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BUSINESS · GERMANY

Wenn die Autobranche schwaechelt, rollt das Wohnmobil weiter

Marius Keller Marius Keller mariuskeller.avalw.com · 4.1k reads Respect0 Save Share Read only
READS8live count PUBLISHED13 Sept2026 READING TIME4 min813 words LANGUAGEGerman
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Waehrend die deutsche Autoindustrie in der Krise steckt, behauptet sich ein anderer Zweig des Fahrens erstaunlich stabil. Der Caravan Salon in Duesseldorf und die Zulassungszahlen zeigen, dass die Sehnsucht nach dem Reisen auf vier Raedern ungebrochen ist.

Waehrend Schlagzeilen ueber Stellenabbau, China-Druck und einen holprigen Umstieg auf das Elektroauto die deutsche Autoindustrie begleiten, gibt es einen Zweig des Fahrens, der sich erstaunlich gut haelt. Das Reisen mit Wohnmobil und Wohnwagen ist laengst kein Nischenhobby mehr, sondern ein bedeutender Wirtschaftszweig mit Millionen begeisterter Anhaenger. Wer wissen will, wie es dieser Branche wirklich geht, muss nach Duesseldorf schauen, wo sich jedes Jahr die ganze Welt des Caravanings versammelt.

Die Weltleitmesse in Duesseldorf

Der Caravan Salon in Duesseldorf gilt als die Weltleitmesse fuer mobiles Reisen und ist der wichtigste Treffpunkt der ganzen Branche. Vom 28. August bis zum 6. September 2026 kamen rund 259.000 Besucherinnen und Besucher in die Rheinmetropole, das drittbeste Ergebnis in der 65-jaehrigen Geschichte der Messe. Auf mehr als 250.000 Quadratmetern und in fuenfzehn Hallen zeigten die Hersteller ihre Neuheiten. Mit 834 Ausstellern aus 41 Laendern verbuchte die Veranstaltung sogar einen neuen Rekord.

Ein Markt, der sich behauptet

Die nackten Zahlen bestaetigen den Eindruck von der Messe. Nach Angaben des Branchenverbandes CIVD wurden im Jahr 2025 bundesweit 94.134 Freizeitfahrzeuge neu zugelassen. Das war zwar ein Rueckgang von rund zwei Prozent gegenueber dem sehr hohen Vorjahr, doch angesichts der allgemeinen wirtschaftlichen Lage ist das ein bemerkenswert stabiler Wert. Deutschland bleibt damit mit Abstand der groesste Caravaning-Markt in ganz Europa.

Private Kaeufer treiben den Markt

Hinter der Gesamtzahl verbirgt sich eine interessante Verschiebung. Waehrend die gewerblichen Zulassungen, zu denen vor allem die grossen Vermietflotten gehoeren, deutlich um fast zehn Prozent auf rund 25.000 Fahrzeuge zurueckgingen, legten die privaten Zulassungen kraeftig zu. Fast 50.000 Menschen entschieden sich dafuer, selbst ein Wohnmobil oder einen Wohnwagen zu kaufen, ein Plus von gut sieben Prozent. Die Deutschen investieren also weiter in ihren eigenen fahrbaren Urlaub.

Reisemobile gegen Wohnwagen

Innerhalb des Marktes zeigt sich ein klarer Favorit der Kundschaft. In den ersten sieben Monaten des Jahres 2026 wurden gut 50.000 Reisemobile neu zugelassen, also die motorisierten Fahrzeuge, die man selbst faehrt. Das war ein leichtes Minus von etwa drei Prozent gegenueber dem Vorjahreszeitraum. Die klassischen Wohnwagen, die hinter dem Auto hergezogen werden, kamen im gleichen Zeitraum auf gut 13.000 Stueck und gaben ebenfalls leicht nach. Das kompakte, selbstfahrende Reisemobil bleibt der Liebling der Deutschen.

Europas groesster Caravaning-Markt

Auch im europaeischen Vergleich spielt Deutschland eine herausragende Rolle. Auf dem gesamten Kontinent wurden zuletzt mehr als 215.000 Freizeitfahrzeuge neu zugelassen, und der groesste einzelne Anteil davon entfiel auf die Bundesrepublik. Deutschland ist damit nicht nur ein wichtiger Absatzmarkt, sondern auch ein bedeutender Produktionsstandort, an dem viele der bekanntesten Marken der Branche zu Hause sind. Diese Staerke verschafft der heimischen Industrie ein solides Fundament.

Wer sind die neuen Camper

Die Freiheit, ueberall halten und uebernachten zu koennen, lockt jedes Jahr mehr Menschen an, vom jungen Paar bis zum Ruhestaendler.
Die Freiheit, ueberall halten und uebernachten zu koennen, lockt jedes Jahr mehr Menschen an, vom jungen Paar bis zum Ruhestaendler.

Besonders aufschlussreich ist die Zusammensetzung des Publikums auf der Messe. Rund die Haelfte aller Besucherinnen und Besucher reiste mit einer konkreten Kaufabsicht nach Duesseldorf, war also bereit, eine groessere Investition zu taetigen. Fast ein Drittel der Gaeste zaehlte zu den Einsteigern, die zum ersten Mal ernsthaft mit dem Gedanken an ein eigenes Reisefahrzeug spielten. Diese Mischung aus treuen Stammkunden und Neulingen ist fuer die Zukunft der Branche ein gutes Zeichen.

Die Sehnsucht nach Freiheit

Der Reiz des Caravanings laesst sich mit Zahlen allein kaum erklaeren. Viele Menschen suchen die Freiheit, spontan aufzubrechen und dort zu halten, wo es ihnen gefaellt, unabhaengig von Hotels und festen Buchungen. Nach den Jahren der Reisebeschraenkungen hat diese Sehnsucht nach Unabhaengigkeit noch einmal deutlich zugenommen und sich als dauerhafter Trend erwiesen. Das eigene Fahrzeug wird so zum rollenden Zuhause, das Komfort und Abenteuer miteinander verbindet.

Von der Luxusklasse bis zum Kastenwagen

Das Angebot auf der Messe war so vielfaeltig wie die Kundschaft selbst. Zu sehen waren Freizeitfahrzeuge aller Klassen, von den grossen und luxurioesen Reisemobilen bis zu den kompakten Kastenwagen, die sich auch im Alltag gut fahren lassen. Hinzu kamen unzaehlige Vor- und Dachzelte, technisches Zubehoer und Ausbauteile fuer alle, die ihr Fahrzeug selbst gestalten wollen. Gerade die wendigen, ausgebauten Vans sprechen eine juengere Zielgruppe an, die Mobilitaet und Minimalismus schaetzt.

Der Gegentrend zur Autokrise

Der Kontrast zur uebrigen Fahrzeugbranche koennte kaum groesser sein. Waehrend viele Autobauer mit sinkenden Absaetzen und einem schwierigen Umbau ringen, erlebt das Caravaning eine bemerkenswerte Bestaendigkeit. Offenbar sind viele Menschen bereit, ihr Geld eher in Erlebnisse und Reisen zu stecken als in ein reines Statusauto. Fuer die Zulieferer und Hersteller, die auf beiden Feldern taetig sind, ist dieser Zweig deshalb ein willkommener Lichtblick in schwierigen Zeiten.

Vorsichtiger Optimismus fuer 2026

Die Branche selbst blickt mit vorsichtigem Optimismus in die Zukunft. Nach Einschaetzung des CIVD-Hauptgeschaeftsfuehrers Daniel Onggowinarso haben Hersteller, Haendler und Finanzdienstleister eng zusammengearbeitet und tragfaehige Strategien entwickelt, um die Nachfrage stabil zu halten. Die leichten Rueckgaenge bei den Zulassungen werden nicht als Einbruch gewertet, sondern als Normalisierung nach mehreren aussergewoehnlich starken Jahren. Der Grundtrend zeigt weiter nach oben.

Die Zukunft des Reisens

Am Ende erzaehlt der Caravan Salon eine Geschichte, die weit ueber eine einzelne Messe hinausgeht. Sie handelt davon, wie sich das Fahren wandelt, weg vom reinen Fortbewegungsmittel und hin zum Traeger von Freiheit und Erholung. Ob als kompakter Van fuer das Wochenende oder als vollausgestattetes Reisemobil fuer die grosse Tour, das Unterwegssein bleibt ein tief verwurzeltes Beduerfnis. Solange das so ist, wird das Wohnmobil weiterrollen, auch wenn die Autobranche gerade eine holprige Strecke vor sich hat.

2 responses
Julia Krüger4 days ago

Verfolge Wohnmobil und das hilft.

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Julia Hofmann4 days ago

Guter Punkt.

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Marius Keller 2026-09-13 · 4 min read · 8 reads
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