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Das stille Comeback der Nase im Zugersee CLIMATE · AT

Das stille Comeback der Nase im Zugersee

Meike Bauer Meike Bauer meikebauer.avalw.com · 803 reads Respect0 Save Share Read only
READS3live count PUBLISHED4 Nov2026 READING TIME3 min543 words LANGUAGEGerman
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Ein Fischer fängt drei Exemplare einer Fischart, die als ausgestorben galt. Was das für die Gewässerschutzpolitik bedeutet.

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Es waren nur zwanzig Minuten, in denen sich die Geschichte des Zugersees umschrieb. Ein Fischer, der eigentlich Felchen im Gebiet Räbmatt angeln wollte, zog plötzlich drei Nasen aus dem Wasser. Diese Fischart, wissenschaftlich Chondrostoma nasus genannt, galt seit Jahrzehnten in diesem See als verschwunden. Zwischen 1999 und 2013 hatten Experten keine einzigen Exemplare mehr gefunden, was zur Annahme führte, die Art sei dort ausgestorben.

Der Fischer reagierte mit einer Gelassenheit, die man in der modernen Fischerei selten sieht. Er setzte die drei Tiere unverzüglich wieder frei. Danach dokumentierte er den Fang mit Fotos und meldete den Vorfall den zuständigen Behörden. Diese Reaktion ist entscheidend, denn sie löste eine Welle der Erleichterung und wissenschaftlichen Neugier aus, die weit über den See hinausreichende Bedeutung hat.

Ein Fund, der Fragen aufwirft

Das Zuger Amt für Wald und Wild hat die Meldung ernst genommen. Beda Schlumpf, der Abteilungsleiter für Fischerei und Jagd, erklärte in einer Mitteilung, dass die Tatsache, gleich drei Exemplare am selben Ort zu finden, optimistisch stimme. Es sei unwahrscheinlich, dass dies ein Zufallsfund von Wanderfischen ist. Vielmehr spricht vieles dafür, dass sich dort eine kleine, bislang unentdeckte Population etabliert hat.

Die Frage nach der Herkunft bleibt jedoch offen. Im Kanton Zug existiert ein bekannter Bestand in der Unteren Lorze. Eine Einwanderung aus der Reuss in den See gilt jedoch als wenig wahrscheinlich, da unüberwindbare Hindernisse weiter flussaufwärts liegen. Es bleibt also spannend zu beobachten, ob die Tiere unbemerkt im See überlebt haben oder ob ein neuer, unbekannten Mechanismus vorliegt.

Der seltene Fang: Eine Nase, die im Zugersee als ausgestorben galt.
Der seltene Fang: Eine Nase, die im Zugersee als ausgestorben galt.

Roten Liste und Erholung

Die Nase steht in der Schweiz auf der nationalen Roten Liste und gehört zu den am stärksten gefährdeten einheimischen Fischarten. Dieser Status macht jeden Nachweis zu einem kleinen Triumph für die Naturschutzarbeit. Die Entdeckung im Zugersee ist kein isolierter Vorfall, sondern Teil eines größeren Trends. Auch in anderen Gewässern der Schweiz erholen sich die Bestände.

In der Saane bei Freiburg beobachtete ein Unterwasserfotograf Ende September rund 50 Exemplare. Das war die bedeutendste Beobachtung in diesem Fluss seit 25 Jahren. Im St. Galler Rheintal fand ein Fischer im April 2024 in der Simmi bei Gams mehr als 100 Nasen beim Laichen. Im Raum Basel wurden 2025 zudem rund 800 Laichtiere in der Birs und etwa 1350 in der Wiese gezählt.

Unter der Oberfläche: Die Nasen, die sich im Zugersee erholen.
Unter der Oberfläche: Die Nasen, die sich im Zugersee erholen.

Was die Kantone tun

Die positiven Entwicklungen führen die Kantone auf gezielte Maßnahmen zurück. Revitalisierungen von Gewässern, das Anlegen neuer Kiesflächen und die Beseitigung von Wanderhindernissen spielen eine zentrale Rolle. Diese Eingriffe schaffen die Lebensbedingungen, die die Nase für ihre Fortpflanzung und ihren Überlebenskampf braucht.

Das Zuger Amt ruft Fischerinnen und Fischer nun dazu auf, weitere Fänge zu melden. Auch Beobachtungen aus früheren Jahren sind willkommen. Diese Datenerhebung ist wichtig, um das Ausmaß der Erholung genau zu bestimmen und künftige Schutzmaßnahmen darauf abzustimmen.

Anderswo erholen sich die Bestände: Die Saane bei Freiburg.
Anderswo erholen sich die Bestände: Die Saane bei Freiburg.

Blick nach vorne

Die Entdeckung im Zugersee zeigt, dass Gewässerschutz wirkt. Dass eine Art, die als ausgestorben galt, wieder auftaucht, ist ein starkes Signal. Es beweist, dass intakte Ökosysteme resilienter sind, als viele denken. Die drei Nasen im Netz des Fischers sind mehr als nur ein Fang. Sie sind ein Beweis dafür, dass die Natur zurückkommen kann, wenn wir ihr die Chance geben.

Die nächsten Schritte liegen nun bei den Wissenschaftlern. Sie wollen untersuchen, ob sich die Tiere im Zugersee fortpflanzen. Wenn ja, wäre das ein historischer Moment für die Fischfauna der Schweiz. Die Geschichte der Nase im Zugersee ist noch nicht zu Ende geschrieben.

Häufige Fragen

Wie viele Nasen wurden im Zugersee nach langer Abwesenheit wieder gesichtet?

Ein Fischer zog drei Exemplare dieser Fischart aus dem Wasser. Diese Tiere waren zwischen 1999 und 2013 im See nicht mehr nachgewiesen worden und galten dort als ausgestorben.

Warum glauben Experten, dass sich eine Population im Zugersee etabliert hat?

Der gleichzeitige Fund von drei Tieren am selben Ort spricht gegen einen Zufallsfund von Wanderfischen. Beda Schlumpf vom Zuger Amt für Wald und Wild hält es daher für wahrscheinlich, dass sich dort eine kleine, bislang unentdeckte Gruppe angesiedelt hat.

Woher stammen die Nasen im Zugersee vermutlich nicht?

Eine Einwanderung aus der Reuss gilt als unwahrscheinlich, da es weiter flussaufwärts unüberwindbare Hindernisse gibt. Ein bekannter Bestand existiert zwar in der Unteren Lorze im Kanton Zug, doch der genaue Ursprung der Tiere im See bleibt offen.

Welche Maßnahmen der Kantone fördern die Erholung der Nasenbestände?

Revitalisierungen von Gewässern, das Anlegen neuer Kiesflächen und die Beseitigung von Wanderhindernissen sind zentrale Faktoren. Diese Eingriffe schaffen die Lebensbedingungen, die die Art für Fortpflanzung und Überleben benötigt.

Wie viele Nasen wurden 2025 im Raum Basel gezählt?

In der Birs wurden rund 800 Laichtiere erfasst, während es in der Wiese etwa 1350 Exemplare waren. Diese Zahlen belegen, dass sich die Bestände in der Schweiz insgesamt erholen.

Was untersuchen Wissenschaftler als Nächstes an den Nasen im Zugersee?

Sie wollen klären, ob sich die Tiere im See fortpflanzen. Ein positiver Befund wäre ein historischer Moment für die Fischfauna der Schweiz und würde die Resilienz des Ökosystems unterstreichen.

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Meike Bauer 2026-11-04 · 3 min read · 3 reads
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