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Paris 2026: Warum die Zukunft der Autos auf dem Smartphone liegt

Lukas Brunner Lukas Brunner lukasbrunner.avalw.com · 4.9k reads Respect0 Save Share Read only
READS8live count PUBLISHED13 Oct2026 READING TIME5 min1,090 words LANGUAGEGerman
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Der Pariser Autosalon 2026 zeigt: Die Konkurrenz im E-Auto-Markt wird härter, aber die spannendsten Neuheiten kommen aus der Software. Von der elektrischen Ente bis zum Gaming im Cockpit.

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Am Stand von Zeekr in Halle 5.2 der Paris Expo sitzt ein Passagier entspannt auf der Rückbank. Er hält sein Smartphone nicht in der Hand, um eine Nachricht zu schreiben, sondern als Controller. Auf dem großen Display im Armaturenbrett läuft ein Videospiel, das flüssig auf die Bewegungen des Telefons reagiert. Das ist keine Vision aus dem Science-Fiction-Film, sondern Realität auf dem diesjährigen Pariser Autosalon. Die Schweizer Firma N-Dream, bekannt für die Plattform AirConsole, präsentiert hier ihre Partnerschaft mit dem chinesischen Hersteller Zeekr. Es ist der offizielle Markteintritt in das Ökosystem der Geely Auto Group. Diese Koalition zeigt, wohin die Reise der Automobilindustrie aktuell geht: weg von reinen Hardware-Debatten und hin zu integrierten Unterhaltungserlebnissen, die das Fahrzeug selbst zur Spielkonsole machen.

Während die Branche oft über Ladeleistungen und Reichweiten streitet, verschiebt sich der Fokus auf das, was im Innenraum passiert. Zeekr bringt seine gesamte europäische Modellpalette mit, vom luxuriösen Flaggschiff 9X bis zum sportlichen Shooting Brake 001. Doch das eigentliche Highlight ist die Software. AirConsole ist bereits in über fünf Millionen Fahrzeugen von Marken wie BMW, Volkswagen und Porsche verbaut. Mit Zeekr kommt nun ein Hersteller dazu, der in Europa mit eigener Forschung und Entwicklung in Schweden, Deutschland und Großbritannien auftritt. Die Botschaft ist klar: Infotainment ist kein Gimmick mehr, sondern ein Kernbestandteil der Fahrerlebnis-Definition.

Chinesische Offensivstrategie

Nicht weit vom Zeekr-Stand entfernt herrscht ebenfalls reges Treiben. Aito, die Marke, die vom Autobauer Seres zusammen mit dem Tech-Giganten Huawei entwickelt wird, hat am Pariser Salon ihren Europastart für den Herbst 2027 angekündigt. Vier SUV-Modelle, die Aito 6, 7, 8 und 9, sind als Aussteller präsentiert. In China sind diese Fahrzeuge als M6 bis M9 bekannt und genießen dort hohes Ansehen. Die Arbeit an der EU-Typgenehmigung hat bereits begonnen, was darauf hindeutet, dass die regulatorischen Hürden aktiv angegangen werden. Es ist ein klarer Schritt, um die in China erzielten Verkaufszahlen von rund 420.000 Einheiten im Jahr 2025 auch auf dem europäischen Markt zu replizieren. Bis 2030 strebt die Marke eine Million Verkäufe pro Jahr an, ein Ziel, das ohne internationale Expansion kaum erreichbar wäre.

Die Rolle von Huawei in diesem Vorhaben ist zweifach. Einerseits liefert der Konzern die entscheidende Technik, darunter das Fahrassistenzsystem ADS und das Cockpit-Betriebssystem HarmonyOS. Andererseits steht die Marke politisch unter Beobachtung. Die Beziehungen zwischen Seres und Huawei wurden im September neu definiert, wobei Seres die operative Führung übernahm. Für Europa bedeutet dies, dass ein Auto mit starkem Tech-Charakter und hoher Ausstattungstiefe an den Start geht. Ob die politischen Spannungen um Huawei den Markteintritt verzögern, bleibt abzuwarten. Sicher ist jedoch, dass die chinesische Präsenz in Paris 2026 dominanter ist denn je und die europäischen Hersteller vor neue Wettbewerbsrealitäten stellt.

Gaming im Auto: Das Smartphone wird zum Controller im Zeekr Cockpit.
Gaming im Auto: Das Smartphone wird zum Controller im Zeekr Cockpit.

Die Rückkehr der Ikone

Während die Zukunft in Form von Software und neuen chinesischen Marken diskutiert wird, blickt Citroën in die Vergangenheit. Die „Ente“, im Schweizer Dialekt liebevoll „Döschwo“ genannt, kehrt als elektrische Neuauflage zurück. Der legendäre 2CV, der 1948 debütierte und bis 1990 gebaut wurde, wird neu interpretiert. Das Ziel ist es, das Modell als bezahlbares E-Auto in die Moderne zu bringen und dabei den Charme der Originalversion zu bewahren. Dieses Projekt passt perfekt in die geplante Fahrzeugklasse M1E, mit der Brüssel kleine, erschwingliche Elektroautos aus europäischer Produktion fördern möchte. Es ist ein Versuch, die Massen mobilisierung mit einem Fahrzeug zu verbinden, das ursprünglich für den Weg zum Bauernmarkt konzipiert war.

Die Geschichte des 2CV ist eng mit der französischen Identität verbunden. Das Lastenheft der ursprünglichen Konstrukteure forderte Platz für zwei Landwirte in Holzschuhen, einen Zentner Kartoffeln und einen unversehrten Korb Eier über Kopfsteinpflaster. Daraus entstand die berühmte Federungstechnik von Citroën. Heute, knapp 80 Jahre nach dem Debüt und rund 5,1 Millionen produzierten Exemplaren, könnte sich die Szene wiederholen. Die neue Ente soll nicht nur Nostalgie bedienen, sondern eine praktische Lösung für den urbanen Alltag bieten. Sie steht im Kontrast zu den großen, teuren SUVs, die die Straßen dominieren, und erinnert daran, dass ein Auto nicht immer Statussymbol sein muss.

Die Ikone: Der Citroen 2CV als Inspiration für die neue elektrische Generation.
Die Ikone: Der Citroen 2CV als Inspiration für die neue elektrische Generation.

Preiskampf und Effizienz

Der Wettbewerb wird nicht nur durch neue Marken, sondern auch durch aggressive Preisstrategien geprägt. Xpeng kündigte am Pariser Salon den L05 an, den größeren Bruder des bereits erhältlichen L03. Das neue Modell besitzt eine lang gestreckte Silhouette, die eher an einen Kombi als an ein klassisches SUV erinnert. Technische Details sind noch knapp, doch es ist davon auszugehen, dass auch der L05 auf einer 400-Volt-Architektur basiert. Der kleinere L03 erreicht bereits eine DC-Ladeleistung von bis zu 236 kW, was ein Laden von 10 auf 80 Prozent in etwa 20 Minuten ermöglicht. Obwohl die L-Modelle unterhalb der G-Baureihe positioniert sind, verspricht Xpeng eine umfangreiche Ausstattung. So war in China bereits ein großer Bildschirm für die Fondpassagiere zu sehen, der sich aus dem Dachhimmel ausklappen lässt. Eine Komfortfunktion, die sonst eher teureren Modellen vorbehalten ist.

Für Europa sind die Preise noch offen, aber die Positionierung ist klar. Da der Xpeng L03 in der Schweiz bereits ab 35.600 Franken erhältlich ist, dürfte der L05 etwas darüber liegen. Ein Einstiegspreis um die 45.000 Franken erscheint realistisch. Das würde den L05 in einen Preissegment bringen, in dem er direkt mit etablierten europäischen und asiatischen Marken konkurriert. Xpeng setzt hier auf das Argument des Wertes: viel Technik und Ausstattung zu einem attraktiven Preis. Diese Strategie könnte den Markt für Mittelklasse-Elektroautos in Europa deutlich aufwühlen und die Käufererwartungen in puncto Ausstattung und Preis-Leistungs-Verhältnis neu definieren.

Xpeng L05: Eine Silhouette, die an einen Kombi erinnert, statt an ein klassisches SUV.
Xpeng L05: Eine Silhouette, die an einen Kombi erinnert, statt an ein klassisches SUV.

Kommunikation und Vertrauen

Nicht alle Entwicklungen auf dem Pariser Salon sind rein technisch. Geely Auto, der Mutterkonzern von Zeekr, hat parallel die Pläne zur Markteinführung in Kanada für 2027 bekannt gegeben. Doch der Fokus liegt stark auf dem Vertrauen in den Service. In der Schweiz hat Geely bereits durch eine Partnerschaft mit der Emil Frey Group und dem Händler GZ Automobile Fuß gefasst. Das Angebot umfasst zunächst den Starray EM-i Plug-in-Hybrid und den vollelektrischen E5. Später in diesem Jahr folgen der kompakte E2 und ein Flaggschiff-SUV. Der Betrieb läuft über 12 Vertriebs- und Servicestandorte, gestützt durch eine Garantie von 8 Jahren oder 200.000 Kilometern. Diese langfristige Zusage ist ein bewusstes Signal an die europäischen Kunden, die bei chinesischen Marken oft Bedenken bezüglich der Nachbetreuung haben.

Bryan Wu, der Managing Director von Geely Auto Canada, betonte, dass Vertrauen über die Zeit gewonnen werden muss. Diese Philosophie scheint auch auf den europäischen Markt abzufärben, wo Geely mit lokalen Partnern zusammenarbeitet, um Vertrieb und After-Sales zu handhaben. Es ist ein pragmatischer Ansatz, der die globale Technologieführerschaft mit lokaler Nähe verbindet. Während andere Hersteller auf reine Online-Vertriebsmodelle setzen, setzt Geely auf die etablierte Händlerstruktur. Das könnte ein entscheidender Vorteil sein, um in Märkten wie der Schweiz und Deutschland Fuß zu fassen, wo der persönliche Kontakt und die lokale Servicequalität nach wie vor hoch geschätzt werden.

Häufige Fragen

Wie funktioniert die Steuerung von Zeekr-Fahrzeugen über das Smartphone?

Passagiere können ihr Smartphone als Controller nutzen, um Inhalte auf dem Armaturenbrett-Display zu steuern. Die Schweizer Firma N-Dream präsentiert diese Funktion in Partnerschaft mit Zeekr, wobei das Telefon Bewegungen für Spiele oder andere Anwendungen registriert.

Welche Marken nutzen bereits die AirConsole-Plattform im Fahrzeug?

Die Plattform ist in über fünf Millionen Fahrzeugen von Herstellern wie BMW, Volkswagen und Porsche verbaut. Mit Zeekr kommt nun ein weiterer Hersteller hinzu, der in Europa mit eigener Forschung und Entwicklung in Schweden, Deutschland und Großbritannien auftritt.

Wann startet Aito in Europa und welche Modelle sind geplant?

Die Marke hat ihren Europastart für den Herbst 2027 angekündigt. Als Aussteller am Pariser Salon wurden die vier SUV-Modelle Aito 6, 7, 8 und 9 präsentiert, die in China als M6 bis M9 bekannt sind.

Welche Rolle spielt Huawei bei der Entwicklung der Aito-Fahrzeuge?

Huawei liefert die entscheidende Technik, darunter das Fahrassistenzsystem ADS und das Cockpit-Betriebssystem HarmonyOS. Die operative Führung über die Marke liegt jedoch bei Seres, nachdem die Beziehungen im September neu definiert wurden.

Was ist das Ziel der neuen elektrischen Citroën 2CV?

Das Modell soll als bezahlbares E-Auto in die Moderne gebracht werden, um den Charme des Originals zu bewahren. Es passt in die geplante Fahrzeugklasse M1E, mit der Brüssel kleine, erschwingliche Elektroautos aus europäischer Produktion fördern möchte.

Wie hoch ist der voraussichtliche Preis des Xpeng L05 in der Schweiz?

Ein Einstiegspreis um die 45.000 Franken erscheint realistisch. Der kleinere L03 ist bereits ab 35.600 Franken erhältlich, wodurch der L05 in ein Preissegment rückt, in dem er direkt mit etablierten europäischen und asiatischen Marken konkurriert.

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