Gleiches Geld für gleiche Arbeit, das ist für die Speditionskauffrau Laura Kumpana in ihrer Firma in Bottrop selbstverständlich. Doch so wie dort ist es längst nicht überall. Noch immer erhalten Frauen in Deutschland im Durchschnitt rund 16 Prozent weniger Geld als Männer, etwa weil sie häufiger in schlechter bezahlten Jobs oder in Teilzeit arbeiten.
Auch bei vergleichbarer Qualifikation und Tätigkeit bleibt eine Lücke, denn dann verdienen Frauen immer noch sechs Prozent weniger. Im europäischen Vergleich steht Deutschland damit schlecht da, denn in kaum einem anderen Land fällt der Abstand zwischen den Gehältern von Männern und Frauen so groß aus. Von allein, so die Erfahrung der vergangenen Jahrzehnte, ändert sich an dieser Situation wenig.
Genau das soll sich nun ändern, fordert die Antidiskriminierungsbeauftragte. Doch nach ihrer Darstellung stellt sich die Bundesregierung quer. Bis zu diesem Wochenende hätte Frauenministerin Prien Zeit gehabt, eine entsprechende EU-Richtlinie für mehr Lohntransparenz in deutsches Recht umzusetzen. Diese Frist ist nun jedoch ungenutzt verstrichen.
Die EU-Richtlinie sieht vor, dass Unternehmen ihre Einstiegsgehälter früh offenlegen müssen, etwa schon in den Stellenanzeigen. Bewerberinnen und Bewerber sollen zudem ein Recht auf Auskunft erhalten, beispielsweise über die Lohnstrukturen von Männern und Frauen. Unternehmen mit mindestens 100 Beschäftigten sollen außerdem regelmäßig Berichte über die Verdienstlücken in ihrem Betrieb vorlegen.
Der Union gehen diese Pflichten zu weit. Sie befürwortet zwar ausdrücklich die Ziele der Richtlinie, fürchtet aber unterm Strich mehr Aufwand als Vorteile. Die vorgesehenen Maßnahmen seien vor allem bürokratischer Natur und brächten keinen messbaren Nutzen, so der Vorwurf aus den Reihen der Union an dem geplanten Vorgehen.
Weil die EU-Richtlinie in Deutschland nicht fristgemäß umgesetzt wird, droht dem Land nun ein Vertragsverletzungsverfahren. Als mögliche Folge stehen empfindliche Geldstrafen im Raum, sollte Brüssel die Verzögerung beanstanden. Damit verschärft sich der Druck auf die Bundesregierung, in der Frage der Lohngerechtigkeit endlich konkrete Schritte zu unternehmen.
Frauenministerin Prien hat unterdessen angekündigt, die Richtlinie gemeinsam mit anderen EU-Staaten noch einmal nachverhandeln zu wollen. Ob und wie sich daran etwas ändern lässt, ist offen, doch für viele Beschäftigte bleibt die zentrale Frage bestehen, wann gleiche Arbeit in Deutschland tatsächlich überall gleich bezahlt wird.
