Die elektronische Patientenakte soll das deutsche Gesundheitswesen digitaler machen, doch in den Krankenhäusern gerät die Einführung ins Stocken. Ein Blick auf die Zahlen, die Hürden und das, was 2026 auf dem Spiel steht.
Die elektronische Patientenakte, kurz ePA, gilt als eines der wichtigsten Digitalprojekte im deutschen Gesundheitswesen. Sie soll die Versorgung moderner und effizienter machen. Doch während die Idee dahinter vielversprechend klingt, zeigt sich in der Praxis, dass gerade die Einführung in den Krankenhäusern deutlich ins Stocken gerät.
Im Kern ist die ePA eine digitale Akte, in der wichtige Gesundheitsdaten einer Patientin oder eines Patienten gebündelt und über verschiedene Einrichtungen hinweg zugänglich gemacht werden. Das Versprechen dahinter ist eine bessere Abstimmung zwischen Praxen, Kliniken und weiteren Beteiligten, ohne dass Befunde ständig aufs Neue erhoben werden müssen.
Pflicht seit Oktober 2025
Dem Bericht zufolge ist die Nutzung der ePA seit Oktober 2025 sowohl für Arztpraxen als auch für Krankenhäuser verpflichtend. Damit war eigentlich der Startschuss für einen flächendeckenden Einsatz gefallen, der die digitale Vernetzung im gesamten Gesundheitswesen spürbar voranbringen sollte.
Doch eine gesetzliche Pflicht bedeutet nicht automatisch eine reibungslose Umsetzung. Gerade in den großen und komplexen Strukturen der Krankenhäuser erweist sich die tatsächliche Einführung der elektronischen Patientenakte als deutlich schwieriger, als es auf dem Papier zunächst den Anschein gehabt hatte.
Wo es in den Kliniken hakt

Ein Blick auf die nackten Zahlen macht das Ausmaß der Verzögerungen deutlich. Dem Bericht zufolge haben bislang rund 40 Prozent der Krankenhäuser überhaupt erst mit der sogenannten Pilotierung begonnen, also mit einer ersten, noch begrenzten Erprobung der ePA im laufenden Betrieb ihrer Häuser.
Etwas weiter sind die Häuser immerhin bei der reinen Technik. Laut Bericht haben zwar rund 90 Prozent der Krankenhäuser die technische Inbetriebnahme gestartet, doch bei 18 Prozent fehlt auch mehr als fünf Monate nach der bundesweiten Nutzungsverpflichtung noch immer ein Update ihres Krankenhausinformationssystems.
Als Gründe für die schleppende Umsetzung werden vor allem fehlende Software-Updates und komplexe Abläufe genannt. Gerade in einem Krankenhaus greifen viele Systeme eng ineinander, sodass sich selbst scheinbar kleine technische Anpassungen in der Praxis schnell zu einer echten Herausforderung auswachsen können.
Erst ab Mitte 2026 flächendeckend?
Entsprechend vorsichtig sind viele Einrichtungen bei ihren eigenen Zeitplänen geworden. Dem Bericht zufolge rechnen rund 43 Prozent der Krankenhäuser damit, die ePA erst ab dem dritten Quartal 2026 wirklich krankenhausweit nutzen zu können, also flächendeckend in allen dafür relevanten Bereichen.
Für einen großen Teil der Häuser liegt die vollständige Integration der elektronischen Patientenakte damit noch einige Monate in der Zukunft. Der Weg von der ersten technischen Anbindung bis hin zum reibungslosen Einsatz im gesamten Klinikalltag ist offenbar länger und steiniger, als es ursprünglich erhofft worden war.
Druck durch drohende Nachteile
Um den Prozess zu beschleunigen, wird der Druck auf die Einrichtungen zusätzlich erhöht. Laut Bericht drohen ab dem 1. April 2026 finanzielle Nachteile für jene Häuser, die die ePA dann noch immer nicht ausreichend unterstützen. Damit soll der Anreiz steigen, die offenen technischen Fragen möglichst zügig zu klären.
Ob dieser finanzielle Druck allein ausreicht, bleibt allerdings offen. Denn die eigentlichen Hürden liegen häufig weniger im guten Willen der Häuser als vielmehr in den technischen Voraussetzungen, etwa den noch ausstehenden Updates und der aufwendigen Anpassung bestehender Systeme im laufenden Betrieb.
Was auf dem Spiel steht
Bei aller berechtigten Kritik sollte man jedoch nicht vergessen, worum es im Kern eigentlich geht. Die elektronische Patientenakte ist ein zentraler Baustein für die Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens. Funktioniert sie einmal reibungslos, verspricht sie eine besser abgestimmte Versorgung und weniger doppelte Untersuchungen.
Der holprige Start in den Kliniken zeigt jedoch, wie groß die Lücke zwischen politischem Anspruch und praktischer Umsetzung sein kann. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Krankenhäuser den Rückstand aufholen und die ePA am Ende hält, was sie verspricht. Es bleibt damit ein wichtiges Thema, das man aufmerksam verfolgen sollte.
Wirklich nützlicher Beitrag über Gesundheitswesen.
