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Schweizer Gletscher verlieren ihr Eis so früh wie kaum je zuvor

Leon Schmidt Leon Schmidt leonschmidt.avalw.com · 147 reads Respect0 Save Share Read only
READS5live count PUBLISHED17 Sept2026 READING TIME3 min550 words LANGUAGEGerman
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Der Gletscherverlusttag fiel 2026 auf den zweitfrühesten Zeitpunkt seit Messbeginn. Laut GLAMOS schmelzen die Alpengletscher in dramatischem Tempo, verstärkt durch wenig Schnee und einen Rückkopplungseffekt.

Die Schweizer Gletscher haben ihr im Winter angesammeltes Eis und ihren Schnee im Jahr 2026 aussergewöhnlich früh verloren. Laut dem Schweizer Gletschermessnetz GLAMOS fiel der sogenannte Gletscherverlusttag auf einen der frühesten Zeitpunkte seit Beginn der Messungen. Für die Fachleute ist das ein alarmierendes Zeichen für das Tempo, mit dem die Alpengletscher schmelzen.

Der Gletscherverlusttag kam so früh wie selten

Der Gletscherverlusttag markiert den Moment, an dem der gesamte Schnee des vergangenen Winters weggeschmolzen ist und die Gletscher beginnen, an ihre eigene Substanz zu gehen. Im Jahr 2026 wurde dieser Punkt bereits Ende Juni erreicht, der zweitfrüheste Zeitpunkt seit dem Jahr 2000. Nur 2022 kam er mit dem 26. Juni noch einen Tick früher.

Normalerweise tritt dieser Kipppunkt erst Mitte August ein. Matthias Huss, Leiter des Messnetzes, sprach von enormen Schmelzraten in den gesamten Alpen. Man sei rund drei Monate zu früh dran im Vergleich zu einem gesunden Zustand der Gletscher, betonte er und unterstrich damit das Ausmass der diesjährigen Entwicklung.

Wenig Schnee und ein gefährlicher Rückkopplungseffekt

Die Alpengletscher verlieren ihre schützende Schneedecke immer früher im Jahr.
Die Alpengletscher verlieren ihre schützende Schneedecke immer früher im Jahr.

Ein wichtiger Grund für die frühe Schmelze ist der geringe Schneefall des vergangenen Winters. Auf den Gletscheroberflächen lag 2026 rund 25 Prozent weniger Schnee als im Durchschnitt der Jahre 2010 bis 2020. Diese dünne Schneedecke schmolz entsprechend schnell weg und legte das darunterliegende Eis früh im Jahr frei.

Damit setzt ein gefährlicher Rückkopplungseffekt ein. Solange die weisse Schneedecke vorhanden ist, reflektiert sie einen Grossteil der Sonnenstrahlung. Ist sie weg, absorbiert die dunklere, blanke Eisoberfläche die Strahlung deutlich stärker. Das beschleunigt die Schmelze weiter und verschärft die Lage von Tag zu Tag.

2026 erinnert an das Extremjahr 2022

Für die Gletscherforscher weckt das laufende Jahr ungute Erinnerungen. Huss bezeichnete 2026 als überraschend ähnlich wie 2022, jenes Jahr, das er als das bei weitem extremste je in den Alpen gemessene Gletscherjahr beschrieb. Damals waren die Schmelzraten höher als alles, was zuvor beobachtet worden war.

Wie drastisch die Schmelze verläuft, zeigt ein Beispiel vom Rhonegletscher. Dort beobachtete Huss innerhalb von nur zehn Tagen einen Eisverlust von rund einem Meter. Solche Werte verdeutlichen, wie stark die Hitze und die fehlende Schneedecke den Gletschern in kurzer Zeit zusetzen können.

Langfristiger Rückgang der Gletscher

Der aktuelle Sommer ist Teil eines langfristigen Trends. Zwischen 2000 und 2024 schrumpfte das Volumen der Schweizer Gletscher laut den Messungen um rund 38 Prozent. Der Verlust hat sich in den vergangenen Jahren beschleunigt und betrifft inzwischen selbst hoch gelegene Gletscher, die früher als vergleichsweise stabil galten.

Über einen längeren Zeitraum betrachtet sind die Zahlen noch eindrücklicher. In den vergangenen fünfzig Jahren verschwanden in der Schweiz rund 1200 Gletscher, während heute noch etwa 1300 übrig sind. Damit ist bereits ein erheblicher Teil der einst zahlreichen Eismassen unwiederbringlich verloren gegangen.

Folgen für Wasser, Natur und Wirtschaft

Der Rückgang der Gletscher hat weitreichende Folgen. Die Gletscher wirken als natürliche Wasserspeicher, die vor allem in trockenen Sommern Flüsse und Stauseen speisen. Schmelzen sie weg, verändert sich der Wasserhaushalt, was Auswirkungen auf Landwirtschaft, Energiegewinnung und Ökosysteme haben kann.

Was die Entwicklung bedeutet

Für die Schweiz sind die Gletscher nicht nur ein Wahrzeichen der Alpenlandschaft, sondern auch ein empfindlicher Gradmesser des Klimawandels. Die aussergewöhnlich frühe Schmelze von 2026 zeigt, wie schnell sich die Bedingungen im Hochgebirge verändern und wie stark warme, schneearme Jahre die Eismassen belasten.

Ob sich der Trend abschwächen lässt, hängt massgeblich von der Entwicklung des Klimas und von künftigen Wintern mit ausreichend Schnee ab. Klar ist aber schon jetzt, dass die Alpengletscher in ihrer heutigen Form zunehmend unter Druck stehen und dass Jahre wie 2026 zur neuen Realität zu werden drohen.

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