Nach dem Corona-Impfstoff setzt das Mainzer Unternehmen BioNTech seine ganze Kraft auf individualisierte mRNA-Impfstoffe gegen Krebs. 2026 liefern Studien bei Bauchspeicheldrüsen- und Lungenkrebs erste ermutigende Signale, doch der Weg zur Zulassung bleibt lang.
Für die meisten Menschen ist BioNTech untrennbar mit dem Corona-Impfstoff verbunden, der das Unternehmen aus Mainz über Nacht weltberühmt machte. Doch längst hat die Firma ihren Blick auf ein ganz anderes, viel älteres Ziel gerichtet, an dem die Medizin seit Jahrzehnten arbeitet, nämlich auf einen wirksamen Impfstoff gegen Krebs.
Nach dem Abklingen der Pandemie und dem starken Rückgang der Nachfrage nach dem Präparat Comirnaty richtet BioNTech seine Kräfte konsequent auf die Krebsimmuntherapie aus. Die Technologie, die bei Corona den Durchbruch schaffte, soll nun helfen, den Körper zur Abwehr gegen seine eigenen entarteten Zellen zu bewegen.
Ein Impfstoff nur für dich
Der zentrale Gedanke hinter diesem Ansatz ist so bestechend wie aufwendig, denn hier gibt es kein Präparat von der Stange. Stattdessen wird der Tumor eines Patienten zunächst genau analysiert und sequenziert, um jene charakteristischen Mutationen zu finden, die diesen ganz bestimmten Krebs von gesundem Gewebe unterscheiden.
Auf Grundlage dieser Daten wird dann ein maßgeschneiderter mRNA-Impfstoff hergestellt, der exakt auf den einzelnen Menschen zugeschnitten ist. Sein Zweck ist es, das Immunsystem darauf zu trainieren, die Tumorzellen als Feind zu erkennen und anzugreifen, im besten Fall, um einen Rückfall nach einer Operation zu verhindern.
Hoffnung bei Bauchspeicheldrüsenkrebs

Am weitesten sind die Forscher bislang bei einer besonders gefürchteten Krebsart vorangekommen. Das Prüfpräparat mit dem Namen BNT122, auch autogene Cevumeran genannt, entwickelt BioNTech gemeinsam mit der Roche-Tochter Genentech, und der erste Fokus liegt auf dem oft tödlich verlaufenden Bauchspeicheldrüsenkrebs.
Die bisherigen Ergebnisse machen vorsichtig Mut. Nach den auf einem Fachkongress in San Diego vorgestellten Langzeitdaten zeigten jene Patienten, die überhaupt auf den Impfstoff ansprachen, noch drei Jahre nach der Behandlung ein geringeres Risiko für einen Rückfall ihrer Erkrankung als andere Betroffene.
Mitgründerin und Medizinchefin Özlem Türeci ordnet die Zahlen vorsichtig ein. Diese neuen Daten seien, so wird sie zitiert, ein frühes Signal für das Potenzial des individualisierten Ansatzes. Nun soll eine internationale Studie der nächsten Phase mit rund 260 Patienten den Vorteil gegenüber der Standardtherapie bestätigen.
Die zweite Front: Lungenkrebs
Neben der Bauchspeicheldrüse hat sich das Unternehmen eine zweite große Baustelle vorgenommen. Beim Lungenkrebs verfolgt BioNTech nach eigenen Angaben ein breit angelegtes Programm mit mehr als sechzehn laufenden klinischen Studien, die verschiedene Unterarten, Biomarker und Behandlungssituationen der Krankheit abdecken sollen.
Fünf dieser Studien befinden sich bereits in der entscheidenden dritten und letzten Phase vor einer möglichen Zulassung. Auf einer großen Fachkonferenz zum Lungenkrebs im Jahr 2026 stellte das Unternehmen zudem erste weltweite Daten zu einer neuen, innovativen Kombination aus mehreren Wirkstoffen vor.
Rückenwind aus der Konkurrenz
Interessanterweise bekommt BioNTech gerade Rückenwind von einem direkten Rivalen. Der US-Konzern Moderna meldete gemeinsam mit dem Partner Merck einen Erfolg in der dritten Phase mit einem eigenen Krebsimpfstoff gegen schwarzen Hautkrebs, was die gesamte Forschung an mRNA gegen Krebs neu belebt und ins Rampenlicht rückt.
Noch ein langer Weg
Bei aller Euphorie ist jedoch Vorsicht geboten, und das betont BioNTech selbst. Bis heute hat das Unternehmen mit Comirnaty nur ein einziges zugelassenes Produkt auf dem Markt, und für die Krebsimpfstoffe fehlen bislang die abgeschlossenen, für eine Zulassung entscheidenden Studien der Spätphase noch vollständig.
Hinzu kommt eine praktische Hürde, die den ganzen Ansatz begleitet. Ein für jeden einzelnen Patienten neu produzierter Impfstoff ist naturgemäß aufwendig, teuer und muss dennoch schnell genug hergestellt werden, um dem oft rasanten Verlauf einer Krebserkrankung überhaupt zeitlich voraus sein zu können.
Für den Biotech-Standort Deutschland steht bei alldem viel auf dem Spiel. Gelingt der Sprung von den ermutigenden Signalen zu einem zugelassenen Medikament, wäre das nicht nur ein medizinischer Meilenstein, sondern auch ein starker Beleg dafür, dass hier gewachsene Spitzenforschung im globalen Wettbewerb bestehen kann.
Vorerst bleibt BioNTech also ein Unternehmen im Übergang, das seine Rolle neu definiert. Vom gefeierten Champion der Pandemie will es zum Pionier im Kampf gegen den Krebs werden, doch der endgültige Beweis dieser großen Wette wird sich erst in den kommenden Jahren in den Studiendaten zeigen müssen.
Guter Kontext rund um Krebsimpfstoff.
Ausgewogene Sicht auf Krebsimpfstoff.
Krebsimpfstoff: besser erklärt als anderswo.
Treffend.
Treffend.
Absolut.

Keep following Jonas WeberHer next filing reaches you the moment it publishes, on her own subdomain.
Follow