Im nordfranzösischen Kernkraftwerk Gravelines sind am Montag drei Reaktoren heruntergefahren worden, nachdem ein Schwarm von Quallen die Pumpen der Kühlwasserversorgung verstopft hatte. Das teilte der Energiekonzern EDF mit. Der massenhafte Zustrom der Tiere legte die Ansaugsysteme lahm, mit denen die Anlage Wasser für die Kühlung ihrer Reaktoren entnimmt.
Nach Angaben von EDF wurde zusätzlich die Leistung eines vierten Reaktors um die Hälfte reduziert. Damit lief zeitweise nur noch ein einziger Block mit voller Leistung, während ein weiterer Reaktor bereits wegen planmäßiger Wartungsarbeiten stillstand. Von den Reaktoren des Kraftwerks war somit nur ein Bruchteil der üblichen Kapazität am Netz.
Das Kernkraftwerk Gravelines liegt in der Nähe der Hafenstadt Dünkirchen an der französischen Nordseeküste und ist mit sechs Reaktoren zu je 900 Megawatt die größte Atomanlage Westeuropas. Für die Kühlung wird Wasser aus einem Kanal entnommen, der mit der Nordsee verbunden ist. Genau dieser direkte Zugang zum Meer machte die Anlage für den Quallenschwarm angreifbar.
Es ist nicht das erste Mal, dass die Tiere den Betrieb in Gravelines stören. Bereits im vergangenen Jahr war das Kraftwerk vorübergehend vom Netz genommen worden, weil Quallen die Pumpstationen für das Meerwasser verstopft hatten. Der erneute Vorfall zeigt, dass es sich nicht um ein einmaliges Ereignis, sondern um ein wiederkehrendes Problem für den Standort handelt.
Der Zwischenfall reiht sich in eine Serie von Störungen bei der französischen Atomstromerzeugung in diesem Sommer ein. Nach Angaben von Euronews Deutsch kommt es in Frankreich derzeit aufgrund von Hitzewellen und anhaltender Dürre immer wieder zu Unterbrechungen bei der Produktion von Kernenergie, da die Kühlung der Reaktoren unter diesen Bedingungen erschwert wird.
Trotz der Abschaltungen betonte der Betreiber EDF, dass von der Situation keine Gefahr ausgehe. Nach Darstellung des Konzerns hatte der Vorfall keine Auswirkungen auf die Sicherheit der Anlagen, auf das Personal oder auf die Umwelt. Die betroffenen Reaktoren sollen wieder ans Netz gehen, sobald die Ansaugsysteme von den Quallen befreit und überprüft worden sind.
Für den europäischen Strommarkt ist der Ausfall dennoch von Bedeutung, da Gravelines als größtes Kernkraftwerk Westeuropas normalerweise erhebliche Mengen Strom ins Netz einspeist. Der wiederholte Zwischenfall verdeutlicht, wie empfindlich selbst große Energieinfrastrukturen auf natürliche Einflüsse wie einen plötzlichen Quallenschwarm reagieren können.










