Die Linke hat sich auf ihrem Bundesparteitag in Potsdam eine neue Fuhrung gegeben. Im Mittelpunkt stand die Wahl der Doppelspitze, nachdem der bisherige Vorsitzende Jan van Aken nicht erneut angetreten war. Sein Abschied fiel den Delegierten sichtlich schwer, beim Abschied des alten Vorsitzenden flossen Tranen, und in der Partei wird er als Fels in der Brandung beschrieben, der die Linke in den vergangenen Jahren gepragt hat.
Die bisherige Co-Vorsitzende Ines Schwerdtner wurde im Amt bestatigt und erhielt dabei rund 86 Prozent der Delegiertenstimmen, ein deutliches Votum. Sie wertete das Ergebnis als Bestatigung der Arbeit der vergangenen zwei Jahre, in denen sie die Partei gemeinsam mit van Aken gefuhrt hatte, und kundigte an, die Fuhrungsrolle nun weiter auszufullen und weiterhin im Team mit der ubrigen Parteispitze zu arbeiten.
Deutlich schwacher fiel das Ergebnis fur ihren neuen Partner an der Spitze aus. Der Bundestagsabgeordnete Luigi Pantisano wurde zum neuen Co-Vorsitzenden gewahlt, kam dabei aber nur auf knapp 53 Prozent der Stimmen. Damit verfehlte der Nachfolger von Jan van Aken einen klaren Ruckhalt unter den Delegierten und ging mit seinem Wahlergebnis nach Einschatzung im Saal beinahe unter, was als deutlicher Dampfer fur den Neuen gewertet wurde.
Pantisano selbst nahm das knappe Ergebnis als Auftrag an. Er muss sich das Vertrauen in der Partei nach eigener Darstellung erst erarbeiten und versteht das Votum als Arbeitsauftrag. In seiner Rede kundigte er an, gemeinsam mit den Mitgliedern die arbeitende Klasse fur die Linke zuruckgewinnen zu wollen, und nannte dabei ausdrucklich die Erzieherin, den Pfleger, den Postboten und die Reinigungskraft, die den Laden jeden Tag am Laufen halten.
Die Partei prasentierte sich in Potsdam selbstbewusst und angriffslustig. Schwerdtner kundigte einen Kampf gegen soziale Kurzungen und gegen rechts an und gab als Linie aus, man mache jetzt Klassenkampf von unten. Zu den zentralen Forderungen zahlten gleiche Lohne fur Ost und West, die Abschaffung der Schuldenbremse zugunsten von Umverteilung sowie die Einfuhrung einer Vermogensteuer, die als Anspruch der Linken formuliert wurden.
Hintergrund des Wandels ist das starke Mitgliederwachstum der vergangenen Jahre. Die Partei ist nach eigenen Angaben spurbar gewachsen und prasentiert sich heute deutlich junger, weiblicher und migrantischer als noch Ende 2024, als die Mitgliederzahl rund halb so hoch lag. Dieser Zustrom hat das Gesicht der Linken verandert und die Zusammensetzung der Delegierten auf dem Parteitag merklich verschoben.
Zugleich offenbarte der Parteitag interne Spannungen. Fur viele Delegierte war das Treffen eine Art Blind Date, manche fuhlten sich in der schnell gewachsenen Partei fremd, und auf offener Buhne wurde wiederholt Misstrauen gegen die eigenen Genossen und die Parteifuhrung geaussert. Die Frage, ob die Linke zu schnell gewachsen ist, begleitete die Debatten, wahrend sich die Partei in der Sozialpolitik betont geeint zeigte.
