Rund hundert Jahre nach der Geburt der Quantenphysik zählt die Schweiz zu den führenden Standorten der Quantenforschung. Von der ETH über die EPFL bis zum Paul Scherrer Institut und Firmen wie ID Quantique reicht ein dichtes Netz, das Grundlagenforschung und Wirtschaft verbindet.
Die Quantenphysik hat den Sprung von der Theorie in den Alltag längst begonnen, und die Schweiz spielt dabei eine erstaunlich grosse Rolle. Für ein Land dieser Grösse ist die Dichte an Spitzenforschung, Instituten und jungen Firmen im Bereich der Quantentechnologie bemerkenswert. Vom Genfersee bis nach Zürich arbeiten Fachleute daran, die seltsamen Gesetze der kleinsten Teilchen in nützliche Werkzeuge zu verwandeln.
Hundert Jahre Quantenphysik
Vor rund hundert Jahren legten Physikerinnen und Physiker die Grundlagen der modernen Quantenmechanik und veränderten damit unser Bild der Natur für immer. Aus diesem Anlass erklärte die UNESCO das Jahr 2025 zum Internationalen Jahr der Quantenwissenschaft und Quantentechnologie. Der Jahrestag rückt ein Feld ins Licht, das lange als abstrakt galt und heute konkrete Technik hervorbringt. Genau an dieser Schnittstelle von Theorie und Anwendung ist die Schweiz besonders aktiv.
Ein kleines Land mit grosser Wirkung
Die Schweiz hat in der Quantenwissenschaft eine Wirkung, die ihre geografische Grösse deutlich übersteigt, wie Fachleute immer wieder betonen. Ein Grund liegt in der engen Verzahnung von Hochschulen, Forschungsinstituten und einer innovativen Industrie. Dazu kommt eine lange Tradition in Physik und Präzisionstechnik, die vom Uhrenbau bis zur Teilchenforschung reicht. Diese Mischung schafft ein Umfeld, in dem neue Ideen rasch von der Idee zum Prototyp gelangen.
Die Schweizer Quantenwoche
Wie sichtbar das Thema geworden ist, zeigte die erste Schweizer Quantenwoche vom dreizehnten bis neunzehnten Oktober 2025 in Genf und Lausanne. Zum Abschluss öffnete ein Publikumstag am achtzehnten Oktober im SwissTech Convention Center auf dem Campus der EPFL seine Türen. Mehr als tausend Besucherinnen und Besucher liessen sich dort von über achtzig wissenschaftlichen Vermittlerinnen und Vermittlern die Welt der Quanten erklären. Eine zweite Auflage ist bereits für den Oktober 2026 geplant.
Wo Wissenschaft und Wirtschaft sich treffen
Die Quantenwoche war weit mehr als ein Fest für die Öffentlichkeit, denn sie brachte auch Forschung und Wirtschaft zusammen. Am Quantum Industry Day in Genf kamen über sechshundert Teilnehmende zusammen, um über Anwendungen und Märkte zu sprechen. Ein grösserer Gipfel versammelte rund tausend Forschende, Diplomatinnen und Vertreter der Wirtschaft an einem Tisch. Ein Hackathon am CERN rundete die Woche ab und band den Nachwuchs unmittelbar ein.
Ein dichtes Netz aus Instituten

Getragen wird die Schweizer Stärke von einem dichten Netz aus Hochschulen und Instituten im ganzen Land. Das Quantum Center der ETH Zürich vereint seit 2020 rund dreissig Forschungsgruppen aus sechs Departementen unter einem Dach. Auch die EPFL, die Universitäten Basel und Genf sowie weitere Partner tragen mit eigenen Zentren bei. Der gemeinsame Quantum Computing Hub von ETH Zürich und Paul Scherrer Institut arbeitet seit 2021 an Rechnern auf Basis supraleitender Schaltkreise und gefangener Ionen.
Vom Labor in den Markt
Dass Quantenforschung in der Schweiz nicht im Labor stehen bleibt, zeigt ein Blick auf die Firmenlandschaft. Das Genfer Unternehmen ID Quantique ging im Jahr 2001 aus der angewandten Physik der Universität Genf hervor und gilt als ältester kommerzieller Anbieter von Quantenschlüsselverteilung. Seit 2025 gehört das Unternehmen mehrheitlich zum amerikanischen Quantencomputer-Spezialisten IonQ. Firmen wie CSEM oder Zurich Instruments sowie die hiesigen Aktivitäten von IBM ergänzen dieses Ökosystem.
Sichere Kommunikation dank Quantenphysik
Ein besonders reifer Zweig der Quantentechnologie ist die abhörsichere Kommunikation über sogenannte Quantenschlüsselverteilung. Dabei nutzt man physikalische Gesetze, um Schlüssel so auszutauschen, dass ein Lauschangriff sofort auffällt. Im Dezember 2025 meldete ID Quantique gemeinsam mit dem Netzwerkkonzern Cisco den Aufbau eines quantensicheren Netzes zwischen zwei Rechenzentren in der Schweiz. Solche Projekte zeigen, dass die Technik den Sprung aus dem Labor in reale Infrastruktur schafft.
Was Quantencomputer besonders macht
Anders als klassische Rechner arbeiten Quantencomputer mit sogenannten Qubits, die mehrere Zustände zugleich einnehmen können. Durch Überlagerung und Verschränkung lassen sich bestimmte Aufgaben grundsätzlich anders angehen als mit herkömmlichen Bits. Fachleute erhoffen sich davon Lösungen für Probleme, an denen selbst grosse Supercomputer heute noch scheitern. Der Weg dahin ist anspruchsvoll, denn Qubits reagieren äusserst empfindlich auf jede Störung aus ihrer Umgebung.
Neue Ideen aus Villigen
Dass die Grundlagenforschung weiterhin für Überraschungen gut ist, zeigt ein Projekt am Paul Scherrer Institut in Villigen. Anfang September 2026 wurde dort ein Vorhaben vorgestellt, das die etablierte Spintronik mit dem jungen Feld der Quantengeometrie verbindet. Der Forscher hinter dem Projekt will damit einen neuen Zugang zu künftigen Bauelementen eröffnen. Solche Ansätze verdeutlichen, wie eng in der Schweiz Neugier und mögliche Anwendung beieinanderliegen.
Warum die Quantenphysik jetzt zählt
Lange galt die Quantenphysik als reine Angelegenheit der Grundlagenforschung ohne unmittelbaren Nutzen im Alltag. Das hat sich gründlich geändert, denn heute reichen die Anwendungen von der Datensicherheit über die Sensorik bis zum Rechnen. Präzise Quantensensoren könnten etwa Messungen in der Medizin oder der Umweltforschung deutlich verbessern. Damit wird aus einer akademischen Disziplin ein Werkzeugkasten, der viele Bereiche der Gesellschaft berührt.
Förderung und Fachkräfte
Damit die Schweiz ihre Stellung hält, braucht es mehr als brillante Ideen in einzelnen Laboren. Nötig sind eine verlässliche Förderung, gute Ausbildung und genügend Fachkräfte, die das Feld weitertragen. Sommerschulen, gemeinsame Zentren und internationale Kooperationen sollen den Nachwuchs früh an die Materie heranführen. Der Wettbewerb um die besten Köpfe ist hart, denn viele Länder investieren derzeit kräftig in die Quantentechnologie.
Ein Blick nach vorne
Die kommende zweite Quantenwoche im Oktober 2026 dürfte erneut zeigen, wie breit das Feld inzwischen aufgestellt ist. Zwischen Grundlagenforschung, jungen Firmen und grossen Instituten entsteht ein Zusammenspiel, das Bestand haben könnte. Ob die Schweiz ihre Rolle als kleine, aber gewichtige Quantennation behauptet, hängt von Ausdauer und kluger Zusammenarbeit ab. Sicher ist, dass die kleinsten Teilchen der Physik für das Land zu einer immer grösseren Chance werden.

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