Der Greifswalder Stellarator Wendelstein 7-X hat 2025 einen wichtigen Meilenstein erreicht und die Tokamaks bei langen Plasmazeiten übertroffen. Nach einer langen Wartung geht die Anlage 2026 wieder in Betrieb.
Seit Jahrzehnten träumen Forscher davon, die Energiequelle der Sonne auf die Erde zu holen. Die Kernfusion, bei der Atomkerne unter enormem Druck und gewaltiger Hitze verschmelzen, gilt als eine der größten Hoffnungen für eine saubere und nahezu unerschöpfliche Energieversorgung der Zukunft.
Mitten in Deutschland steht eine der spannendsten Anlagen dieser Forschung. In der Stadt Greifswald arbeitet der Stellarator Wendelstein 7-X daran, die komplizierten Bedingungen für eine solche Fusion beherrschbar zu machen, und sorgt dabei immer wieder für Schlagzeilen.
Ein Stern auf der Erde
Die Anlage wird vom Max-Planck-Institut für Plasmaphysik betrieben und wurde im Oktober 2015 fertiggestellt. Anders als bei einem Kraftwerk geht es hier nicht darum, Strom zu erzeugen, sondern die Technologie zu erforschen und die Bausteine für künftige Fusionskraftwerke sorgfältig zu erproben.
Bereits am 10. Dezember 2015 erzeugte Wendelstein 7-X sein erstes Plasma, womit die Forschung offiziell begann. Seither ist die Anlage zu einem Aushängeschild der deutschen Wissenschaft geworden und zieht Fachleute aus der ganzen Welt an, die an der Zukunft der Energie arbeiten.
Der Rekord von 2025

Für großes Aufsehen sorgte im Jahr 2025 ein besonderer Versuch. Getestet wurde ein neuartiges System, das eine kontinuierliche Nachfüllung des Brennstoffs mit einer pulsierenden Heizung kombiniert, um das Plasma über einen möglichst langen Zeitraum stabil aufrechterhalten zu können.
Über einen Zeitraum von 43 Sekunden wurden dabei 90 Wasserstoff-Pellets mit einer Geschwindigkeit von bis zu 800 Metern pro Sekunde in das Plasma geschossen. Auf diese Weise erhitzten die Forschenden das Gas auf eine Spitzentemperatur von rund 30 Millionen Grad Celsius.
Der entscheidende Wert war jedoch der Energieumsatz, der auf 1,8 Gigajoule über einen sechsminütigen Lauf anstieg. Damit übertraf die Anlage den früheren Wert von 1,3 Gigajoule aus dem Februar 2023 deutlich und ließ bei diesen langen Betriebszeiten sogar die konkurrierenden Tokamak-Reaktoren hinter sich.
Stellarator gegen Tokamak
Um die Bedeutung dieses Erfolgs zu verstehen, lohnt ein Blick auf die zwei großen Bauweisen der Fusionsforschung. Während der weit verbreitete Tokamak das Plasma mit einem vergleichsweise einfachen Magnetfeld einschließt, setzt der Stellarator auf ein deutlich komplexeres, verdrehtes Magnetfeld.
Dieser aufwendige Aufbau ist zwar schwieriger zu konstruieren, verspricht aber einen entscheidenden Vorteil für den Dauerbetrieb. Gerade für ein späteres Kraftwerk ist es unerlässlich, das heiße Plasma über sehr lange Zeiträume stabil zu halten, und genau hier zeigt der Stellarator seine Stärken.
Neustart nach der Wartung
Nach den beeindruckenden Ergebnissen wurde die Anlage für eine längere Umbauphase heruntergefahren, die sich über mehrere Monate erstreckte. Diese Zeit nutzten die Teams, um zentrale Komponenten wie die Heizsysteme, die Magnetspulen und rund fünfzig Systeme zur Beobachtung des Plasmas zu verbessern.
Nach Abschluss dieser Arbeiten soll im August 2026 eine neue Betriebsphase beginnen. Die Wissenschaftler erhoffen sich davon weitere wichtige Erkenntnisse auf dem Weg zu noch längeren und noch energiereicheren Plasmaentladungen in der Zukunft.
Der Weg zur Fusionsenergie
Trotz aller Rekorde bleibt Wendelstein 7-X in erster Linie ein Forschungsprojekt und noch weit von einem echten Kraftwerk entfernt. Der Weg bis zur kommerziellen Nutzung der Fusionsenergie ist lang und mit vielen technischen Hürden gepflastert, die erst noch überwunden werden müssen.
Dennoch machen Erfolge wie diese Mut und zeigen, dass die Vision einer sauberen Energie aus der Kraft der Sterne keineswegs reine Science-Fiction ist. Deutschland spielt bei dieser Forschung eine führende Rolle und trägt dazu bei, die Grundlagen für die Energie von morgen zu legen.
Verfolge Energie und das hilft.
Energie: klar und gut erklärt.

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