Der heisse Sommer 2026 hat die Schweizer Gletscher stark schrumpfen lassen. Am Griesgletscher schmolzen sechs Meter Eis, und rund 9,4 Milliarden Liter Schmelzwasser flossen ins Tal.
Der heisse Sommer 2026 hat den Schweizer Gletschern erneut stark zugesetzt. Am Griesgletscher im Wallis sind innerhalb weniger Monate rund sechs Meter Eis geschmolzen. Der Glaziologe Matthias Huss spricht von einem der schlimmsten Sommer, den die Schweizer Gletscher in den letzten Jahren erlebt haben.
Die Zahlen zeigen deutlich, wie sehr die anhaltende Wärme den Eisreserven in den Alpen zu schaffen macht. Was sich über Jahrzehnte und Jahrhunderte langsam aufgebaut hat, verschwindet inzwischen in einem Tempo, das viele Fachleute mit grosser Sorge beobachten und sorgfältig dokumentieren.
Sechs Meter Eis in weniger als einem Jahr
Besonders eindrücklich ist die Entwicklung am Griesgletscher. Zwischen dem Herbst 2025 und Mitte August 2026 verlor der Gletscher an der Messstelle rund sechs Meter an Dicke. Sechs Meter, so viel Eis sei hier in weniger als einem Jahr geschmolzen, sagt Huss angesichts der Messungen.
Umgerechnet in Wasser sind das gewaltige Mengen. Allein von diesem einen Gletscher flossen in diesem Zeitraum rund 9,4 Milliarden Liter Schmelzwasser ins Tal. Diese Zahl macht greifbar, welche Wassermassen bei der Gletscherschmelze in einem einzigen Sommer tatsächlich in Bewegung geraten.
Ein Gletscher auf dem Sterbebett

Für den Griesgletscher fällt das Urteil des Experten drastisch aus. Er liege auf dem Sterbebett, beschreibt Huss den Zustand des Eises. Damit bringt er zum Ausdruck, dass der Gletscher in seiner heutigen Form kaum noch eine Zukunft hat und weiter an Substanz verliert.
Der Griesgletscher ist dabei kein Einzelfall. Nach Einschätzung von Huss dürften bis zum Ende des Sommers dreissig Gletscher oder sogar mehr sang- und klanglos verschwinden. Vor allem kleinere Eisfelder haben der anhaltenden Hitze immer weniger entgegenzusetzen und lösen sich auf.
Der Schnee verschwand zu früh
Eine wichtige Rolle spielte in diesem Jahr der Schnee, oder besser gesagt sein frühes Verschwinden. Die schützende Schneedecke schmolz mehr als einen Monat früher weg als im langjährigen Durchschnitt, wodurch die Gletscher deutlich länger ungeschützt der Sonne ausgesetzt waren.
Über rund zwei Drittel des Sommers lagen die Gletscher damit gewissermassen nackt da. Ohne die helle Schneedecke, die einen Teil der Sonnenstrahlung zurückwirft, nimmt das dunklere Eis mehr Wärme auf und schmilzt entsprechend schneller als in einem gewöhnlichen Jahr.
Vergleich mit dem Rekordsommer 2022
Um die aktuelle Entwicklung einzuordnen, lohnt der Blick zurück auf den bisherigen Rekordsommer 2022. Damals gingen rund sechs Prozent des Eisvolumens verloren, ein Wert, der lange als aussergewöhnlich galt. Auch das Jahr 2026 reiht sich nun unter die schlimmsten Jahre ein.
Wer die Gletscher überwacht
Die Messungen stammen vom Schweizer Gletschermessnetz Glamos, das die Entwicklung der Gletscher landesweit systematisch verfolgt. Geleitet wird das Netzwerk von Matthias Huss, einem Glaziologen der ETH, der die Veränderungen seit vielen Jahren dokumentiert und wissenschaftlich einordnet.
Folgen für Wasser und Natur
Die Gletscher sind weit mehr als nur ein Wahrzeichen der Alpen. Sie wirken wie natürliche Wasserspeicher, die vor allem in trockenen Zeiten das Wasser nach und nach abgeben. Schwinden sie, verändert sich auch der Wasserhaushalt in den betroffenen Regionen langfristig und deutlich.
Huss weist darauf hin, dass in einem heissen und trockenen Sommer irgendwann auch kein Wasser mehr vom Berg fliesst, wenn das Eis fehlt. Damit könnten sich die Folgen der Gletscherschmelze längerfristig auch auf die Wasserversorgung und auf die Flüsse im Flachland auswirken.
Ausblick
Die Beobachtungen dieses Sommers fügen sich in einen längerfristigen Trend ein. Seit Jahren nimmt die Schmelze der Schweizer Gletscher an Tempo zu, was von Fachleuten eng mit der fortschreitenden Erwärmung des Klimas in Verbindung gebracht wird und weiter anhält.
Damit sind die Gletscher zu einem der sichtbarsten Zeichen des Klimawandels in der Schweiz geworden. Das Jahr 2026 dürfte als weiterer deutlicher Alarmruf in Erinnerung bleiben, der zeigt, wie rasch sich die vertraute Landschaft der Alpen bereits verändert.
Glamos: besser erklärt als anderswo.
Schöner tiefer Blick auf Glamos.
Verfolge Glamos und das hilft.
Sehr richtig.
Sehe ich auch so.

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