Fast die Hälfte Österreichs ist von Wald bedeckt, und daraus ist eine Milliardenindustrie gewachsen, die das Land zu einem der wichtigsten Holzexporteure der Welt macht. Doch Klimawandel, Borkenkäfer und ein schwaches Bauumfeld setzen die Branche zunehmend unter Druck.
Wenn man an Österreichs Wirtschaft denkt, kommen einem meist Tourismus, Industrie oder der Finanzplatz Wien in den Sinn. Doch ein wesentlicher Teil der Wertschöpfung wächst buchstäblich in den Bergen und Tälern des Landes heran. Der Wald und die daraus entstandene Holzwirtschaft sind eine der stillen, aber tragenden Säulen der heimischen Wirtschaft, deren Bedeutung im Alltag oft unterschätzt wird.
Ein Land der Wälder
Die Zahlen sind beeindruckend. Rund vier Millionen Hektar Österreichs sind mit Wald bedeckt, das entspricht etwa achtundvierzig Prozent der gesamten Landesfläche. Damit gehört die Alpenrepublik zu den waldreichsten Ländern Europas und zugleich zu den weltweit wichtigsten Exporteuren von Holz und Schnittholz, was für ein vergleichsweise kleines Land durchaus bemerkenswert ist.
Hinter dieser grünen Kulisse verbirgt sich eine handfeste Milliardenindustrie. Der jährliche Umsatz der Holzbranche liegt bei rund zehn Milliarden Euro, und mehr als 245.000 Menschen leben direkt oder indirekt von der Forstwirtschaft und den nachgelagerten Bereichen wie der Papierindustrie. Die Wälder sind also nicht nur Erholungsraum, sondern auch ein wichtiger Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor.
Ein Exportschlager aus Holz

Besonders stark zeigt sich die Bedeutung der Branche im Außenhandel. Die Exportquote der Holzindustrie liegt bei etwa siebzig Prozent, was bedeutet, dass der Großteil der Produktion ins Ausland geht. Allein die Ausfuhren der gesamten Holzwirtschaft summieren sich auf mehrere Milliarden Euro pro Jahr und machen einen spürbaren Anteil an Österreichs gesamter Exportleistung aus.
Die wichtigsten Abnehmer sind traditionell die Nachbarländer Italien und Deutschland, wo die Nachfrage zuletzt stabil bis steigend war. Gleichzeitig gewinnen weiter entfernte Märkte an Bedeutung, denn die Ausfuhren nach Mittel- und Osteuropa, nach Japan und in die Region des Nahen Ostens haben zuletzt zugenommen. Nach einem schwachen Jahr konnte die Schnittholzproduktion wieder leicht zulegen.
Der Feind ist winzig
Doch der Wald, der diese Industrie speist, steht zunehmend unter Druck. Der wohl gefährlichste Gegner ist dabei nur wenige Millimeter groß, nämlich der Borkenkäfer. Begünstigt durch wärmere Temperaturen und trockene Sommer hat sich der Schädling stark ausgebreitet und befällt vor allem die weit verbreitete Fichte, die das Rückgrat vieler heimischer Wälder bildet.
Das Ausmaß der Schäden ist enorm. In einem einzigen Jahr lag der Anteil des sogenannten Schadholzes zuletzt bei rund fünfundfünfzig Prozent der gesamten Holzernte, also bei mehr als der Hälfte. Zusammen mit Stürmen und Dürreperioden zwingt dies die Waldbesitzer oft dazu, Bäume vorzeitig zu schlagen, was den Markt zeitweise mit Holz überschwemmt und die Preise drückt.
Schwieriges Umfeld
Zu den Problemen im Wald kommen wirtschaftliche Belastungen hinzu. Die Sägeindustrie bewegt sich seit einiger Zeit in einem schwierigen Umfeld, das vor allem von einer schwachen Baukonjunktur geprägt ist. Da weniger gebaut wird, sinkt die Nachfrage nach Bauholz, während die Verkaufspreise stagnieren und gleichzeitig die Kosten weiter steigen.
Besonders die höheren Ausgaben für Rohstoffe, Energie und Arbeit setzen den Betrieben zu und drücken auf die Gewinnmargen. Für viele Unternehmen entsteht so eine Zange aus stagnierenden Erlösen auf der einen und wachsenden Kosten auf der anderen Seite, die gerade kleinere Sägewerke in ihrer Existenz bedrohen kann.
Bauen mit Holz
Trotz dieser Herausforderungen sehen viele in der Branche auch große Chancen, die eng mit dem Klimaschutz verbunden sind. Der Trend zum Bauen mit Holz gewinnt an Fahrt, denn Holz bindet Kohlenstoff, ist nachwachsend und gilt als klimafreundliche Alternative zu Beton und Stahl. Damit rückt der Rohstoff ins Zentrum der wachsenden Bioökonomie.
Österreich verfügt hier über jahrzehntelange Erfahrung und gilt in Fragen des modernen Holzbaus und der Waldbewirtschaftung als Vorreiter. Verschiedene Initiativen und Fördermittel sollen dabei helfen, die Wälder klimafit zu machen und die gesamte Wertschöpfungskette vom Baum bis zum fertigen Bauteil im Land zu stärken und weiterzuentwickeln.
Zwischen Tradition und Zukunft
So steht die österreichische Holzwirtschaft an einem Punkt, an dem sich Tradition und Zukunft treffen. Sie muss ihre Wälder gegen die Folgen des Klimawandels wappnen, die wirtschaftlichen Durststrecken überstehen und zugleich das Potenzial nutzen, das ein nachhaltiger und moderner Umgang mit dem Rohstoff Holz bietet. Es ist eine Gratwanderung mit hohem Einsatz.
Am Ende bleibt der Wald weit mehr als nur eine Ansammlung von Bäumen. Er ist Lebensraum, Klimaschützer, Erholungsort und Wirtschaftsmotor zugleich. Wie gut es dem Land gelingt, diese verschiedenen Rollen in Einklang zu bringen, wird darüber entscheiden, ob Holz auch in den kommenden Jahrzehnten einer der grünen Schätze Österreichs bleibt.

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