Nach einem Stromausfall in Reutlingen gehen die Ermittler von einem mutmaßlichen Brandanschlag aus. An der betroffenen Anlage wurde ein möglicher Brandbeschleuniger gefunden, auch wenn es bislang keine konkreten Hinweise auf Täter oder ein Motiv gibt. Die Behörden sprechen vorsichtig von einer Brandlegung.
Die Ermittler betonten, dass sie ergebnisoffen in alle Richtungen vorgehen. Ausdrücklich werde auch geprüft, ob es sich um einen gezielten Brandanschlag oder gar um einen terroristischen Akt handelt. Hinweise auf eine politische Motivation gebe es bisher allerdings nicht, weshalb noch keine Festlegung möglich sei.
Sicherheitskreise schließen einen politisch motivierten Anschlag dennoch nicht aus, wie es ihn Anfang des Jahres in Berlin gegeben hatte. Dort mussten Zehntausende Menschen tagelang ohne Strom auskommen, nachdem mutmaßlich linksextreme Täter die Versorgung lahmgelegt hatten. Der Vorfall hatte damals erhebliche Auswirkungen auf die Stadt.
Der Fall in Reutlingen reiht sich in eine Serie von Angriffen auf die Stromversorgung ein. Ende Mai brannten in Bayern zwei Hochspannungsmasten, und auch dort gehen die Behörden wahrscheinlich von Sabotage aus. Die Häufung solcher Vorfälle bereitet den Sicherheitsbehörden zunehmend Sorge.
Der Sicherheitsexperte Mirko Ross, der Unternehmen wie Energieversorger berät, hält einen Schutz allein durch Zäune und Wachpersonal für nur bedingt möglich. Wichtiger sei es, in Reserven zu investieren, damit der Ausfall einer kritischen Komponente im Netz durch alternative Ressourcen aufgefangen werden könne.
In Reutlingen selbst hatten bis zum Abend viele Haushalte wieder Strom. Auf eine vollständige Wiederherstellung wollte sich der Energieversorger zunächst aber nicht festlegen. Die Ermittlungen zu den Hintergründen des Stromausfalls dauern an, und die Unsicherheit bei den Betroffenen bleibt vorerst bestehen.
Die Grünen-Politikerin Irene Mihalic verwies auf den Berliner Anschlag, der dem linksextremen Spektrum zugeschrieben wurde. Bis heute fehlten zentrale Ermittlungserkenntnisse über die mutmaßlich verantwortliche Vulkan-Gruppe. Es erstaune sie, wie wenig über Tatmuster und Zusammenhänge bekannt sei, obwohl solche Gruppen seit über 15 Jahren aktiv seien. Hier müsse sich dringend etwas ändern.
