Hafer gilt schon lange als Geheimtipp für die Gesundheit. Das Getreide kann den Blutzucker und das Gewicht regulieren und wirkt entzündungshemmend. Wie sich Hafer auf den Cholesterinspiegel auswirkt, haben zwei Forscherinnen an der Universität Bonn genauer untersucht.
Das Ergebnis fiel deutlicher aus als gedacht. In der Studie konnten die Teilnehmenden ihren Gesamtcholesterinwert im Schnitt um acht Prozent senken. Ein Wert, den selbst die Wissenschaftlerinnen so nicht erwartet hatten, zumal er allein durch ein einziges Lebensmittel und eine nur zweitägige Kur erreicht wurde.
Bemerkenswert ist auch die Dauer der Wirkung. Der cholesterinsenkende Effekt hält den Erkenntnissen zufolge etwa sechs Wochen lang an. Die intensive zweitägige Form zeigt dabei eine größere Wirkung als einzelne Hafermahlzeiten und kann zugleich ein Motivationsschub sein, weil sich die Effekte so schnell zeigen.
Hinter dem Effekt steckt der Ballaststoff Beta-Glucan. Er verbindet sich mit der Gallensäure, zieht sie aus dem Kreislauf und wird mit ihr ausgeschieden. Um neue Gallensäure zu bilden, muss der Körper den nötigen Rohstoff, das LDL, direkt aus dem Blut holen. Die Folge ist, dass der LDL-Spiegel sinkt.
Die Kur selbst folgt einem strengen Plan. Zwei Tage lang werden je 300 Gramm Haferflocken gegessen, aufgeteilt auf drei Mahlzeiten, dazu nur wenig Gemüse und Obst sowie Wasser oder ungesüßter Tee. Zucker und Salz sind tabu, insgesamt nimmt man dabei nur etwa die Hälfte der normalen Tageskalorien zu sich.
Zwei Testpersonen probierten die Kur aus. Bei Julian, dessen Blutfette durch ungesunde Ernährung zu hoch und dessen HDL-Wert zu niedrig waren, sanken die Blutfette deutlich, der HDL-Wert verbesserte sich, und er nahm in zwei Tagen ab, von 81,5 auf rund 79 Kilogramm. Conny, die wegen einer familiär bedingten Erbkrankheit ein Statin nimmt, sah ihre Werte um etwa drei Prozent besser werden, was für sie eine echte Verbesserung bedeutet.
Ganz ohne Medikamente wird es bei Conny nicht gehen, doch auch ihr hilft der Hafer, und sie will die Kur künftig etwa alle sechs Wochen wiederholen. Auch Julian möchte sie erneut machen, beim nächsten Mal aber mit mehr Geschmack. Im Hafer steckt also offenbar mehr, als es auf den ersten Blick scheint.
