Jaguars elektrischer Neuanfang: Der Type 01 startet mit 1.030 PS in den Markt.
Es ist ein Moment, auf den die Briten monatelang gewartet haben. Nach einer langen Phase der Marktabstinenz, in der Jaguar keine einzigen Fahrzeuge mehr verkaufen konnte, steht der Type 01 endlich in den Startlöchern. Die Präsentation in New York war weniger eine Enthüllung als eine Bestätigung: Die radikale Studie Type 00 wird Realität. Doch das, was jetzt kommt, ist mehr als nur ein Auto. Es ist ein Rettungsanker für eine Marke, die an der Kippe stand.
Der Preis von 165.000 Euro ist gesetzt, und die ersten Bestellungen sind ab Anfang 2027 möglich. Für mich als jemanden, der die britische Automobilgeschichte seit Jahren beobachtet, ist das ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite die Erleichterung, dass Jaguar nicht einfach aufgegeben hat. Auf der anderen Seite die Frage, ob dieser eine Elektro-Sportwagen reicht, um das Händlernetz, das deutlich geschrumpft ist, wieder am Leben zu erhalten. Die Antwort darauf hängt davon ab, wie die Kunden auf die neue Identität reagieren.
Ein Design, das Spaltung erzeugt
Man muss sich das vorstellen: Ein Fahrzeug, das über einen Jahr mit seiner eigenwilligen Kommunikationskampagne für Aufsehen gesorgt hat. Die Type 00 war polarisierend. Entweder man hasste den radikalen Bruch mit der klassischen Jaguar-Ästhetik, oder man feierte den Mut, komplett neu anzufangen. In der Serienversion bleibt das markante Design mit der langen Haube, dem flachen Dach und dem schrägen Heck erhalten. Es ist keine Kompromisslösung, sondern eine konsequente Umsetzung.
Jaguar spricht von einer Gran Turismo, die sich durch Noblesse und Finesse von den vielen neuen E-Autos aus China unterscheiden will. Das ist ein starker Anspruch. In einer Zeit, in der viele Hersteller ihre Cockpits mit riesigen Bildschirmen füllen, setzt Jaguar auf ein radikal reduziertes Interieur mit weitgehend digitalisierter Bedienung. Aber der Unterschied soll in der Materialauswahl liegen. Ob das reicht, um die Skeptiker zu überzeugen, wird sich am Markt zeigen.

Technik ohne Kompromisse
Unter der Haube, oder besser gesagt unter dem Boden, versteckt sich die bisher stärkste Jaguar-Technik. Die 850-Volt-Architektur ist der Standard für die Zukunft, und der 118 kWh große Akku liefert Normreichweiten von über 700 Kilometern. Das ist keine Marketing-Floskel, sondern eine technische Notwendigkeit für ein Fahrzeug dieser Länge und dieses Gewichts. Mit Ladeleistungen von 350 kW wird der Type 01 in der Lage sein, sich an den Schnellladesäulen in der Schweiz und Deutschland schnell aufzuladen.
Die Kraft kommt aus zwei Motoren, die zusammen 757 kW oder 1.030 PS leisten. Das maximale Drehmoment von 1.365 Nm sorgt dafür, dass der rund 5,30 Meter lange Luxusliner in nur 3,2 Sekunden auf 100 km/h beschleunigt. Das Spitzentempo von etwa 260 km/h ist für einen Elektroantrieb beeindruckend, aber nicht überraschend. Was überrascht, ist die Balance zwischen Leistung und Alltagstauglichkeit. Jaguar will hier keinen reinen Sportwagen bauen, sondern ein Allround-Fahrzeug, das auch auf langen Strecken komfortabel ist.

Viertürer statt Coupé
Ein entscheidender Unterschied zur Studie ist die Karosserieform. Während die Type 00 als Coupé konzipiert war, wird der Type 01 ein Viertürer. Das ist eine pragmatische Entscheidung, die den Zugang zum Fahrzeug erleichtert und die Nutzung im Alltag verbessert. Trotz des Radstandes von 3,20 Metern verspricht Jaguar, dass es auch im Fond geräumig zugehen soll. Das ist ein wichtiger Punkt, denn viele E-Autos dieser Klasse leiden unter mangelndem Platz im Heck.
Die Entscheidung für die vier Türen ist mutig, aber klug. Sie erweitert die Zielgruppe und macht den Type 01 zu einem echten Familienauto, ohne die sportliche DNA zu verlieren. Es ist eine Ausweitung des Segments, die Jaguar dringend braucht, um nicht nur eine Nische zu bedienen, sondern ein breiteres Publikum anzusprechen. Ob das reicht, um die Marke wieder in die Spur zu bringen, bleibt abzuwarten.

Der SUV kommt
Der Type 01 soll nicht lange alleine bleiben. Jaguar hat bereits angedeutet, dass es bald eine zweite Karosserievariante geben wird. Alle Welt rechnet mit einem SUV, und das ist auch verständlich. Der SUV-Markt ist der am schnellsten wachsende Segment in der Automobilindustrie, und Jaguar kann sich diesen Markt nicht leisten. Ein elektrischer SUV würde dem deutlich geschrumpften Händlernetz mehr Möglichkeiten bieten und die Kunden mehr Auswahl lassen.
Zwar nennt der Hersteller keine weiteren Details, aber die Richtung ist klar. Jaguar will weg von der Nische und hin zu einem breiteren Angebot. Der Type 01 ist der erste Schritt, aber er ist nicht der letzte. Die Frage ist, ob die Marke das Momentum nutzen kann, das sie mit der Type 00 geschaffen hat, oder ob sie wieder in die alte Trotteln fällt. Die nächsten zwölf Monate werden entscheidend sein.
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