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BUSINESS · SWITZERLAND

Wer überlebt die ersten fünf Jahre? Die überraschende Bilanz der Schweizer Start-ups

Lukas Wolf Lukas Wolf lukaswolf.avalw.com · 127 reads Respect0 Save Share Read only
READS725live count PUBLISHED11 Sept2026 READING TIME3 min565 words LANGUAGEGerman
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Von allen Neugründungen übersteht nur rund die Hälfte die ersten fünf Jahre, doch Technologie-Start-ups trotzen diesem Trend mit einer Überlebensrate von etwa 85 Prozent. Ich schaue hinter die Finanzierungsrunden und frage, wer wirklich Bestand hat.

Ich verfolge seit Jahren die Start-up-Szene und stelle mir bei jeder neuen Gründung dieselbe Frage. Wer von all diesen jungen Firmen wird in fünf Jahren noch existieren? Die Antwort darauf ist überraschender, als viele denken, und sie zeichnet ein erstaunlich zwiespältiges Bild der Schweizer Gründerlandschaft.

Die grosse Frage nach fünf Jahren

Für die Öffentlichkeit besteht die Welt der Start-ups oft nur aus grossen Finanzierungsrunden und spektakulären Millionenbeträgen. Doch das eingesammelte Geld ist erst der Anfang. Die viel härtere Prüfung kommt danach, wenn sich zeigt, ob aus einer guten Idee auch ein Unternehmen wird, das dauerhaft Bestand hat.

Ein Blick auf alle neu gegründeten Unternehmen ernüchtert zunächst. Laut dem Bundesamt für Statistik überlebten von den im Jahr 2015 gegründeten Firmen nur rund 49,2 Prozent die ersten fünf Jahre. Anders gesagt hat etwa die Hälfte aller Neugründungen ihre Tätigkeit nach fünf Jahren bereits wieder eingestellt.

Start-ups trotzen dem Trend

Hinter jeder Gründung steht ein Arbeitsplatz voller Hoffnung, doch nicht jedes Start-up erreicht das fünfte Jahr.
Hinter jeder Gründung steht ein Arbeitsplatz voller Hoffnung, doch nicht jedes Start-up erreicht das fünfte Jahr.

Umso bemerkenswerter ist, was bei den eigentlichen Technologie-Start-ups geschieht. Gemäss dem sogenannten Start-up-Radar liegt ihre Überlebensrate nach fünf Jahren bei rund 85 Prozent. Verglichen mit dem Durchschnitt aller Neugründungen ist das eine erstaunlich hohe Zahl, denn diese jungen Firmen scheitern nur selten.

Dieser starke Kontrast hat mehrere Gründe. Technologie-Start-ups durchlaufen oft eine strenge Auswahl, erhalten professionelle Begleitung und bauen auf einer soliden Forschungsbasis auf. Gerade in der Schweiz, wo viele Gründungen aus Hochschulen wie der ETH stammen, ist die fachliche Qualität von Anfang an sehr hoch.

Der Weg durch die Jahre

Interessant ist auch, wie sich das Überleben über die Zeit verteilt. Mehr als vier von fünf Unternehmen schaffen es über das erste Jahr hinaus, was zunächst beruhigend klingt. Doch die wirklich kritische Phase liegt in den Jahren danach, wenn das Startkapital knapper und der Markt unerbittlicher wird.

Nach zwei Jahren sind über alle Branchen hinweg noch rund 70 Prozent der Unternehmen aktiv. Bis zum fünften Jahr aber hat sich diese Zahl bei den Neugründungen insgesamt etwa halbiert. Jedes Jahr, das eine junge Firma übersteht, macht ihr weiteres Überleben zugleich ein Stück wahrscheinlicher.

Nicht alle Branchen sind gleich

Ob ein Unternehmen überlebt, hängt stark von der Branche ab. Am besten stehen die Chancen im Gesundheits- und Sozialwesen, das in fast allen Auswertungen die höchsten Überlebensraten aufweist. So waren beispielsweise 63,5 Prozent der 2013 gegründeten Firmen dieser Branche fünf Jahre später noch aktiv.

Der Grund dafür liegt oft in einer stabilen und beständigen Nachfrage. Wo Menschen auf Betreuung, Pflege oder Gesundheit angewiesen sind, bricht der Markt nicht so schnell weg wie in schnelllebigeren Bereichen. Andere Branchen sind dagegen stärker von Moden, Konjunktur und hartem Preiskampf abhängig.

Was Überleben wirklich bedeutet

Bei all diesen Zahlen darf man eines nicht vergessen. Überleben bedeutet nicht automatisch Erfolg. Eine Firma kann fünf Jahre lang bestehen und trotzdem ums nackte Weiterkommen ringen, während ein rasch gescheitertes Start-up manchmal wertvolle Erfahrungen und ganz neue Ideen hinterlässt.

Hinter jeder Statistik stehen zudem echte Menschen mit ihren Träumen und ihrem Einsatz. Wer ein Unternehmen gründet, riskiert Ersparnisse, Zeit und oft auch ein Stück Sicherheit. Die kühlen Prozentzahlen erzählen deshalb immer nur die halbe Geschichte einer sehr persönlichen Reise.

Warum die Zahlen Mut machen

Trotzdem stimmen mich diese Erkenntnisse insgesamt zuversichtlich. Dass gerade die Technologie-Start-ups so selten scheitern, spricht für die Stärke des Schweizer Ökosystems aus Hochschulen, Kapitalgebern und erfahrenen Fachleuten. Es zeigt, dass gute Rahmenbedingungen einen echten Unterschied machen können.

Ich werde die jungen Firmen also weiterhin aufmerksam begleiten und mich weiter fragen, wer von ihnen in fünf Jahren noch da sein wird. Denn hinter jeder nüchternen Überlebensrate verbirgt sich am Ende die viel spannendere Frage, welche Idee von heute die Welt von morgen prägen wird.

5 responses
Mia Wagner5 days ago

Ausgewogene Sicht auf Deeptech.

3
Mia Weber4 days ago

Starke Berichterstattung zu Deeptech.

1
Leon Neumann5 days ago

Solide Einschätzung zu Deeptech.

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Jonas Koch4 days ago

Treffend.

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Jonas Weber4 days ago

Sehr richtig.

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Lukas Wolf 2026-09-11 · 3 min read · 725 reads
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