Ein Fischer fängt drei Exemplare einer Fischart, die als ausgestorben galt. Was das für die Gewässerschutzpolitik bedeutet.
Es waren nur zwanzig Minuten, in denen sich die Geschichte des Zugersees umschrieb. Ein Fischer, der eigentlich Felchen im Gebiet Räbmatt angeln wollte, zog plötzlich drei Nasen aus dem Wasser. Diese Fischart, wissenschaftlich Chondrostoma nasus genannt, galt seit Jahrzehnten in diesem See als verschwunden. Zwischen 1999 und 2013 hatten Experten keine einzigen Exemplare mehr gefunden, was zur Annahme führte, die Art sei dort ausgestorben.
Der Fischer reagierte mit einer Gelassenheit, die man in der modernen Fischerei selten sieht. Er setzte die drei Tiere unverzüglich wieder frei. Danach dokumentierte er den Fang mit Fotos und meldete den Vorfall den zuständigen Behörden. Diese Reaktion ist entscheidend, denn sie löste eine Welle der Erleichterung und wissenschaftlichen Neugier aus, die weit über den See hinausreichende Bedeutung hat.
Ein Fund, der Fragen aufwirft
Das Zuger Amt für Wald und Wild hat die Meldung ernst genommen. Beda Schlumpf, der Abteilungsleiter für Fischerei und Jagd, erklärte in einer Mitteilung, dass die Tatsache, gleich drei Exemplare am selben Ort zu finden, optimistisch stimme. Es sei unwahrscheinlich, dass dies ein Zufallsfund von Wanderfischen ist. Vielmehr spricht vieles dafür, dass sich dort eine kleine, bislang unentdeckte Population etabliert hat.
Die Frage nach der Herkunft bleibt jedoch offen. Im Kanton Zug existiert ein bekannter Bestand in der Unteren Lorze. Eine Einwanderung aus der Reuss in den See gilt jedoch als wenig wahrscheinlich, da unüberwindbare Hindernisse weiter flussaufwärts liegen. Es bleibt also spannend zu beobachten, ob die Tiere unbemerkt im See überlebt haben oder ob ein neuer, unbekannten Mechanismus vorliegt.

Roten Liste und Erholung
Die Nase steht in der Schweiz auf der nationalen Roten Liste und gehört zu den am stärksten gefährdeten einheimischen Fischarten. Dieser Status macht jeden Nachweis zu einem kleinen Triumph für die Naturschutzarbeit. Die Entdeckung im Zugersee ist kein isolierter Vorfall, sondern Teil eines größeren Trends. Auch in anderen Gewässern der Schweiz erholen sich die Bestände.
In der Saane bei Freiburg beobachtete ein Unterwasserfotograf Ende September rund 50 Exemplare. Das war die bedeutendste Beobachtung in diesem Fluss seit 25 Jahren. Im St. Galler Rheintal fand ein Fischer im April 2024 in der Simmi bei Gams mehr als 100 Nasen beim Laichen. Im Raum Basel wurden 2025 zudem rund 800 Laichtiere in der Birs und etwa 1350 in der Wiese gezählt.

Was die Kantone tun
Die positiven Entwicklungen führen die Kantone auf gezielte Maßnahmen zurück. Revitalisierungen von Gewässern, das Anlegen neuer Kiesflächen und die Beseitigung von Wanderhindernissen spielen eine zentrale Rolle. Diese Eingriffe schaffen die Lebensbedingungen, die die Nase für ihre Fortpflanzung und ihren Überlebenskampf braucht.
Das Zuger Amt ruft Fischerinnen und Fischer nun dazu auf, weitere Fänge zu melden. Auch Beobachtungen aus früheren Jahren sind willkommen. Diese Datenerhebung ist wichtig, um das Ausmaß der Erholung genau zu bestimmen und künftige Schutzmaßnahmen darauf abzustimmen.

Blick nach vorne
Die Entdeckung im Zugersee zeigt, dass Gewässerschutz wirkt. Dass eine Art, die als ausgestorben galt, wieder auftaucht, ist ein starkes Signal. Es beweist, dass intakte Ökosysteme resilienter sind, als viele denken. Die drei Nasen im Netz des Fischers sind mehr als nur ein Fang. Sie sind ein Beweis dafür, dass die Natur zurückkommen kann, wenn wir ihr die Chance geben.
Die nächsten Schritte liegen nun bei den Wissenschaftlern. Sie wollen untersuchen, ob sich die Tiere im Zugersee fortpflanzen. Wenn ja, wäre das ein historischer Moment für die Fischfauna der Schweiz. Die Geschichte der Nase im Zugersee ist noch nicht zu Ende geschrieben.
