In Breslau, dem polnischen Wroclaw, sind heute Experten aus Polen, Deutschland und Tschechien zusammengekommen, um über die Zukunft der Oder zu beraten. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie der Grenzfluss genutzt und zugleich geschützt werden kann, nachdem er in den vergangenen Jahren durch eine schwere Umweltkatastrophe in den Blickpunkt geraten war.
Auslöser der anhaltenden Sorge war das massenhafte Fischsterben in der Oder, bei dem tonnenweise tote Fische im Fluss trieben. Verantwortlich dafür war die sogenannte Goldalge, deren giftige Wirkung sich im Wasser ausbreitete und das Leben im Fluss über weite Strecken zum Erliegen brachte und schwere Schäden hinterließ.
Als einer der Hauptgründe für das Fischsterben gilt das Salz, das vor allem in Polen weiterhin in großen Mengen aus dem Bergbau in die Oder eingeleitet wird. Diese Salzfracht verändert die Bedingungen im Fluss und schafft ein Umfeld, in dem sich Algen wie die Goldalge stärker ausbreiten und vermehren können.
Um den Zustand des Flusses genau zu erfassen, sind Fachleute regelmäßig vor Ort. Am Morgen entnahmen Mitarbeiter des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie bei Ratzdorf eine Wasserprobe, möglichst aus der Mitte des Flusses, und brachten sie zu ihrem mobilen Labor, um die Werte direkt vor Ort auswerten zu können.
Zur gleichen Zeit bereitete ein weiteres Team des Instituts an der Mündung der Neiße bei Ratzdorf Strömungsmessungen vor. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen auf diese Weise ein möglichst genaues Bild davon bekommen, wie es der Oder heute tatsächlich geht und wie weit ihre Erholung fortgeschritten ist.
Nach ihren Beobachtungen ist der Fluss dabei, sich zu erholen, zumindest was die Fisch- und Muschelbestände angeht. Gleichzeitig stellten die Fachleute jedoch klar, dass die reinen Umweltfaktoren, die damals zur Oder-Katastrophe geführt haben, bis heute nahezu unverändert geblieben sind und der Fluss damit weiter gefährdet bleibt.
Wie angespannt die Lage bleibt, zeigte sich auch an diesem Morgen in Ratzdorf. Die Leitfähigkeit des Wassers, ein Maß für den Salzgehalt, konnte das Laborteam sofort ablesen, sie lag bei 1400 Mikrosiemens pro Zentimeter. Solche Werte verdeutlichen, warum der Schutz der Oder weiterhin im Mittelpunkt der grenzüberschreitenden Beratungen steht.
