Wie aus einer einzelnen Lieferplattform eine europäische Gründermaschine mit 7,5 Milliarden Euro Wert wurde.
Berlin, 6. Oktober 2026. Die Zahlen klingen nach einer Fantasiewelt, sind aber real: 150 Startups, 7,5 Milliarden Euro Unternehmenswert und 11'000 Jobs in ganz Europa. Das ist das Ergebnis einer neuen Analyse von Dealroom.co, die heute veröffentlicht wurde. Sie zeigt, dass aus den Reihen von Delivery Hero und seinen europäischen Marken eine der stärksten Gründerfabriken des Kontinents entstanden ist. Es ist keine Aneinanderreihung von Namen, sondern ein struktureller Effekt, der sich über Jahre aufgebaut hat.
Die Analyse deckt auf, dass ehemalige Mitarbeiter nicht nur neue Firmen gründen, sondern auch als Investoren in das Ökosystem zurückkehren. Über 30 Alumni haben sich in mehr als 35 Investmentfirmen engagiert, die seit 2020 insgesamt 7,3 Milliarden Euro an neuen Fonds eingesammelt haben. Dieser Kreislauf aus Talent und Kapital ist der eigentliche Treiber hinter der aktuellen Wertentwicklung. Berlin steht dabei im Zentrum: 4,9 Milliarden Euro des Gesamtwerts entfallen auf dort ansässige Unternehmen.
Die Berliner Dominanz
Wenn man die Landkarte der europäischen Startup-Ökonomie betrachtet, leuchtet Berlin am hellsten. Fast zwei Drittel des gesamten Alumni-Werts, nämlich 4,9 von 7,5 Milliarden Euro, sind hier zu Hause. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer dichten Netzwerkbildung, die sich über Jahre etabliert hat. Die Stadt hat es geschafft, aus einer Lieferplattform einen ganzen Wirtschaftszweig zu machen, der weit über die Gastro-Branche hinausgeht. Die Konzentration der Werte in einer einzigen Metropole ist ein starkes Signal für Investoren und Talente gleichermaßen.
Zu den 11'000 geschaffenen Arbeitsplätzen in Europa gehören rund 3'700 Stellen allein in Deutschland. Das zeigt, dass der wirtschaftliche Impact nicht nur in den Bilanzen sichtbar ist, sondern auch in der realen Beschäftigung. Die Gründer aus dem Delivery Hero-Orbit haben es verstanden, globale Skalierung mit lokaler Verankerung zu verbinden. Sie nutzen die Infrastruktur, die sie bei ihrem ehemaligen Arbeitgeber gelernt haben, um jetzt in völlig neuen Märkten zu operieren. Die Loyalität zum Standort übersteigt die Marke, die sie einst bedient haben.

Foodora und Glovo als Inkubatoren
Die Analyse unterscheidet zwischen den einzelnen europäischen Marken, die unter dem Dach von Delivery Hero operieren. Foodora hat dabei eine bemerkenswerte Bilanz abliefern: 49 Startups mit einem kombinierten Wert von 2,3 Milliarden Euro. Das ist ein beeindruckendes Ergebnis für ein Unternehmen, das ursprünglich auf den skandinavischen und europäischen Markt fokussiert war. Die Gründer aus den Reihen von Foodora haben gezeigt, dass sie die operative Exzellenz in andere Branchen übertragen können. Sie bringen mit, was sie gelernt haben: Skalierbarkeit, datengetriebene Entscheidungen und resiliente Lieferketten.
Etwas kleiner, aber immerhin beachtlich, ist die Bilanz von Glovo. 35 Startups mit einem Wert von 461 Millionen Euro sind aus den Reihen der ehemaligen Mitarbeiter hervorgegangen. Auch wenn die Summe niedriger ist als bei Foodora, zeigt sie die Breite des Netzwerks. Es ist nicht nur eine einzige Erfolgsgeschichte, sondern ein Muster, das sich über verschiedene Märkte und Kulturen hinweg wiederholt. Die Gründer nutzen die Plattform nicht als Ende, sondern als Sprungbrett. Sie nehmen die Erfahrung mit und bauen darauf ihre eigenen Imperien auf, oft in völlig neuen Sektoren.
Die Tatsache, dass beide Marken so viele Nachfolger hervorbringen, spricht für eine Unternehmenskultur, die Unternehmertum fördert. Wer bei Delivery Hero arbeitet, lernt nicht nur, wie man Lieferungen optimiert, sondern wie man ein Unternehmen aufbaut. Diese Skills sind portabel und gefragt. Die Gründer nutzen diese Kompetenz, um Lücken in anderen Märkten zu füllen, die sie bei ihrem ersten Arbeitgeber gesehen haben. Es ist eine Form der indirekten Innovation, die oft unterschätzt wird, aber einen enormen Wert schafft.

Die zweite Gründergeneration
Besonders faszinierend ist der Effekt, den man als zweite Generation bezeichnen könnte. Die 150 Startups, die von Direct Alumni gegründet wurden, haben ihrerseits rund 80 weitere Startups hervorgebracht. Das ist eine Multiplikatorwirkung, die in der Startup-Welt selten ist. Es zeigt, dass das Ökosystem nicht statisch ist, sondern organisch wächst. Die Gründer der ersten Welle investieren in die der zweiten Welle, beraten sie und teilen ihr Wissen. Es entsteht ein selbsttragendes System, das über die ursprüngliche Marke hinauswächst.
Diese Dynamik erklärt, warum der Gesamtwert so hoch ist. Es ist nicht nur die Summe der Einzelunternehmen, sondern das Ergebnis einer Vernetzung, die Kapital, Wissen und Talente bündelt. Die 35 Investmentfirmen, die von Alumni gegründet oder mitbegründet wurden, haben an über 2'300 Finanzierungsrunden teilgenommen. Das Volumen dieser Deals übersteigt 79 Milliarden Euro. Das ist kein Nischenphänomen, sondern ein relevanter Player im europäischen Venture Capital. Die Grenze zwischen operativem Gründer und Investor verschwimmt zunehmend.

Investoren als Gründer
Die Rolle der Alumni als Investoren ist der unterschätzte Hebel hinter den Zahlen. Mehr als 30 ehemalige Mitarbeiter sind heute Partner in über 35 Fonds. Diese Fonds haben seit 2020 7,3 Milliarden Euro an frischem Kapital eingesammelt. Sie investieren nicht blind, sondern nutzen ihr Netzwerk, um die besten Talente zu finden und zu fördern. Das ist ein geschlossener Kreislauf, in dem das Kapital dort ankommt, wo die Erfahrung am größten ist. Die Investoren wissen, worauf es ankommt, weil sie es selbst erlebt haben.
Die Teilnahme an über 2'300 Finanzierungsrunden zeigt die Reichweite dieses Netzwerks. Es ist nicht auf eine Branche oder ein Land beschränkt, sondern spannt einen Bogen über ganz Europa. Diese Breite ist der Schlüssel zum Erfolg. Während andere Investoren auf einzelne Märkte spezialisiert sind, können die Delivery Hero Alumni auf ein globales Wissen zurückgreifen. Sie verstehen die Herausforderungen der Skalierung, weil sie sie selbst gemeistert haben. Das macht sie zu attraktiven Partnern für Gründer, die international expandieren wollen.
Ein Modell für die Zukunft
Was wir hier sehen, ist kein Zufall, sondern ein bewusster Aufbau. Delivery Hero hat mit seinen europäischen Marken eine Plattform geschaffen, die nicht nur Lieferungen managt, sondern auch Menschen entwickelt. Die Analyse von Dealroom.co ist ein Beleg dafür, wie erfolgreich diese Strategie ist. 7,5 Milliarden Euro Wert und 11'000 Jobs sind keine kleinen Zahlen. Sie zeigen, dass ein einzelnes Unternehmen ein ganzes Ökosystem befruchten kann. Das Modell ist übertragbar und dient als Vorbild für andere Industrien, die nach ähnlichen Netzwerken suchen.
Die Zukunft wird zeigen, ob diese Dynamik anhält. Aber die Basis ist gelegt. Die Gründer der ersten Generation sind etabliert, die der zweiten Generation entsteht. Die Investoren sind aktiv und das Kapital fließt. Es ist ein lebendiges System, das sich selbst stärkt. Für Europa ist das eine gute Nachricht. Es zeigt, dass die Startup-Bühne nicht nur von den Tech-Giganten in den USA dominiert wird, sondern dass auch hier ein eigenes, starkes Ökosystem existiert. Die Zahlen von heute sind der Beweis dafür.
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