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CLIMATE · GERMANY

Nur jeder fünfte Baum ist gesund: Wie es um den deutschen Wald wirklich steht

Felix Baumann Felix Baumann felixbaumann.avalw.com · 4.4k reads Respect0 Save Share Read only
READS489live count PUBLISHED12 Sept2026 READING TIME3 min593 words LANGUAGEGerman
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Der Wald ist tief in der deutschen Seele verankert, doch er leidet. Ich schaue mir die jüngste Waldzustandserhebung an: warum nur jeder fünfte Baum gesund ist, welche Rolle Dürre und Borkenkäfer spielen und wie der Umbau zum Mischwald die Zukunft retten soll.

Der Wald gilt seit jeher als eine der großen Sehnsuchtslandschaften der Deutschen, tief verankert in unseren Märchen, unseren Liedern und in unserer ganzen Seele. Doch dieser vertraute grüne Rückzugsort ist heute stärker bedroht denn je, und die aktuellen Zahlen zu seinem Gesundheitszustand zeichnen ein durchaus beunruhigendes Bild.

Nur jeder fünfte Baum ist gesund

Geschwächte Kronen und lichter werdende Bestände: In weiten Teilen Deutschlands zeigt der Wald deutliche Spuren von Hitze und Trockenheit.
Geschwächte Kronen und lichter werdende Bestände: In weiten Teilen Deutschlands zeigt der Wald deutliche Spuren von Hitze und Trockenheit.

Das zentrale Ergebnis der jüngsten Waldzustandserhebung lässt kaum Raum für irgendwelche Beschönigungen. Nur noch etwa jeder fünfte Baum in Deutschland gilt inzwischen als wirklich vollständig gesund, während die überwiegende Mehrheit unserer Bäume deutliche Schäden an ihren Kronen und ihrer allgemeinen Vitalität aufweist.

Blickt man auf die einzelnen Baumarten, so offenbaren sich zum Teil noch weit dramatischere Unterschiede. Als gesund gelten nur rund ein Viertel aller Fichten, lediglich dreizehn Prozent der Kiefern, etwa einundzwanzig Prozent der Buchen und ebenfalls nur dreizehn Prozent der für uns alle so wichtigen Eichen.

Die Ursachen: Hitze, Dürre und Käfer

Die Gründe für diesen anhaltend schlechten Zustand sind eng mit dem fortschreitenden Klimawandel verwoben. Zunehmende Hitze, immer längere Trockenphasen und ein deutlich verstärkter Befall durch Schädlinge setzen den Bäumen enorm zu und schwächen ihre natürlichen Abwehrkräfte über die Jahre hinweg immer weiter.

Ein besonders gefürchteter Gegner ist dabei der winzige Borkenkäfer, der vor allem den Fichten schwer zu schaffen macht. Die extremen Dürre und Hitzejahre von 2018 bis 2020 lösten eine regelrechte Massenvermehrung dieses Käfers aus, dessen verheerende Folgen bis heute in vielen Wäldern deutlich sichtbar sind.

Ein langsamer Hoffnungsschimmer

Von diesen geradezu katastrophalen Dürrejahren hat sich der deutsche Wald bis heute nicht wirklich erholen können, und die Wunden sitzen sehr tief. Immerhin aber zeigt sich zuletzt eine vorsichtige Stabilisierung der Lage, denn die Zahl der neu abgestorbenen Bäume ist sowohl bei Laubbäumen als auch bei Nadelbäumen wieder etwas zurückgegangen.

Diese leichte Verbesserung darf jedoch keinesfalls über den weiterhin äußerst fragilen Gesamtzustand hinwegtäuschen. Der Wald bleibt insgesamt stark angeschlagen und sehr anfällig, und ein einziger weiterer heißer und trockener Sommer könnte die kleinen Fortschritte der vergangenen Zeit schon wieder zunichtemachen.

Die Kiefer als großes Sorgenkind

Besonders alarmierend entwickelt sich derzeit die Situation bei der Kiefer, die lange Zeit als vergleichsweise robust und widerstandsfähig galt. Der Anteil der Bäume mit deutlicher Kronenverlichtung stieg bei ihr zuletzt um sieben Prozentpunkte auf einunddreißig Prozent an und erreichte damit den höchsten Wert seit dem fernen Jahr 1991.

Der Umbau zum Wald der Zukunft

Angesichts all dieser Herausforderungen setzen Fachleute und Politik große Hoffnungen in den sogenannten Waldumbau. Dahinter verbirgt sich der langfristige und durchaus mühsame Versuch, die anfälligen Monokulturen der Vergangenheit nach und nach in vielfältige, stabile und deutlich widerstandsfähigere Mischwälder zu verwandeln.

Der Grundgedanke dahinter ist dabei so einfach wie überzeugend und klug zugleich. Ein bunter Mischwald aus vielen verschiedenen Baumarten ist gegenüber Dürre, Stürmen und Schädlingen erheblich robuster als eine gleichförmige Fläche, denn wo eine einzelne Art versagt, kann eine andere die entstandene Lücke widerstandsfähig ausfüllen.

Mehr als nur Bäume

Wie wichtig ein wirklich gesunder Wald für uns alle ist, wird oft erst auf den zweiten Blick so richtig deutlich. Er speichert klimaschädliches Kohlendioxid, filtert und speichert unser kostbares Trinkwasser, bietet unzähligen Tieren und Pflanzen ein Zuhause und schenkt uns Menschen zugleich einen unersetzlichen Ort der Ruhe und Erholung.

Der Wald ist eben weit mehr als nur eine bloße Ansammlung von Bäumen und Nutzholz für die Wirtschaft. Er ist ein hochkomplexes Ökosystem und zugleich ein tief verwurzelter Teil unserer Kultur und Identität, dessen langsames Leiden uns daher alle in ganz besonderer Weise berühren und wachrütteln sollte.

Der Zustand unserer Wälder ist somit weit mehr als bloß eine trockene forstwissenschaftliche Statistik in einem Bericht. Er ist vielmehr ein deutliches Fieberthermometer für den Gesundheitszustand unseres gesamten Planeten, und ob es uns gelingt, ihn zu heilen, wird viel darüber aussagen, wie ernst wir es mit dem Schutz unserer Natur wirklich meinen.

1 responses
Marie Müller5 days ago

Wirklich nützlicher Beitrag über Waldzustand.

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Felix Baumann 2026-09-12 · 3 min read · 489 reads
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