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Biber, Marder, Zwergmaus: Der Preis der Zerschneidung

Meike Bauer Meike Bauer meikebauer.avalw.com · 762 reads Respect0 Save Share Read only
READS2live count PUBLISHED12 Oct2026 READING TIME4 min825 words LANGUAGEGerman
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Drei heimische Arten stehen zur Wahl als Tier des Jahres 2027. Während der Biber baut und die Zwergmaus klettert, verbindet sie ein existenzielles Problem: die fragmentierte Landschaft.

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Fünf bis siebeneinhalb Zentimeter. So groß ist die Zwergmaus, die heuer um den Titel „Tier des Jahres 2027“ kämpft. Ihr Gegenüber im Wahlkampf ist der Biber, der bis zu einem Meter lang wird und mit eisenverstärkten Zähnen Bäume fällte. Dazwischen positioniert sich der Steinmarder, der sich in Dachböcken und Scheunen einnistet. Diese drei scheinen auf den ersten Blick wenig gemeinsam zu haben. Ein mächtiger Baumeister, ein frecher Kulturfolger und eine winzige Akrobatin. Die Spanne reicht vom Ökosystem-Ingenieur bis zum kleinsten Nagetier Österreichs ohne Schwanz.

Doch genau hier liegt der Kern der aktuellen Wahl des Naturschutzbundes. Es geht nicht nur um sympathische Tierchen oder exotische Fakten. Es geht um ein existenzielles Problem, das alle drei Arten verbindet: die Zerschneidung ihrer Lebensräume. Straßen, Siedlungen und intensiv genutzte Agrarflächen haben die Landschaft in Fragmente zerrissen. Zusammenhängende, naturnahe Gebiete werden immer seltener. Bis zum 1. November 2026 können wir entscheiden, welches dieser Tiere das Symbol für diesen Verlust wird. Die Wahl ist ein Appell, aber auch eine ernste Mahnung.

Der Ingenieur am Wasser

Der Biber, wissenschaftlich Castor fiber, ist der Star unter den Kandidaten. Mit einem Gewicht von bis zu 30 Kilogramm und einem Fell, das zu den dichtesten im Tierreich zählt, ist er ein wahrer Kraftprotz. Sein Werkzeug sind vier Nagezähne, die mit einer harten, eisenhaltigen Schmelzschicht überzogen sind. Diese wachsen ein Leben lang nach. Damit fällt er auch harte Bäume. Aus dem Holz errichtet er Dämme und Burgen. Diese Bauten sind nicht nur sein Zuhause, sondern schaffen wertvolle Feuchtgebiete.

Für die Ökologie ist der Biber eine Schlüsselart. Durch seine Bautätigkeit gestaltet er aquatische Ökosysteme aktiv mit. Dämme halten Wasser zurück und führen zu Wiedervernässung. Naturnahe Gewässerstrukturen entstehen. Andere Arten profitieren von diesen neuen Nischen. Der Biber ist damit ein Motor der Renaturierung. Doch je mehr wir unsere Landschaft fragmentieren, desto schwerer fällt es ihm, geeignete Standorte zu finden. Sein Erfolg hängt direkt von der Vernetzung der Lebensräume ab.

Der Biber fällt Bäume mit seinen eisenverstärkten Zähnen.
Der Biber fällt Bäume mit seinen eisenverstärkten Zähnen.

Der Nachbar auf dem Dach

Während der Biber im Wasser arbeitet, hält sich der Steinmarder, Martes foina, oft in der Nähe der Menschen auf. Er gilt als ausgesprochener Kulturfolger. Sein Körper ist 37 bis 52 Zentimeter lang, der Schwanz misst bis zu 31 Zentimeter. Er ist nachtaktiv und ein Allesfresser. Auf seinem Speiseplan stehen Mäuse, Insekten, Obst, Nüsse und sogar Autokabel. Er turnt über Dachböden und macht es sich in Scheunen gemütlich. Für viele ist er ein lästiger Nachbar, der Kautschuk nagt.

Doch der Steinmarder ist ein faszinierender Überlebenskünstler. Er hat sich hervorragend an die Nähe des Menschen angepasst. Tagsüber sucht er Ruheplätze wie Gebäude oder Holzstapel. Seine Lebensräume sind offene Landschaften mit Buschwerk und felsigem Gelände. Im Gebirge findet man ihn bis in Höhen von 2.400 Metern. Auch für ihn wird es durch die Zerschneidung der Landschaften schwerer. Er braucht Rückzugsorte, die nicht von Straßen und Siedlungen gespalten sind. Die Vernetzung ist auch für ihn überlebenswichtig.

Der Steinmarder ist ein geschickter Kletterer in der Nähe des Menschen.
Der Steinmarder ist ein geschickter Kletterer in der Nähe des Menschen.

Die Akrobatin im Gras

Die Zwergmaus ist die Kleinste im Bunde. Sie misst gerade einmal fünf bis siebeneinhalb Zentimeter. Mit ihrem beweglichen Greifschwanz klettert sie geschickt durch hohe Gräser. Zwischen den Halmen baut sie kunstvolle, kugelrunde Nester. Sie ist Österreichs kleinstes Nagetier ohne Schwanz. Ihr Lebensraum sind Feuchtwiesen, naturbelassene Ufer und hohe Grasbestände. Dort findet sie Nahrung und Schutz. Sie ist eine Meisterin der Tarnung und des Kletterns.

Doch ihre Welt schrumpft. Ausgerechnet ihre bevorzugten Lebensräume verschwinden zunehmend durch intensive Landwirtschaft. Hochgemähte Wiesen und gerodete Ufer geben ihr keinen Raum mehr. Die Zwergmaus ist ein Symbol für den Verlust der Biodiversität in der Agrarlandschaft. Sie ist winzig, aber ihr Fortbestand hängt von der Bewirtschaftung ganzer Landschaftsabschnitte ab. Wenn die Wiesen verschwinden, verschwindet auch sie.

Die Zwergmaus baut kunstvolle Nester im hohen Gras.
Die Zwergmaus baut kunstvolle Nester im hohen Gras.

Gemeinsam unter Druck

Was alle drei Tiere verbindet, ist die Notwendigkeit zusammenhängender Lebensräume. Der Naturschutzbund betont, dass Straßen, Siedlungen und Agrarflächen die Landschaft zerschneiden. Für den Biber bedeutet das, dass er neue Standorte schwerer findet. Für den Steinmarder bedeutet es, dass er weniger Rückzugsorte hat. Für die Zwergmaus bedeutet es, dass ihre Wiesen gemäht oder bebaut werden. Die Zerschneidung ist das gemeinsame Schicksal.

Die Wahl des Tiers des Jahres ist mehr als ein Wettbewerb. Sie ist ein Zeichen der Wertschätzung. Sie soll auf die besonderen Fähigkeiten der Tiere aufmerksam machen. Aber auch auf ihre Gefährdung. Wir können entscheiden, welches Tier dieses Jahr im Fokus steht. Doch der eigentliche Sieg wäre, wenn wir alle drei schützen. Die Landschaft muss vernetzt bleiben. Nur so haben Biber, Marder und Maus eine Zukunft.

Jetzt abstimmen

Noch bis zum Sonntag, 1. November 2026, können Naturfreunde auf der Website des Naturschutzbundes abstimmen. Jeder Klick zählt. Unter allen Teilnehmenden werden spannende Naturbücher verlost. Der Gewinner wird Anfang 2027 im Rahmen der Präsentation der „Arten des Jahres“ bekannt gegeben. Es ist eine einfache Möglichkeit, sich für die heimische Wildtierwelt einzusetzen. Ein kleiner Schritt, der viel bedeutet.

Entscheiden Sie sich für den Biber, den Steinmarder oder die Zwergmaus. Oder denken Sie an alle drei. Die Wahl ist eine Chance, die Öffentlichkeit für die Bedrohung unserer Ökosysteme zu sensibilisieren. Die Tiere sind faszinierend, aber verletzlich. Lasst uns ihre Lebensräume schützen. Die Zukunft der heimischen Natur steht auf dem Spiel. Jetzt ist der Moment für eine Entscheidung.

Häufige Fragen

Bis wann läuft die Abstimmung für das Tier des Jahres 2027 und wo kann man abstimmen?

Die Wahl endet am 1. November 2026 und erfolgt über die Website des Naturschutzbundes. Unter den Teilnehmenden werden zudem Naturbücher verlost.

Welche drei Tierarten kandidieren heuer um den Titel Tier des Jahres 2027?

Die Kandidaten sind der Biber, der Steinmarder und die Zwergmaus. Diese drei Arten stehen im Fokus der aktuellen Wahl des Naturschutzbundes.

Warum ist die Zerschneidung der Lebensräume ein gemeinsames Problem für Biber, Marder und Zwergmaus?

Straßen, Siedlungen und intensive Agrarflächen haben die Landschaft in Fragmente zerrissen. Dadurch verlieren alle drei Arten ihre notwendigen zusammenhängenden Rückzugsorte und Nahrungshabitate.

Wie groß ist die Zwergmaus und wo lebt sie bevorzugt?

Die Zwergmaus misst nur fünf bis siebeneinhalb Zentimeter und ist das kleinste Nagetier Österreichs ohne Schwanz. Sie lebt in Feuchtwiesen, naturbelassenen Ufern und hohen Grasbeständen.

Welche ökologische Rolle spielt der Biber in seinem Lebensraum?

Der Biber gilt als Ökosystem-Ingenieur, da er durch das Errichten von Dämmen und Burgen wertvolle Feuchtgebiete schafft. Diese Bauten fördern die Wiedervernässung und schaffen neue Nischen für andere Arten.

Wie passt sich der Steinmarder an die Nähe des Menschen an?

Der Steinmarder ist ein Kulturfolger, der sich in Dachböcken, Scheunen und Holzstapeln einnistet. Er ist nachtaktiv und frisst neben Mäusen und Insekten auch Obst, Nüsse und Autokabel.

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