Amazon verhandelt über die Übernahme des KI-Startups Decart für rund 7 Milliarden US-Dollar. Der Deal würde die Trainingskosten von KI-Modellen senken und Anthropic einen herben Schlag versetzen.
Das Wall Street Journal meldet etwas, das den gesamten KI-Markt auf den Kopf stellen könnte: Amazon führt Gespräche über eine Übernahme von Decart. Der Preis liegt bei rund 7 Milliarden US-Dollar. Das ist ein Vielfaches der Bewertung, die das Startup im Mai 2026 in einer Finanzierungsrunde von über 300 Millionen Dollar erhalten hat. Damals lag die Bewertung bei knapp 4 Milliarden Dollar. Jetzt zahlt der Riese aus Seattle fast das Doppelte, um an Decarts Technologie zu kommen.
Die Entscheidung fällt nicht im luftleeren Raum. Anthropic hatte bereits im vergangenen Monat eine Übernahme für 6 Milliarden Dollar nach einer Buchprüfung abgesagt. Das zeigt, wie heiß der Markt um effiziente KI-Infrastruktur ist. Decart entwickelt Software, die Chips effizienter auslastet und damit das Training von KI-Modellen günstiger macht. In einer Zeit, in der Stromkosten und Chip-Knappheit die grössten Engpässe sind, ist das eine Goldmine.
Die Mathematik hinter dem Deal
Warum zahlt Amazon so viel? Die Antwort liegt in den Betriebskosten. Jedes grosse KI-Unternehmen kämpft mit den Kosten für GPUs und Strom. Decarts Lösung nutzt die vorhandene Hardware besser aus. Das ist kein neues Modell, sondern eine Optimierung der bestehenden Infrastruktur. Für Amazon, das mit AWS einen der grössten Cloud-Anbieter der Welt betreibt, ist das ein direkter Hebel. Es senkt die Kosten für alle Kunden, die auf AWS setzen.
Die Summe von 7 Milliarden Dollar ist hoch, aber im Kontext der Einsparungen vertretbar. Wenn Decarts Software die Effizienz der GPUs auch nur um 10 Prozent steigert, zahlt sich die Investition schnell zurück. Für ein Unternehmen mit Amazons Grösse ist das ein strategischer Schachzug. Es sichert die Wettbewerbsfähigkeit von AWS gegenüber Microsoft Azure und Google Cloud.

Die Gründer und ihre Vision
Decart wurde 2023 von drei israelischen Ingenieuren gegründet: den Brüdern Dean und Orian Leitersdorf sowie Moshe Shalev. Sie kamen aus der Halbleiterbranche und wussten genau, wo die Engpässe liegen. Ihre Kernidee war, die Kommunikation zwischen den Chips zu optimieren. In modernen KI-Clustern ist die Datenübertragung oft langsamer als die Berechnung. Decart beseitigt diese Flaschenhälse.
Das Team hat sich einen Namen gemacht, ohne ein eigenes Chip-Design zu besitzen. Sie arbeiten auf der Software-Ebene und sind damit unabhängig von der Hardware-Generation. Das macht sie attraktiv für jeden, der grosse Rechenzentren betreibt. Die drei Gründer haben bewiesen, dass Software die Hardware überholen kann. Ein klassischer Fall von Disruption durch Intelligenz statt Silizium.

Weltmodelle als Beifang
Neben der Infrastruktur-Software entwickelt Decart auch Weltmodelle mit den Namen Lucy und Oasis. Diese können reale 3D-Umgebungen generieren und simulieren. Das klingt nach Science-Fiction, ist aber eine konkrete Anwendung. Solche Modelle sind nützlich für Robotik, autonome Fahrzeuge und die Entwicklung von virtuellen Welten. Sie zeigen, dass Decart mehr ist als nur ein Optimierungstool.
Die Weltmodelle sind ein zusätzlicher Wert, der im Kaufpreis steckt. Amazon könnte diese Technologie für seine eigenen Anwendungen nutzen, etwa für die Simulation von Logistikprozessen oder für die Entwicklung neuer Dienste. Es ist ein Paket, das sowohl die harte Infrastruktur als auch die weiche, generative KI abdeckt. Das macht den Deal für Amazon besonders attraktiv.

Der Schatten von Anthropic
Dass Anthropic den Kauf für 6 Milliarden Dollar abgesagt hat, ist ein bemerkenswertes Detail. Es zeigt, wie vorsichtig die grossen Labore bei M&A-Deals geworden sind. Vielleicht hat die Buchprüfung Schwächen aufgedeckt, die Amazon nicht gesehen hat oder die Amazon zu ignorieren bereit ist. Vielleicht war der Preis für Anthropic schlicht zu hoch, weil es die Cash-Flows anders nutzen will.
Für die Investoren, darunter Nvidia, ist der Amazon-Deal ein Traum. Sie haben im Mai 2026 auf eine Bewertung von 4 Milliarden Dollar gesetzt. Jetzt steht ein Exit für 7 Milliarden Dollar im Raum. Das ist eine Rendite, die in dieser kurzen Zeitspanne kaum vorstellbar war. Der Deal bestätigt, dass die KI-Infrastruktur der heisseste Sektor des Jahres 2026 ist.
Was kommt jetzt?
Wenn die Verhandlungen erfolgreich sind, wird Amazon Decarts Technologie in AWS integrieren. Das könnte die Preise für KI-Dienste senken und die Hürde für Startups, die grosse Modelle trainieren wollen, drastisch absenken. Es wäre ein Sieg für die Effizienz und ein Zeichen, dass der Markt reift. Die Ära der blinden Skalierung weicht der klugen Optimierung.
Bis dahin bleibt der Deal ein Gerücht, ein starkes aber. Amazon hat noch nicht bestätigt, dass es verhandelt. Die Geschichte zeigt aber, wo die Reise hingeht: hin zu effizienterer Nutzung der vorhandenen Ressourcen. In einem Markt, der von der Knappheit geprägt ist, gewinnt nicht der Grösste, sondern der Klügste. Und gerade jetzt zeigt Decart, wie klug Software sein kann.
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