Das Herzstück jedes Elektroautos ist seine Batteriezelle, und die kam lange fast nur aus Asien. Jetzt holt Deutschland die Produktion ins eigene Land: von PowerCos Gigafabrik in Salzgitter über Opel in Kaiserslautern bis zu Tesla in Grünheide. Ein Blick auf den Wettlauf um die Zellfertigung.
Die Zukunft des Autos wird elektrisch, und das Herzstück jedes Elektroautos ist seine Batterie. Wer die Zellen dafür herstellt, entscheidet mit darüber, wo künftig Wertschöpfung und Arbeitsplätze in der gesamten Autoindustrie entstehen werden.
Lange Zeit kamen diese Zellen fast ausschliesslich aus Asien. Doch nun versucht Deutschland aufzuholen und die Produktion ins eigene Land zu holen, mit riesigen Fabriken, die in der Branche gerne als Gigafabriken bezeichnet werden.
Warum Batteriezellen der Schlüssel sind
Die Batteriezelle ist der teuerste und wichtigste Einzelbaustein eines jeden Elektroautos. Wer sie im eigenen Land fertigt, macht sich unabhängiger von Lieferketten aus Fernost und sichert sich zugleich einen grossen Teil der industriellen Wertschöpfung.
Genau deshalb ist rund um die Zellfertigung ein regelrechter Wettlauf entbrannt. Autokonzerne, Zulieferer und branchenfremde Neueinsteiger investieren Milliarden, um in Europa und ganz besonders in Deutschland eine eigene Produktion aufzubauen.
PowerCo startet in Salzgitter

Der wohl wichtigste deutsche Vorstoss kommt vom Volkswagen-Konzern. Über seine Tochterfirma PowerCo produziert er im niedersächsischen Salzgitter erstmals eine sogenannte Einheitszelle vollständig in Europa, mit einem Hochlauf über das ganze Jahr 2026.
Die Zellen aus Salzgitter sollen künftig Elektroautos der Marken Volkswagen, Škoda und SEAT antreiben. Zu Beginn ist eine Jahreskapazität von bis zu 20 Gigawattstunden geplant, die später auf bis zu 40 Gigawattstunden steigen könnte.
Salzgitter als Leitwerk
Salzgitter ist dabei weit mehr als nur eine einzelne Fabrik, denn es dient als Leit- und Vorbildwerk für weitere Standorte. Nach seinem Muster entstehen zusätzliche Gigafabriken im spanischen Valencia und im kanadischen St. Thomas.
Allein die geplante Fabrik in Valencia soll bereits 2026 die Produktion aufnehmen und später mehr als dreitausend Menschen beschäftigen. PowerCo rechnet damit, rund die Hälfte seiner benötigten Einheitszellen künftig selbst herstellen zu können.
Opel, Tesla und die anderen
Doch der Volkswagen-Konzern ist längst nicht allein. Im Opel-Werk in Kaiserslautern sollen über ein Gemeinschaftsunternehmen namens Automotive Cells Company Zellen mit einer Kapazität von mehr als dreizehn Gigawattstunden gefertigt werden.
Auch der US-Hersteller Tesla mischt kräftig mit. In seiner Fabrik in Grünheide bei Berlin schafft das Unternehmen die Voraussetzungen, um ab dem Jahr 2027 Batteriezellen mit einer Kapazität von bis zu acht Gigawattstunden pro Jahr zu produzieren.
Das Ziel der EU: 40 Prozent bis 2030
Hinter all diesen Projekten steht auch ein handfestes politisches Ziel. Mit dem sogenannten Net-Zero Industry Act will die Europäische Union erreichen, dass bis 2030 vierzig Prozent der jährlichen Nachfrage nach Batteriezellen aus eigener Produktion stammen.
Das ist ein ausgesprochen ehrgeiziges Vorhaben, denn bislang ist Europa noch stark von Importen abhängig. Jede neue Fabrik auf dem Kontinent ist deshalb ein Schritt hin zu mehr Unabhängigkeit und einer widerstandsfähigeren heimischen Industrie.
Zwischen Aufbruch und Unsicherheit
Trotz all der grossen Ankündigungen bleibt der Weg holprig. Fachleute beschreiben die deutsche Zellfertigung derzeit als selektiv voranschreitend, aber noch längst nicht umfassend gesichert, denn Kosten und Nachfrage bleiben schwer kalkulierbar.
Ob aus den ehrgeizigen Plänen eine echte europäische Batterieindustrie wird, entscheidet sich in den kommenden Jahren. Klar ist nur, dass Deutschland dabei viel riskiert, aber auch sehr viel gewinnen kann, wenn der Aufbau am Ende gelingt.
Guter Kontext rund um Elektromobilität.
Elektromobilität: besser erklärt als anderswo.
Absolut.
