sind, erwarten die Fachleute für das kommende Jahr eine deutlich moderatere Rate von etwa zwei Prozent, womit sich die Inflation wieder dem als gesund geltenden Zielwert der Währungshüter annähert.
Diese Entwicklung ist für die privaten Haushalte von großer Bedeutung, denn niedrigere Preissteigerungen bedeuten, dass das verfügbare Einkommen wieder mehr wert ist. Wenn die Löhne stärker steigen als die Preise, wächst die reale Kaufkraft der Menschen, was wiederum den privaten Konsum ankurbeln und so den gesamten Aufschwung von innen heraus zusätzlich befeuern kann.
Export und Industrie ziehen an
Eine tragende Rolle beim Wiedererstarken der Wirtschaft spielt die exportorientierte Industrie, die in den vergangenen Jahren besonders stark unter der Schwäche gelitten hatte. Mit der allmählichen Belebung der internationalen Nachfrage nimmt die Ausfuhr heimischer Güter wieder Fahrt auf, was sich unmittelbar positiv auf die Produktion in den Fabriken des Landes auswirkt und neue Zuversicht schafft.
Gerade für eine kleine und offene Volkswirtschaft wie die österreichische ist die Entwicklung im Außenhandel von zentraler Bedeutung. Da ein großer Teil der Wertschöpfung vom Export abhängt, wirkt jede Verbesserung im internationalen Umfeld wie ein Konjunkturmotor, der die gesamte heimische Wirtschaft mitzieht und für neue Aufträge und zusätzliche Beschäftigung sorgt.
Der Arbeitsmarkt stabilisiert sich
Auch auf dem Arbeitsmarkt zeichnet sich nach schwierigen Jahren eine leichte Entspannung ab. Nachdem die Arbeitslosenquote während der Rezession angestiegen war, erwarten die Fachleute für das kommende Jahr eine leichte Trendwende, in deren Verlauf die Quote wieder etwas zurückgehen dürfte, sobald die Konjunktur an Schwung gewinnt und neue Stellen entstehen können.
Diese Aussicht ist eng mit der allgemeinen wirtschaftlichen Erholung verknüpft, denn ein Aufschwung schafft in aller Regel auch neue Arbeitsplätze. Während im laufenden Jahr vor allem der Dienstleistungssektor für ein kleines Beschäftigungsplus sorgte, sollen im kommenden Jahr wieder alle Bereiche der Wirtschaft gemeinsam zur Schaffung neuer Stellen beitragen und den Arbeitsmarkt stützen.
Ausblick mit Vorsicht
Bei aller berechtigten Zuversicht mahnen die Wirtschaftsforscher zugleich zur Vorsicht, denn die Erholung steht noch auf durchaus fragilen Beinen. Rückschläge sind nicht ausgeschlossen, und externe Faktoren wie schwankende Energiepreise oder eine unerwartete Abkühlung der Weltwirtschaft könnten den zarten Aufschwung durchaus wieder ins Stocken bringen, sollte sich das Umfeld ungünstig entwickeln.
Dennoch überwiegt derzeit die Hoffnung, dass die schwierigste Phase nun endgültig hinter dem Land liegt. Sollte sich der vorhergesagte Pfad bestätigen, könnte die österreichische Wirtschaft in den kommenden Jahren wieder auf einen stabileren Kurs einschwenken und schrittweise an jene Stärke anknüpfen, die sie vor der langen Schwächephase über viele Jahre hinweg ausgezeichnet hatte.
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