Feststoffbatterien versprechen mehr Reichweite, kürzere Ladezeiten und mehr Sicherheit. Von BMW über Mercedes bis Volkswagen liefern sich die Hersteller ein Rennen um die Serienreife. Ein Überblick über den Stand der Technik.
Die Reichweite gilt seit jeher als eine der größten Hürden der Elektromobilität, und kaum eine Technologie weckt derzeit so viele Hoffnungen wie die sogenannte Feststoffbatterie. Sie könnte die Art und Weise, wie wir über Elektroautos denken, von Grund auf verändern und bestehende Vorbehalte ausräumen.
Rund um diese neue Speichertechnik ist längst ein regelrechtes Rennen entbrannt. Von den deutschen Herstellern bis hin zu Konzernen aus Asien und den USA arbeiten zahlreiche Unternehmen mit Hochdruck daran, als Erste eine wirklich serienreife Lösung auf die Straße zu bringen.
Was eine Feststoffbatterie ausmacht
Der grundlegende Unterschied steckt bereits im Namen. Anders als herkömmliche Lithium-Ionen-Akkus, die auf einen flüssigen Elektrolyten setzen, verwenden Feststoffbatterien feste Materialien. Das ermöglicht laut Berichten deutlich kompaktere und zugleich sicherere Energiespeicher für das Fahrzeug.
Diese scheinbar kleine technische Änderung hat große Folgen. Da feste Stoffe chemisch stabiler und spürbar schwerer entflammbar sind, gilt die Technologie insgesamt als sicherer. Genau diese Eigenschaft ist einer der Gründe, warum die Feststoffbatterie als möglicher Nachfolger der heutigen Akkus gehandelt wird.
Die Vorteile im Überblick

Der wohl wichtigste Vorteil betrifft die Energiedichte. Nach vorliegenden Angaben erreichen Feststoffbatterien mindestens 500 Wattstunden pro Kilogramm, während herkömmliche Lithium-Ionen-Zellen bei höchstens 350 Wattstunden liegen. Das entspricht einem Plus von mehr als 40 Prozent.
In der Praxis bedeutet das vor allem eines, nämlich mehr Reichweite. Ersten Prototypen wird bereits eine Reichweite von über 1000 Kilometern zugeschrieben. Hinzu kommt das Versprechen deutlich kürzerer Ladezeiten, wobei ein japanischer Hersteller sogar von zehn Minuten Ladezeit für 1000 Kilometer spricht.
BMW setzt auf Solid Power
Auch die deutschen Hersteller mischen ganz vorne mit. Den Berichten zufolge arbeitet BMW gemeinsam mit dem US-Unternehmen Solid Power sowie mit Samsung SDI an der Technologie. Erste Testbatterien wurden dabei bereits in einem BMW i7 verbaut und im realen Fahrbetrieb auf der Straße erprobt.
Der Konzern verfolgt dabei einen recht klaren Zeitplan. Nach den vorliegenden Informationen peilt BMW die Serienreife der Feststoffbatterie ab dem Jahr 2027 an. Dass bereits echte Fahrtests laufen, zeigt, dass die Technik den Sprung aus dem Labor auf die Straße allmählich zu schaffen scheint.
Mercedes und der Reichweitenrekord
Einen besonders spektakulären Achtungserfolg konnte hingegen Mercedes vermelden. In Zusammenarbeit mit den Partnern Factorial Energy und ProLogium testet der Hersteller einen Prototypen auf Basis des EQS, der mit einer Feststoffbatterie ausgestattet ist und für einiges Aufsehen sorgte.
Der Grund dafür ist eine wahrhaft beeindruckende Zahl. Berichten zufolge legte das Versuchsfahrzeug mit einer einzigen Ladung eine Strecke von 1205 Kilometern zurück, ein bemerkenswerter Reichweitenrekord. Die vollständige Serienreife wird bei Mercedes allerdings erst für die Zeit vor 2030 erwartet.
Volkswagen und ein Motorrad
Einen etwas anderen Weg beschreitet unterdessen Volkswagen. Der Konzern kooperiert bereits seit einigen Jahren mit dem US-Unternehmen QuantumScape und testet die Technik nach den Berichten zunächst nicht in einem Auto, sondern in einem Motorrad der italienischen Marke Ducati.
Auch hier gibt es durchaus konkrete Fortschritte zu vermelden. Den Angaben zufolge überstand die Batterie 1000 Ladezyklen mit lediglich fünf Prozent Kapazitätsverlust, ein wichtiger Wert für die Langlebigkeit. Der Fertigungsstart der Technologie ist bei Volkswagen bereits für das Jahr 2026 vorgesehen.
Noch kein Serienauto
Trotz aller Fortschritte gilt es jedoch, die Erwartungen ein wenig zu bremsen. Wie es heißt, ist bislang noch kein einziges Großserienauto tatsächlich mit einer Feststoffbatterie ausgestattet. Neben den deutschen Marken arbeiten auch Toyota, CATL, Geely und Stellantis mit Nachdruck an eigenen Lösungen.
Das Rennen um die Feststoffbatterie ist also längst in vollem Gange, auch wenn der eigentliche Zieleinlauf noch aussteht. Mehrere Hersteller stellen die Serienreife zwischen 2027 und 2030 in Aussicht. Sollte die Technik ihre großen Versprechen halten, könnte sie der Elektromobilität einen kräftigen Schub verleihen.
Wirklich nützlicher Beitrag über Elektroauto.
