Der ADAC vergleicht 112 Modelle im großen Test. Während die Reichweiten der E-Autos steigen, bleibt der Absatzmarkt im August 2024 von Verbrennern dominiert. Eine Analyse der Spannungen zwischen Technik und Markt.
112 Fahrzeuge. Das ist die Zahl, die der ADAC in seinem aktuellen Autotest 2025 unter die Lupe genommen hat. Es ist kein kleiner Haufen, sondern ein Querschnitt durch den gesamten deutschen Pkw-Bestand, der von kompakten Stadtautos bis zu großen SUVs reicht. Die Ergebnisse zeigen ein Bild, das weniger glatt ist, als es die Marketingabteilungen in Wolfsburg oder Stuttgart gerne hätten. Zwischen den 112 getesteten Modellen klafft eine Lücke, die man nicht mehr mit dem Finger wischen kann.
Man muss hier klar trennen zwischen dem, was technisch möglich ist, und dem, was der Käufer im Alltag wirklich bekommt. Der Trend geht hin zu elektrischen Antrieben mit immer größeren Batterien, doch die Realität des August-Absatzes zeigt, dass der Verbrenner noch immer die Nase vorn hat. Diese Diskrepanz ist der Kern des Problems. Wir reden hier nicht über Nischenprodukte, sondern über die Autos, die täglich auf unseren Straßen rollen.
Der ADAC-Test als Maßstab
Der ADAC-Test ist in Deutschland weit mehr als eine bloße Bewertung. Er ist ein Referenzrahmen, der sowohl von Käufern als auch von Herstellern ernst genommen wird. In der aktuellen Ausgabe werden die 112 Fahrzeuge nach verschiedenen Kriterien bewertet, von der Zuverlässigkeit über den Verbrauch bis hin zur Sicherheit. Was auffällt, ist die Streuung der Ergebnisse. Ein Modell, das in der Theorie perfekt klingt, kann in der Praxis an der Zuverlässigkeit scheitern.
Besonders brisant ist die Kategorie der E-Autos. Hier zeigt sich, dass die hohen Erwartungen an die Reichweite oft an der Realität der Batteriealterung oder der Effizienz bei Kälte scheitern. Der Test deckt auf, dass nicht jedes neue Modell automatisch besser ist als sein Vorgänger. Manchmal ist das ältere Modell, das simpler gebaut ist, im Alltag der robustere Kandidat. Das ist eine Erkenntnis, die man in der Werbung selten liest.

Reichweitenversprechen vs. Realität
Nehmen wir den ID.Tiguan als Beispiel. Laut AUTOBILD soll das neue Modell bis zu 600 km Reichweite schaffen. Das klingt nach einem großen Sprung nach vorn und löst die Reichweitenangst der frühen Jahre. Doch 600 Kilometer sind ein Labordatensatz. Im Alltag, mit Klimaanlage, Tempomat und realen Straßenverhältnissen, sieht die Sache oft anders aus. Die Hersteller versprechen immer mehr, aber die Batterietechnologie hinkt dem Marketing oft hinterher.
Die neuen E-Autos, die bis 2029 auf den Markt kommen, sollen diese Lücke schließen. Modelle wie der GLC EQ versprechen eine deutlich höhere Kapazität und bessere Effizienz. Doch die Frage bleibt, ob diese Technik auch im Winter verlässlich funktioniert. Der ADAC-Test zeigt, dass die Abweichungen zwischen theoretischer und praktischer Reichweite bei einigen Modellen erheblich sind. Wer hier blind vertraut, riskiert, am Ende der Woche vor einer leeren Batterie zu stehen.

Der Absatzmarkt bleibt stur
Trotz der technologischen Fortschritte bleibt der Pkw-Absatz im August 2024 von Verbrennern und Hybriden dominiert. Der ADAC meldet, dass die Hersteller mit Verbrennerantrieb weiterhin die vorderen Plätze in den Absatzzahlen belegen. Das ist ein klares Signal, dass der Markt nicht so schnell umschwenkt, wie es die Politik oder die Hersteller vielleicht hoffen. Die Käufer sind vorsichtig, und das zu Recht.
Die Unsicherheit über die Ladeinfrastruktur und die Restwerte der E-Autos hält viele Kunden ab. Man kauft ein Auto, das man in fünf Jahren noch verkaufen kann, und hier sind die Verbrenner noch immer die sicherere Wette. Diese Marktdynamik zwingt die Hersteller, ihre E-Strategien zu überdenken. Es reicht nicht, ein gutes Auto zu bauen, man muss auch ein Geschäftsmodell haben, das für den Kunden funktioniert.

Was kommt bis 2027?
Der Blick in die Zukunft zeigt eine Flut an Neuheiten. Von 2026 bis 2027 kommen Dutzende neue Modelle auf den Markt, die versprechen, die Schwächen der aktuellen Generation zu beheben. Carwow und andere Portale listen bereits die kommenden Fahrzeuge, die mit schnelleren Ladetecnologien und effizienteren Motoren aufwarten sollen. Doch die Frage ist, ob diese Neuzugänge die Marktanteile tatsächlich verschieben können.
Die Hersteller setzen auf Skaleneffekte und günstigere Batterien. Wenn die Preise sinken und die Technik reift, könnte sich der Markt drehen. Doch bis dahin bleibt das Auto ein Kompromiss. Zwischen dem Wunsch nach Nachhaltigkeit und der Realität der Nutzung. Der ADAC-Test 2025 ist ein Weckruf. Er zeigt, dass wir noch mitten in der Transformation stecken, und dass der Weg dorthin voller Stolpersteine ist.
Fazit für den Käufer
Für den durchschnittlichen Käufer heißt das: Augen auf beim Autokauf. Die 112 getesteten Modelle des ADAC bieten eine gute Orientierung, aber man sollte die Reichweitenangaben mit Vorsicht genießen. Ein Blick in die Testberichte und die Erfahrungswerte anderer Nutzer ist Gold wert. Die Technologie ist gut, aber sie ist noch nicht perfekt.
Der Markt wird sich weiter verändern, und die nächsten Jahre werden zeigen, ob die E-Autos ihre Versprechen einhalten können. Bis dahin bleibt der Verbrenner der sichere Hafen. Man muss nicht gegen den Strom schwimmen, wenn der Strom noch nicht fließt. Die Entscheidung liegt bei jedem Einzelnen, aber die Daten sprechen eine klare Sprache.
