Die Linke kommt von diesem Tag an in Potsdam zu ihrem Bundesparteitag zusammen. Im Mittelpunkt des Treffens stehen die Wahl einer neuen Parteispitze, die Positionierung der Partei zum Nahostkonflikt sowie der Umgang mit antisemitischen Kommentaren einzelner Mitglieder. Der Parteitag gilt als wichtige Weichenstellung für eine Partei, die sich in den vergangenen Monaten stark verändert hat und nun über ihren künftigen Kurs entscheiden muss.
Noch vor einem Jahr hatte sich Die Linke auf ihrem Parteitag selbstbewusst gefeiert, mit Ines Schwerdtner und Jan van Aken an der Spitze. Nun tritt van Aken aus gesundheitlichen Gründen nicht erneut als Vorsitzender an. Damit steht die Partei vor einem Führungswechsel, dessen Ausgang an diesem Wochenende in Potsdam entschieden wird und der die Richtung der kommenden Jahre prägen dürfte.
In den vergangenen zwei Jahren hat sich die Partei deutlich gewandelt. Die Mitgliederzahl hat sich auf rund 126.000 verdoppelt, zugleich ist die Partei spürbar jünger geworden. Diese Mischung aus langjährigen, vor Ort gut verankerten Mitgliedern und vielen neuen, jungen Gesichtern bezeichnet die Parteispitze selbst als eine ihrer größten Stärken, auch wenn sich dadurch innerhalb der Partei manche Position verschiebt.
Wie radikal die Delegierten diesmal auftreten werden, ist selbst für die Führung schwer abzuschätzen. Die Hälfte der 500 Delegierten ist neu dabei, die jüngste Teilnehmerin ist gerade einmal 16 Jahre alt. In der Partei rechnet man damit, dass der Parteitag ein großes Lehrstück darüber wird, wie man miteinander diskutiert, dass sich nicht jeder vollständig durchsetzen kann und es am Ende des Tages um Kompromisse geht.
Vor allem bei jungen Mitgliedern zieht Die Linke mit Themen wie dem Wehrdienst, dem Kampf gegen rechts und dem Nahen Osten. Die Linksjugend Solid fordert dabei einen kompromisslosen Kurs. Die Partei müsse ihr Profil als organisierende Klassenpartei schärfen und in Fragen wie der Militarisierung und der Palästina-Solidarität endlich eine konsequente Linie fahren, so die Forderung der Parteijugend an die Delegierten in Potsdam.
Überschattet wird der Parteitag von einer Antisemitismus-Debatte. Bekannt wurde, dass in internen Chatgruppen der Linksjugend die Parole Israel verrecke gepostet worden sein soll. Der Bundestagsabgeordnete Luigi Pantisano, der Jan van Aken an der Parteispitze nachfolgen will, distanzierte sich von der Linksjugend und betonte, in der Linken dürfe es keinen Platz für Antisemitismus geben. Er erwarte, dass bei solchen Aussagen künftig sofort eingeschritten werde, und begrüßte, dass die Spitze der Linksjugend bereits reagiert habe.
Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer aus dem Osten fürchten unterdessen, das Thema Nahost könnte andere Schwerpunkte des Parteitags überlagern. Sie wollen lieber mit sozialen Themen punkten. Gerade in Sachsen-Anhalt, so die Hoffnung mancher Delegierter, interessierten sich viele Menschen sehr wenig für diese Debatte, weshalb sie nicht im Mittelpunkt der Aussagen des Parteitags stehen solle.
