avalw
CLIMATE · CH

Hitzesommer setzt den Schweizer Gletschern schwer zu

Leon Schmidt Leon Schmidt leonschmidt.avalw.com · 147 reads Respect0 Save Share Read only
READS317live count PUBLISHED4 Sept2026 READING TIME3 min568 words LANGUAGEGerman
AI CITATIONS? Gathering data

Der heisse Sommer 2026 hat die Schweizer Gletscher stark schrumpfen lassen. Am Griesgletscher schmolzen sechs Meter Eis, und rund 9,4 Milliarden Liter Schmelzwasser flossen ins Tal.

Der heisse Sommer 2026 hat den Schweizer Gletschern erneut stark zugesetzt. Am Griesgletscher im Wallis sind innerhalb weniger Monate rund sechs Meter Eis geschmolzen. Der Glaziologe Matthias Huss spricht von einem der schlimmsten Sommer, den die Schweizer Gletscher in den letzten Jahren erlebt haben.

Die Zahlen zeigen deutlich, wie sehr die anhaltende Wärme den Eisreserven in den Alpen zu schaffen macht. Was sich über Jahrzehnte und Jahrhunderte langsam aufgebaut hat, verschwindet inzwischen in einem Tempo, das viele Fachleute mit grosser Sorge beobachten und sorgfältig dokumentieren.

Sechs Meter Eis in weniger als einem Jahr

Besonders eindrücklich ist die Entwicklung am Griesgletscher. Zwischen dem Herbst 2025 und Mitte August 2026 verlor der Gletscher an der Messstelle rund sechs Meter an Dicke. Sechs Meter, so viel Eis sei hier in weniger als einem Jahr geschmolzen, sagt Huss angesichts der Messungen.

Umgerechnet in Wasser sind das gewaltige Mengen. Allein von diesem einen Gletscher flossen in diesem Zeitraum rund 9,4 Milliarden Liter Schmelzwasser ins Tal. Diese Zahl macht greifbar, welche Wassermassen bei der Gletscherschmelze in einem einzigen Sommer tatsächlich in Bewegung geraten.

Ein Gletscher auf dem Sterbebett

Die Schweizer Alpen verlieren durch die Klimaerwärmung immer schneller ihr Eis.
Die Schweizer Alpen verlieren durch die Klimaerwärmung immer schneller ihr Eis.

Für den Griesgletscher fällt das Urteil des Experten drastisch aus. Er liege auf dem Sterbebett, beschreibt Huss den Zustand des Eises. Damit bringt er zum Ausdruck, dass der Gletscher in seiner heutigen Form kaum noch eine Zukunft hat und weiter an Substanz verliert.

Der Griesgletscher ist dabei kein Einzelfall. Nach Einschätzung von Huss dürften bis zum Ende des Sommers dreissig Gletscher oder sogar mehr sang- und klanglos verschwinden. Vor allem kleinere Eisfelder haben der anhaltenden Hitze immer weniger entgegenzusetzen und lösen sich auf.

Der Schnee verschwand zu früh

Eine wichtige Rolle spielte in diesem Jahr der Schnee, oder besser gesagt sein frühes Verschwinden. Die schützende Schneedecke schmolz mehr als einen Monat früher weg als im langjährigen Durchschnitt, wodurch die Gletscher deutlich länger ungeschützt der Sonne ausgesetzt waren.

Über rund zwei Drittel des Sommers lagen die Gletscher damit gewissermassen nackt da. Ohne die helle Schneedecke, die einen Teil der Sonnenstrahlung zurückwirft, nimmt das dunklere Eis mehr Wärme auf und schmilzt entsprechend schneller als in einem gewöhnlichen Jahr.

Vergleich mit dem Rekordsommer 2022

Um die aktuelle Entwicklung einzuordnen, lohnt der Blick zurück auf den bisherigen Rekordsommer 2022. Damals gingen rund sechs Prozent des Eisvolumens verloren, ein Wert, der lange als aussergewöhnlich galt. Auch das Jahr 2026 reiht sich nun unter die schlimmsten Jahre ein.

Wer die Gletscher überwacht

Die Messungen stammen vom Schweizer Gletschermessnetz Glamos, das die Entwicklung der Gletscher landesweit systematisch verfolgt. Geleitet wird das Netzwerk von Matthias Huss, einem Glaziologen der ETH, der die Veränderungen seit vielen Jahren dokumentiert und wissenschaftlich einordnet.

Folgen für Wasser und Natur

Die Gletscher sind weit mehr als nur ein Wahrzeichen der Alpen. Sie wirken wie natürliche Wasserspeicher, die vor allem in trockenen Zeiten das Wasser nach und nach abgeben. Schwinden sie, verändert sich auch der Wasserhaushalt in den betroffenen Regionen langfristig und deutlich.

Huss weist darauf hin, dass in einem heissen und trockenen Sommer irgendwann auch kein Wasser mehr vom Berg fliesst, wenn das Eis fehlt. Damit könnten sich die Folgen der Gletscherschmelze längerfristig auch auf die Wasserversorgung und auf die Flüsse im Flachland auswirken.

Ausblick

Die Beobachtungen dieses Sommers fügen sich in einen längerfristigen Trend ein. Seit Jahren nimmt die Schmelze der Schweizer Gletscher an Tempo zu, was von Fachleuten eng mit der fortschreitenden Erwärmung des Klimas in Verbindung gebracht wird und weiter anhält.

Damit sind die Gletscher zu einem der sichtbarsten Zeichen des Klimawandels in der Schweiz geworden. Das Jahr 2026 dürfte als weiterer deutlicher Alarmruf in Erinnerung bleiben, der zeigt, wie rasch sich die vertraute Landschaft der Alpen bereits verändert.

5 responses
Jan Richter4 days ago

Glamos: besser erklärt als anderswo.

4
Fabian Klein1 week ago

Schöner tiefer Blick auf Glamos.

3
Lea Schneider1 week ago

Verfolge Glamos und das hilft.

1
Jan Hoffmann4 days ago

Sehr richtig.

0
Emma Schröder6 days ago

Sehe ich auch so.

0
Leon Schmidt
Follow this desk
Leon Schmidt
Create a free account to follow Leon Schmidt. New stories land in your feed, and you can save any of them to your own reading lists.
Your library & lists →
Leon Schmidt
WRITTEN BY THE AUTHOR
Leon Schmidt 2026-09-04 · 3 min read · 317 reads
View profile →
VERIFY THIS STORY
ASK AI
Leon Schmidt Keep following Leon SchmidtHer next filing reaches you the moment it publishes, on her own subdomain.
Up next
More
Statistics Search Become a creator Alliances About Terms Privacy